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Archiv für März 2011

Multitasking Power-Frau – Christine Rothacker

Christine Rothacker: Ich bin so frei – Derniere

Christine RothackerTROSTBERG (bm) – Christine Rothacker spielt ihr grandioses Musiksolo ‚Ich bin so frei‘ ein letztes Mal. Schade. Denn Publikum und Presse waren gleichermaßen begeistert. „Das ist der Gipfel. Ein echter Höhepunkt!“ jubelte der ‚Watzmann-Rundblick‘ und ‚Psychose heute‘ diagnostizierte „Einfach Wahnsinn diese Frau!“.
Feiern bis der Arzt kommt und Schlafen bis mittags um zwölf. So stellen sich viele das Leben einer Freiberuflerin vor. Ein Häuschen im Grünen und jede Menge Freizeit. Manchmal abends auf die Bühne. Und immer Kohle ohne Ende. La dolce vita.

Christine Rothacker (Foto © Anna Aigner)Hahaha, dreimal kurz gelacht, bilanziert Christine Rothacker das süße Leben à la bohème. In ihrem komischen Solo zeichnet sie selbstironisch das Bild einer Frau, die multitasking den Alltag schmeißt, die Romantik selbst noch in der restlosen Selbstausbeutung zu entdecken vermag und sich notfalls ihr Publikum auf der Alm sucht. Der Spagat zwischen ökologisch korrektem Leben auf dem Land und den Brettern, die angeblich die Welt bedeuten.

Die Schauspielerin und Sängerin Christine Rothacker illustriert mit sinnlichen und bösen Chansons die verrückte Hetzjagd nach dem Idealzustand – begleitet nur von ihrem Akkordeon. Ein Abend für die Heldinnen des ganz alltäglichen Wahnsinns, die doch nichts geringeres verdient haben als rote Rosen. Hingehen!

‘Ich bin so frei‘ – zum letzten Mal:
Sonntag, 3. April 2011: Trostberg, Postsaal
Kartentelefon: 08621 –970 96 02

www.christine-rothacker.de

 

Gefühl, Verstand und Videos – Alfons

30. März 2011 1 Kommentar

Alfons: Die Rückkehr der Kampfgiraffen – Kritik

Alfons (Foto © SR Pasquale d'Angiolillo)BERLIN (gc) – Das Markenzeichen steht schon auf der Bühne. Vor einer großen Leinwand lehnt an einem Stehtisch Alfons‘ Puschelmikrofon. Dann kommt er, der Künstler, schlurfend, mit Trainingsjacke und einer Art Hose bekleidet, mit der er in jedem Berliner Problemkiez untertauchen könnte. Er wirkt etwas unbeholfen, radebricht mit deutlich französischem Akzent und macht politisches Kabarett. Erklärt die Haltung der Franzosen zur Kernkraft. Dort wäre ein Ausschalten der Anlagen gar nicht möglich, weil der große und gleichzeitig körperlich kleine Präsident „Sarkozy gar nicht an den Schalter herankommt.“

Er jongliert mit den Frankreich-Klischees Rotwein, Baguette und Käse. Betrachtet aber auch Deutschland, wo die CSU zur „Copy Shop Union“ mutiert ist und selbst die Doktorarbeit des Freiherrn zu Guttenberg adlig geworden ist: die sei schließlich „von anderen“. Reizvoll und durchaus intelligent, dieser Blick aus dem westlichen Nachbarland auf Frauenquote, Libyen(ent)haltung und Westerwelle. Es ist ein schnelles Programm, das Alfons im ausverkauften Haus der Berliner Wühlmäuse spielt. In der ‚Rückkehr der Kampfgiraffen‘ wechseln sich sprachliche, musikalische und Videobeiträge ab. Denn so ganz ohne seine Umfragen für das Fernsehen kommt Alfons nicht aus. Die merkwürdigsten Fragen und Antworten werden immer mal wieder auf die Leinwand projiziert.

Bei einer dieser Umfragen hat er Heinz kennengelernt. Heinz ist trotz seiner neunzig Lebensjahre klar im Kopf und lebt mit seiner Frau in einem Hamburger Altersheim. Vor fünfzig Jahren hat er seine Heimatstadt Berlin verlassen und eigentlich auch keine Sehnsucht mehr nach ihr. Außer vielleicht – ja, seine Grundschule, in die er 1922 eingeschult wurde, die möchte er gerne wiedersehen. Heinz, der im wahrsten Sinne des Wortes die Großelterngeneration repräsentiert, wird wichtig für den Abend. Denn er bekommt ein eigenes musikalisches Thema.

Natalie, Alfons‘ musikalische Partnerin, nimmt den Walzer immer wieder am Flügel auf, wenn die Rede auf ihn kommt. Alfons fühlt sich Heinz so verbunden, dass er für ihn die Reise nach Berlin organisiert und sich mit ihm zusammen auf den Weg macht. Alles hübsch dokumentiert und auf die Leinwand projiziert. Es rührt mächtig, wie der alte Herr vor seiner alten Schule steht und sich nicht hinein traut. Ein Empfangskomitee aus Schülern und Lehrern steht bereit und ermöglicht es Heinz, mit seinem eigenen Schulwissen zu brillieren.

Das geht manchmal hart an die Kitschgrenze und hat ab und zu den leichten Geschmack des Vorgeführtwerdens von Heinz. Erstaunlich, wie gut es Alfons gelingt, politisches Kabarett und eine herzergreifende Geschichte zu vereinen. Dieser Multimediaabend mit tagesaktuellen Einsprengseln und vielen kurzen musikalischen Zäsuren bleibt angenehm im Gedächtnis.

Gilles Chevalier © 2011 BonMot-Berlin Ltd.

nächste Termine:
Do, 31. März 2011: Frankfurt, Kabarett Die KÄS
Fr, 8. April 2011: Ratzeburg, Burgtheater
Fr, 15. April 2011: Stuttgart, Theaterhaus

www.alfons-fragt.de

Kategorien:Kabarett

Tastenkabarett an der Scherzgrenze – Axel Pätz

Axel Pätz: Das Niveau singt – Premiere

Axel Pätz (© Foto Alex Lipp)HAMBURG (bm) – Mit seinem Erfolgsprogramm ‚Die Ganze Wahrheit‘ avancierte Axel Pätz zu einem Shooting-Star der deutschen Kabarett-Szene. Jetzt präsentiert er sein zweites Solo-Programm: ‘Das Niveau singt’. Als letzter Vertreter einer Generation, für die nicht jeder Kindergeburtstag ein Mega–Event ist, berichtet Axel Pätz von den Schrecken des Alltags, wie dem Kauf von Elektrohaushaltsgeräten und liefert erhellende Einblicke in das Privatleben von Serienmördern.

Und wenn Pätz erläutert, welche verheerenden Auswirkungen Aufsitz-Rasenmäher auf die Psyche des Mannes haben können, wird deutlich: Hier erzählt einer, der alle Abgründe des Lebens ausgelotet hat. Mit bösartigem Witz und gekonnt makaberen Liedern hat Axel Pätz wieder an der Scherzgrenze der Gesellschaft Posten bezogen, um dort nicht nur in die Tasten, sondern auch seinen Mitmenschen kräftig auf die Finger zu hauen.

Zum ersten Mal zu erleben bei der Premiere am
Mittwoch, 30. März 2011 im Polittbüro, Hamburg
und nach einem Tag Pause am
Freitag, 1. April 2011 im Polittbüro, Hamburg

weitere Termine:
www.axelpaetz.de

Aktionärsversammlung der Vertrauensstörer – Heinrich Pachl

29. März 2011 1 Kommentar

Heinrich Pachl: Das überleben wir – Premiere

Heinrich Pachl © theaterkontorMEERBUSCH (bm) – Unter diesem zukunftsfrohen Motto lädt das Institut für Vertrauensstörende Maßnahmen zur Jahreshauptversammlung, die am Mittwoch, 30. März, im Wasserturm Meerbusch stattfindet. Und Heinrich Pachl als Managing Director legt Rechenschaft ab. Da wird Bilanz gezogen und Ausblick gehalten und Kassensturz gemacht – und ob dann was für die Gewinnausschüttung übrig bleibt, muss der Abend zeigen.

Die Zuschauer, die mit Erwerb der Eintrittskarte Aktionäre werden, haben ein Recht auf Rendite. Aber immer nur den Finger in die Wunde legen und das Lachen im Hals zum Steckenbleiben zu bringen – das reicht nun wirklich nicht mehr! Da muss eine klare Alternative aufgezeigt werden, damit es auch zu Entscheidungen kommen kann.

Was hilft wirklich und nachhaltig gegen die neue Kriegs-Demagogie, den nervigen Sozial-Populismus, die geistig-moralische Sterbehilfe, Finanz-Verschleierung und alles andere, was der Markt von Stimmung und Meinung derzeit hergibt. Lassen wir uns die Grenzen der Unzumutbarkeiten noch mehr erweitern? Wollen wir wieder das Primat des Politischen, oder begnügt man sich weiterhin mit politischen Primaten? Welches Maximum an Widersinn kann der deutsche Durchschnittsbürger mit einem Minimum an Berstschutz aushalten?

Geht es darum die Verhältnisse zu ändern? Oder darum zu trainieren, wie man den laufenden Schwachsinn überhaupt noch aushalten kann? Geht es weiterhin darum, die Enttäuschten zu trösten, die Hoffnungslosen hinzuhalten, die Müden zu ermutigen, aber die Wütenden zu ermüden? Oder soll man nicht jetzt endlich mal, aus Frust, Wut und Empörung erneuerbare Energien schaffen? Da wird kontrovers debattiert, und Pachl muss an vielen Meinungsfronten kämpfen. Duelle zwischen Pointen-Pistole gegen Kalauer-Kanone sind zu befürchten.

Aber es gilt weiterhin die Devise: Wer will, der kann, und wer nicht kann, der will nicht, und wer nicht will, der kann uns mal, aber das kann nun wirklich keiner wollen. So dass sich der Eintritt mit Vergnügen und Lachen verzinst. Also: Das überleben wir!

Premiere ist am
Mittwoch, 30. März 2011 im Forum Wasserturm, Meerbusch

weitere Termine hier

Respektlos und schwarzhumorig – Axel Pätz

Axel Pätz: Die Ganze Wahrheit – Kritik

Axel Pätz (Foto: Alex Lipp)

BERLIN (gc) – Axel Pätz ist einer der ältesten Kabarettdebütanten – schließlich hat er 2010 mit Mitte 50 noch den Nachwuchspreis ‚Hamburger Stadtteilkultur‘ gewonnen und den Publikumspreis beim saarländischen Wettbewerb um die ‚St. Ingberter Pfanne‘. (www.liveundlustig.de berichtete)

Sein Leben lang hat er Musik gemacht, hat Chöre gegründet und geleitet, hat für Bühnenstücke und Musicals seinen musikalischen Beitrag geleistet. Nun steht er mit seinem ersten Programm ’Die Ganze Wahrheit‘ auf der Bühne der Berliner ‚Wühlmäuse‘. Doch die Wahrheit gibt es bei Pätz immer in verschiedenen Versionen: light, classic und premium. Heute (und bei diesem Publikum) muss es natürlich die Premium-Version werden …

Axel Pätz erzählt von anstrengenden Besuchen bei IKEA, vom Hype um die Bio-Läden, „die in Hamburg schon die ganzen kleinen PENNY-Geschäfte verdrängt haben“, von den nachteiligen Auswirkungen ökologisch korrekter Ernährung, die bei Kindern die Entwicklung von Abwehrkräften verhindert und dadurch Allergien auslöst. Es sind kurzweilige, pointierte Texte, die die Songs miteinander verbinden.

Musikalisch ist Axel Pätz sehr abwechslungsreich: Seine Lieder, die er am Flügel, auf dem Akkordeon und der Concertina spielt, klingen mal nach Ländler, mal nach Samba oder Boogie-Woogie. Pätz berichtet vom Leben und seinen Abgründen. Er singt vom „Geburtstrauma“ und stellt mit wenigen eindringlichen Gesten die ewig im Kreis laufenden Gespräche mit seiner altersdementen Mutter dar. Bedenklich dicht an der Scherzgrenze das Lied vom „Baby im Gefrierfach“, das aus Aussagen des beschuldigten Elternpaars vor Gericht montiert ist.

‚Die Ganze Wahrheit‘ kann sich aber auch anders darstellen. Heiter und beschwingt kommt im zweiten Teil die Nummer zum Mitsingen daher und eine ahnungslose Zuschauerin wird zur Darstellung verschiedener Umarmungsstile auf die Bühne gebeten. Selbst vor einem Outing auf offener Bühne – als Bayern-München-Fan – schreckt der Künstler nicht zurück! Seinen fein gesponnenen roten Faden läßt er dabei nie aus der Hand gleiten. So entsteht ein runder Abend, der von drei Zugaben gekrönt wird. Zugaben, die vom Publikum eingefordert werden, und die der Künstler den Anwesenden nicht aufzwingen muss.

Ende März hat der späte Newcomer Axel Pätz mit seinem zweiten Programm in Hamburg Premiere. Hoffentlich gelingt ihm etwas ähnlich Respektloses, Schwarzhumoriges und Unterhaltendes wie in ‚Die Ganze Wahrheit‘.

Gilles Chevalier © 2011 BonMot-Berlin Ltd.

nächste Termine:
Sa, 26. März: Heilbronn, Kulturkeller
So, 27. März: Stuttgart, Merlin

PREMIERE !
‘Das Niveau singt‘
Mi, 30. März: Hamburg, Polittbüro
Fr, 1. April: Hamburg, Polittbüro

www.axelpaetz.de

Kategorien:Kabarett

Harmlose Spitzfindigkeiten – David Leukert

David Leukert

David Leukert: Vom Single zur Kleinfamilie – Kritik

BERLIN (gc) – Der Programmtitel klingt nach Fortbildung oder Anleitung zur persönlichen Weiterentwicklung. Da gleitet dem geübten Single sofort der Blick zur Seite. Doch leider: Hier ein ausgeprägter Bierbauch an einem Herrn gesetzten Alters; dort ein leerer Sitz. Einer der wenigen an diesem Sonnabend Nachmittag in den Berliner ‚Wühlmäusen‘.

David Leukert verspricht im Untertitel „Das Beste aus fünf Programmen“. Seinen fünf Programmen, mit denen er seit über 15 Jahren auf Tour ist. Davor hat er Pädagogik studiert und einen Sohn gezeugt. Über Baumpflanzungen und Bauherrenprojekte ist nichts bekannt. Da ist einige Lebenserfahrung auf der Bühne, von der Leukert freimütig erzählt: „Mein siebzehnjähriger Sohn lebt bei seiner Mutter. Er ist alleinerziehend.“ Dieser Sohn bildet die Klammer, denn er will sich bei ‚Deutschland sucht den Superstar‘ bewerben. Leukert holt nun aus und beschreibt die Probleme einer Patchwork-Familie.

Dann aber wird es geschichtlich, mit einem Blick auf die Verkupplungsshows im Fernsehen der neunziger Jahre, mit Erinnerungen an Erlebnisse auf Autobahnen und mit Monteuren der Deutschen Telekom. Es ist eine Art Lebensbeichte des ruhigen Mitbürgers in seinen Vierzigern. Er spielt ein wenig mit Dialekten und zur Auflockerung an der Gitarre und der Mundharmonika. David Leukert sucht seine Vaterrolle zu füllen. Er sucht bei der Globalisierung, bei der Volksmusik- und Schlagerveralberung, bei Begrüßungsritualen in Deutschland und der Welt, ja selbst beim Besuch in der Kosmetikabteilung. Nur fündig wird er nicht.

David Leukert hat auch eine Zeitlang im ‚Quatsch Comedy Club‘ moderiert. Das Moderieren ist ganz sicher sein Ding. Über die ganze Show hinweg bietet er ein buntes Sammelsurium harmloser Spitzfindigkeiten. Zweifellos tauglich für eine schöne Conférence, für einen eigenständigen Abend jedoch nicht gehaltvoll genug. Doch was zählt des Kritikers Meinung, wenn das Publikum intensiv und herzlich applaudiert? Es hatte seinen Spaß. Na bitte.

Gilles Chevalier © 2011 BonMoT-Berlin Ltd.

nächste Termine:
24. – 26.3.2011 Mainz, unterhaus

www.davidleukert.de

Kategorien:Kabarett

Tacheles in der Arena – Politischer Aschermittwoch 2011

12. März 2011 6 Kommentare

© www.conanima.de

7. Politischer Aschermittwoch in Berlin – Kritik

BERLIN (bm) – Politische Aschermittwochsreden sollen das vergangene Jahr – im Karnevalszyklus gerechnet, versteht sich – durch den Kakao ziehen. Der Berliner Kabarettist Arnulf Rating hat diese Tradition, die aus den katholischen Regionen kommt, ins protestantische Berlin geholt. Die Arena in Treptow war knüppeldicke gefüllt. Die Gästeliste imposant. So viel vorweg.

Und auch das noch im voraus: Das absolute Highlight des Abends war der Auftritt von Dieter Hildebrandt. Sorry, liebes Mittelalter.

Urban Priol © www.conanima.de

„Gute Kopierer können wir immer brauchen!“ (Urban Priol)

Urban Priol eröffnet mit fränkischem Abwatschn. Guttenberg kriegt selbstverständlich sein Fett ab, der ja auch gerade den Aachener Orden wider den tierischen Ernst erhalten hat. Bisher haben den nur Männer erhalten, sagt er. Deswegen habe er jetzt eine Eingabe gemacht, „dass sie nächstes Jahr mal ne Frau nehmen.“ Tosendes Gelächter. Die Pleiten des Jahres und die staatlichen Rettungsversuche. Quelle hat noch eine Finanzspritze von 50 Millionen Euro bekommen, um damit einen Katalog zu drucken, aus dem sich niemand mehr was bestellen konnte. Immerhin: „Die Rentner hatten über den Winter was zum Blättern.“

 

Matthias Tretter, Franke und ein Drittel des Ersten Deutschen Zwangsensembles, konjugiert aktuelle Themen durch: Islam, Atomkraftwerke (noch vor Fukushima!), Umweltbelastung und Spider, Andres Krenzke © www.conanima.deBilligfleisch. Und wie jedes Jahr beim Politischen Aschermittwoch gibt es einen, der mit politischem Kabarett so gar nichts am Hut hat. 2011 war’s Spider, Andreas Krenzke. Mit seinen beiden Geschichten über die Ferien auf Usedom und das sich unter verschiedenen Umständen nur leicht variierende Chaos in der Wohnung – eine feine mathematische Etüde auf sprachlicher Ebene mit neuen Unbekannten – ist der Vorleser in der riesigen Arena eher verloren gegangen.

Wenzel © www.conanima.deAnschließend Wenzel mit einer Parodie auf das Schlaflied ‚Der Mond ist aufgegangen‘. Schöner Text über die Bankenkrise „Der Dax ist down gegangen und alle kranken Banken …“ Einziger Haken an der Sache: Jeder der Anwesenden ist mit dieser Melodie schon wenigstens einmal in den Schlaf gesungen worden. Sowas sitzt tief drin und wirkt lange nach.

Bei Dieter Hildebrandt werden alle Kinder wieder wach. Juchhuh, der Opa erzählt uns ne richtige Geschichte! Ne lustige! Super. Mit seinem Auftritt am Ende des ersten Teils holt er die Stimmung aus dem Keller und rettet sie über die Pause hinweg. Er weiß eben einfach, wie Kabarett funktioniert. Dabei wirkt das alles, als würde es ihm im Moment just einfallen. Dieter Hildebrandt spielt auf dem Niveau, auf dem sich jede Beurteilung erübrigt. Mit Süffisanz und Empörung assoziiert er sich von Guttenberg – „Ich habe kämpfen gelernt, aber jetzt sind meine Kräfte zu Ende. Selbst der Satz war nicht von ihm. Der ist von Captain Kirk!“ – über Ursula von der Leyen mit dem „aasigen Lächeln“ bis zu Kachelmann „Hat der nun die Alice Schwarzer vergewaltigt oder nicht? Oder war es umgekehrt?“, um dann festzustellen: „Der Modergeruch, der durch dieses Land zieht, kommt von der Leiche des Kabaretts!“ – wie sonst könnte eine Cindy aus Marzahn „mit den Überresten ihres Denkvermögens 7.000 Leute anziehen?“

Dieter Hildebrandt © www.conanima.de

Probleme einfach mal weglachen!

Die größte Verblödungsgefahr drohe hierzulande jedoch vonseiten der hoch entwickelten „Glücksindustrie“, deren Auswüchse für Senioren wie ihn in „betreutem Denken“ mit Heidi Klum enden. „Optimismus ist, wenn ein Fünfundneunzigjähriger zur Vorsorgeuntersuchung geht.“ Der Altmeister der Satire widmet sich ausführlich dem Trend des Sorgloslebens, erzählt uns die Theorien von Christoph Emmelmann, dem Erfinder der Lachtherapie, die an Absurdität kaum zu übertreffen sind. Probleme einfach weglachen, empfiehlt der, und Hildebrandt hat sein Buch nicht nur gründlich studiert, sondern auch alle Turnübungen trainiert. Seinem großartigen Auftritt setzt er mit einem Rentnerrap, zu dem er mit der Gehhilfe den Takt klopft, die Krone auf. Kommentar eines echten Hiphoppers: „Der darf das!“

 

Der Politische Aschermittwoch auf Hochtouren – ein einziger Höhenflug des Kabaretts. Bestsellerfresser Wolfgang Nitschke aus Köln verreißt gekonnt Nina Hagens Autobiographie, gespickt mit Zitaten aus dem Buch, in denen sie sich schier endlos wiederholt in den Bekenntnissen zu ihrer übergroßen Liebe zu Gott. Nitschkes Fazit: „Nie hätte ich gedacht, daß mir die Liebe mal so auf den Sack gehen würde!“

Wolfgang Nitschke © www.conanima.de

Matthias Tretter © www.conanima.deMatthias Tretters Auftritt im zweiten Teil wesentlich stärker. Seine Parodie auf Merkels Neujahrsansprache: „Wir müssen jetzt innehalten und nachdenken, wie wir Verantwortung übernehmen, den Klimaschutz bekämpfen, auf eine saubere Umwelt und eine sichere Rente verzichten.“ – Grandios!

„Merkel, wir wissen, wo dein Flugzeug steht“, nimmt Urban Priol ab und führt den Abend zum grande Finale. Der große Rundumschlag Stuttgart 21, die Wutbürgerdebatte, die Gefälligkeiten der Industrie – wird alles rhetorisch exzellent vernichtet. „Jesus hat die Wucherer aus dem Tempel gejagt. Was macht eine christlich geführte Regierung?“ – Hurks.

Arnulf Rating © www.conanima.deGastgeber Arnulf Rating hat mit Nonchalance bissige Akzente gesetzt ohne seinen Gästen die Show zu stehlen. Und wie jedes Jahr hat die schräge Blaskapelle IG Blech – „mit der Lizenz zum Tröten“ – für die angemessen schrille musikalische Begleitung gesorgt. Wir freuen uns schon auf 2012!

Beate Moeller © 2011 BonMoT-Berlin Ltd.

nächster Termin:
Aschermittwoch, 22. Februar 2012: Berlin, Arena

zuvor erscheint der Live-Mitschnitt auf CD bei www.conanima.de

Kategorien:Kabarett

Arnulf Rating: Zebrano-Theater muß bleiben!

11. März 2011 1 Kommentar
Arnulf Rating © Thomas Raese

Arnulf Rating

Hallo Zebranos,
es ist ungeheuerlich, was in dieser Stadt alles möglich erscheint. Gerade die quirlige Kultur, die im Zebrano-Theater heimisch ist, zeigt das, wofür Berlin steht: Kreativität, ständige Erneuerung. Die Menschen, die da zusammenkommen sind diejenigen, die Berlin zu dem Besonderen machen, das es ist, quirlig, frisch, aufregend.

Es ist nicht hinzunehmen, dass so ein Ort lebendiger Kultur geschlossen wird. In Berlin kann man das Geld aufbringen, um für weit über 200 Millionen Euro die Lindenoper zu renovieren. Das ist eine tolle Sache. Aber für das Zebrano Theater soll es keine Zukunft geben? Das wäre unglaublich!

Macht weiter! Haltet durch! Bleibt übrig!

Arnulf Rating

www.rating.de

Kategorien:News und Termine

Aufruf gegen die Schließung des Zebrano Theaters

von Michael Krebs
Michael Krebs

Liebe Künstler, Kollegen, Theatermacher und Theaterfans,

viele von euch haben es vermutlich schon gehört: Sebastian Krämers wunderschönes Zebrano Theater in Berlin Friedrichshain hat eine so heftige Mieterhöhung erhalten, dass sie wahrscheinlich schließen müssen.

Berlin verlöre dadurch einen tollen und aufregenden Spielort, dessen Schließung eine große Lücke hinterlassen würde.

Besonders ärgerlich ist aus meiner Sicht, dass sich Hans Kaspar Aebli und Co 6 Jahre lang wirklich den Arsch aufreißen, um diese tolle Bühne erfolgreich zu betreiben, mit ihrer Arbeit den Kiez aufwerten und zum Dank dafür werden sie quasi rausgeschmissen. Dass die Immobilienfirma, die das Haus gekauft hat, steigende Mieten überhaupt verlangen kann, ist auch der Arbeit des Zebrano-theaters (und der dort auftretenden Künstler/innen) zu verdanken. Logisch wäre, die Miete zu senken und damit die Wertschöpfung, die das Theater erbracht hat, anzuerkennen. Genau das Gegenteil zu machen, ist grotesk.

Es gibt noch Hoffnung, über einige politische Kanäle etwas zu bewirken. Um zu zeigen, dass die Sache wirklich relevant ist, hat das Zebrano-Theater eine Facebook Seite eingerichtet, auf der sich Unterstützer via “gefällt mir” Klick eintragen können. Je höher die Zahl, desto überzeugender können die Theatermacher argumentieren. Um euch einzutragen, klickt bitte hier:
(am besten noch zwei Sätze persönlichen Kommentar dazu schreiben, L+L)

Berlins Attraktivität profitiert stark vom kreativen Leben der Stadt, daher sehe ich auch ein großes öffentliches Interesse, Orte wie das Zebrano zu erhalten. Wenn ihr das genau so seht wie ich, mailt diesen Aufruf weiter oder postet ihn!

Danke und herzliche Grüße,

Michael Krebs

www.michaelkrebs.de

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