Gayle Tufts: Let it Show! – Programmtipp

Gayle Tufts – Foto © Fabian Maerz

Die neue Wintershow im tipi

BERLIN (bm) – Da kommt adventliche Vorfreude auf! Die vielseitige Gayle Tufts mit funkelnden neuen Liedern und hellem Humor für die dunkle Jahreszeit. Die “amerikanischste Berlinerin seit John F. Kennedy” präsentiert neue, selbst geschriebene Lieder und soulvolle Cover der besten Wintersongs von Paul Simon, Prince, Weiterlesen

Emil Steinberger: Drei Engel!

EMIL Steinberger – Foto © Niccel Steinberger

Das „Einmann-Duo“ in der Komödie am Kurfürstendamm
22. November bis zum 6. Dezember 2011

BERLIN – Jahrelang war EMIL mit seinen erfolgreichen Kabarett-Programmen auf deutschen und Schweizer Bühnen unterwegs. Doch auch der Steinberger hätte zu dieser Zeit Ideen und Wünsche gehabt, die er immer wieder zu Gunsten von EMIL zurückstellen musste.

1987 platzte dann dem Steinberger der Kragen und er nahm EMIL von der Bühne, um endlich auch einmal seine Pläne in die Tat umsetzen zu können. Er machte erfolgreich Werbung und ging schließlich nach New York, um dort ein paar Jahre als „Mister Nobody“ leben zu können. 1999 kehrte er aus den USA zurück und schrieb seine Weiterlesen

Thomas Stipsits & Manuel Rubey: Triest

Stipsits & Rubey - TRIEST

Sehnsucht nach Florenz

WIEN (pb) – Überraschungen sind doch das Schönste. Wenn ein Publikumsliebling unter den heimischen Kabarettisten aus Freundschaft und Freude zusammen mit einem bislang vorrangig als Schauspieler und Musiker in Erscheinung getretenen Falco-Film-Darsteller ein Programm mit dem ergebnisoffenen Titel „Triest“ schreibt und spielt, kann doch niemand ahnen, dass dabei ein ebenso spaßiges wie berührendes, sensationell gelungenes Stück Kleinkunstgeschichte herauskommt. Sehr super! So sehr man auch die Kirche im Dorf lässt. Das sei mal festgehalten für alle, die nur den ersten Absatz lesen.

Thomas Stipsits und Manuel Rubey verkörpern in ihrem Duo-Debut (Regie : Andi Peichl) das Personal und die Passagiere eines Kreuzfahrtschiffs mit dem schönen Namen „Bloody Mary“, an dessen Bord gerade ein Film mit dem nicht minder schönen Namen „Die letzten Sonnenstrahlen des Glücks“ gedreht werden soll. In den Hauptrollen : Harald Krassnitzer und Christiane Hörbiger. Wer sonst? Die beiden zentralen Figuren von „Triest“ sind allerdings Stipsits und Rubey selbst. Ersterer ist als Bord-Entertainer, zweiterer als Film-Nebendarsteller angeheuert worden. Und sie müssen sich eine enge Kabine teilen.

Soweit die idealen Voraussetzungen für jede Menge Situationskomik und eine abwechslungsreiche Parade absurd-komischer Szenen und Charaktere, bei denen auch die Selbstironie und Insider-Anekdoten nicht zu kurz kommen.

Nicht unwesentlich zu der Wirksamkeit der gewitzten Mono- und Dialoge trägt das exakte Zusammenspiel mit der Tontechnik bei. Christian Stipsits – der kleine Bruder der unverändert entwaffnend lausbübischen Rampensau – sorgt am Mischpult für den Soundtrack zum Geschehen und die akustische Illustration der pantomimisch angedeuteten Requisiten. Das macht Spaß. Vor allem, wenn in der Geschwindigkeit mal ein falsches Geräusch zugespielt wird. Dann können dann sowohl Stipsits als auch Rubey ihrer sympathischen Spontaneität freien Lauf lassen.

Aber sonst? Mit einer in der Kleinkunstszene eher unüblichen, ja fast schon unheimlichen Perfektion und Präzision setzen sie ihre Geschichte in Szene. Pointe für Pointe. Ganz locker. Da steckt so viel Arbeit dahinter!

Da sitzt man dann als professioneller Beobachter des tadellosen Bühnengeschehens in der Pause mit Kollegen da, und geniert sich fast schon ein wenig dafür, dass man den einen oder anderen Mangel im Programm sucht: Ja, die Männer-Unterhaltung im Doppelbett hätte ein wenig kürzer sein können. Da geht die Spannung doch ein wenig verloren. Genau. Und die witzige Dreharbeiten-Szene mit dem Hampelmann von Regisseur verträgt auch noch ein paar Streichungen. Ist der Georg Friedrich schon bekannt genug für eine Parodie? Blablabla. Widerlich in Wahrheit. Meckern auf höchstem Niveau halt.

Und was machen Stipsits und Rubey, diese beiden großartigen Schelme ? Das einzig richtige: Sie setzen eine zweite Hälfte drauf, die jeden Kritiker zum Verstummen bringt. Zuerst ein Knalleffekt. Dann ein teils musikalisches, originelles Nummern-Potpourri – u.a. mit einem Dialog aus Filmzitaten, Dracula auf Wohnungssuche und einer ganzen Lebensgeschichte nur aus dummen Sprüchen und altbekannten Lebensweisheiten. Das ist alles nicht nur saukomisch, sondern – wenn man so will – auch im Kontext der Geschichte absolut gerechtfertigt. Und dann kommt noch das Finale. Und was für eines! Meine Herren! Über die Story der zweiten Halbzeit sollte ja eigentlich nichts verraten werden. Nur so viel vielleicht: Wann waren Sie im Kabarett das letzte Mal zu Tränen gerührt? Und kein einziger Ruf nach Zugabe. Jeder hat’s verstanden. Brillante Arbeit, große Kunst, beste Unterhaltung. Glückwunsch & Danke!

Peter Blau © 2011 kabarett.at

Nächste Termine TRIEST:
22.11.2011: Gleisdorf, Forum-Kloster
23.11.2011: Klagenfurt, Universität
25.11.2011: Wien, Rothneusiedlerhof
26.11.2011: Großwarasdorf, KUGA
1.12.2011: Wien, Stadtsaal
2.12.2011: Wien, Stadtsaal

www.stipsits.com
www.manuelrubey.com

Cora Frost & Band: Best of Rest of

cora frost

Freitag, 18. November im Berliner BKA

BERLIN (bm) – Die blaue Blume der Romantik ist verwelkt. Ihre Stelle hat schon längst die Bratwurst eingenommen. Nach etlichen Soloprogrammen mit und ohne Pommesbude macht Cora Frost noch einmal Station im BKA. Mit echter Kapelle. Alle Abenteurer freuen sich auf diesen wunderbaren Abend mit der einzigartigen Sängerin, die unter anderem mit dem renommierten Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet wurde.

Vor 25 Jahren machte sich Cora Frost auf, auf die Reise zur Musik. In einem von ihrem Vater geliehenen kaputten Ford Consul, vollbepackt mit 6 Musikern, Requisiten, eine riesige Trommel auf dem Schoss und einem Pappklavier auf dem Dach und einer Tür, die ständig herausfiel. Und mit dabei war auch ein kleiner batteriebetriebener roter Plattenspieler: “Male Rosen in den Schnee oder Herzen in den Sand, aber male nicht den Teufel an die Wand!“

Es war eine herrliche Reise, durch viele Länder, Zeiten, und mit vielen wunderbaren Menschen, viel Musik und Abenteuern – am Freitag führt diese ungewöhnliche Reise Sie ins Berliner BKA in Kreuzberg.

Beate Moeller © 2011 BonMoT-Berlin

Cora Frost & Band: Best of Rest of!
Fr, 18. November: Berlin, BKA, 20 Uhr
Karten-Telefon: 030 – 20 22 007, Eintritt: 24/20/16 + AK 2 €
tickets@bka-theater.de
www.bka-theater.de

Buchgraber & Brandl: denken verboten

Buchgraber&Brandl-Denken verbotenRoad to Nowhere

WIEN (pb) – Den gefährlichsten Moment im Spannungsbogen eines Roadmovies gilt es dann zu bewältigen, wenn das Ziel der Reise plötzlich erreicht ist. Vor allem, wenn das schon nach der Hälfte des Abends passiert. Da bedarf es schon der Durchgeknalltheit eines sonnenlosen Tarantinos oder eines Geniestreichs von Thomas Stipsits und Manuel Rubey („Triest“), um noch groß etwas draufzusetzen. Bis dahin ergibt sich ja alles, was die Story braucht, fast ganz von selbst. Denn unterwegs lassen sich gewünschte Begegnungen, erklärende Gespräche und notwendige Ereignisse jederzeit ohne großes Begründungsbündel einflechten. Lag halt auf der Straße. So einfach.

Aber dann! Und damit wären wir schon beim Knackpunkt – dem ersten und eigentlich einzigen Schwachpunkt – des vierten Programms des steirischen Kabarett-Duos „Buchgraber & Brandl“.

Übrigens: Die beiden wohnen seit ein paar Jahren in Wien und haben am Premieren-Abend auch gleich ihr neues Buch vorgestellt: „Im Beisl ihrer Majestät / Wien – ein Heimatbuch“ (Conbook Verlag). Ein etwas anderer, amüsanter Wien-Führer – unter besonderer Berücksichtigung der Fehler, die man als Neuankömmling in der großen Stadt tunlichst vermeiden sollte. Die beiden wissen, wovon sie schreiben!

Doch zurück zu „Denken verboten“. Buchgraber und Brandl verkörpern darin – vorrangig – zwei Charaktere mit den originellen Namen Martin und Joachim: zwei ziemlich voneinander entfremdete Ex-Kumpane auf dem Weg zur Party des einstmals dritten im Bunde – dem coolen Checker Robert. Einer, der nie lang nachgedacht hat, sondern immer gleich gemacht.

Auf der gemeinsamen Autofahrt lassen sie denkwürdige Erinnerungen Revue passieren, treffen diverse verhaltensauffällige Gestalten und erleben teils surreal-witzige Abenteuer. Mit ihrer körperkomischen Darstellungsweise (Regie : Gerold Rudle) und viel Gespür für absurden Humor, pointierten Dialogen und running-gags gerät ihnen die Reise zu einem originellen und kurzweiligen Trip ins Ungewisse.

Zur Pause kommen sie an: in einem als Event- und Party-Center zweitverwendeten Altersheim – um es auch nach dem Abendessen um 15 Uhr noch gewinnbringend nutzen zu können. Und ab diesem Moment franzt ihnen ihre bis dahin spannende Geschichte etwas aus. Viele der vormals zu einem festen Seil versponnenen roten Fäden baumeln etwas halt- und belanglos im Bühnengeschehen herum. Und keiner da, der sie wieder fest in die Hand nimmt.

Ein Haus mit vielen Türen und den unterschiedlichsten Menschen dahinter mag zwar als logische Erklärung für diese eher wie eine Sketchparade wirkende zweite Hälfte dienen, der Beigeschmack der Beliebigkeit lässt sich allerdings nicht ganz vermeiden. Sehr unterhaltsam bleibt es dabei über weite Strecken allemal. Das nicht zuletzt, wie es ihnen mit ihrer überzeugenden Schauspielkunst immer wieder gelingt, kleine zwischenmenschliche Konflikte und Katastrophen ihrer Charaktere gewitzt zu entlarven. Jetzt nur noch da und dort ein wenig feilen und bügeln – und der eine oder andere Schwachpunkt spielt keine Rolle mehr.

Peter Blau © 2011 kabarett.at

weitere Termine:
Sa, 19.11.: Wien, Metropoldi
Di, 29.11.:Graz, Theatercafé Graz
So, 4.12.: Wien, Theater am Alsergrund

www.buchgraberundbrandl.at

Wenn die Grauen Zellen rocken

BERLIN (bm) – Der Mann aus dem Fernseher: Ulli Zelle interviewt morgens den Kaninchenzüchterverein, mittags kämpft er mit Streikenden für mehr Lohn, um abends geschniegelt neben Jennifer Lopez auf dem roten Teppich zu stehen. Vermutlich hat sein Tag mehr als 24 Stunden, denn Ulli Zelle ist nicht nur Vollblut-Reporter, sondern auch begeisterter Sänger. Diese beiden Leidenschaften leben in friedlicher Koexistenz und teilen sich den gefühlten 48-Stunden-Tag.
sorry - ein größeres Bild gibt's nicht vom BKAAm Sonntag, 13. November legt Ulli Zelle sein rbb-Mikro aus der Hand, um die Bühne des BKA zu rocken. Mit unbändiger Spielfreude marschieren die Profi-Musiker der “Grauen Zellen” durch die Rock- und Pop-Klassiker der sechziger und siebziger Jahre, während Ulli in bester “Mick-Jagger-Manier” über die Bühne tobt und Songs von den Stones, den Kinks, den Beatles, Otis Redding oder Rio Reiser intoniert.
Gegründet an Zelles 50. Geburtstag, sind ULLI & DIE GRAUEN ZELLEN inzwischen Kult in Berlin! Wollnwajama jespannt sein!

Beate Moeller © 2011 BonMoT-Berlin Ltd.

Ulli + Die Grauen Zellen:
So, 13. November: Berlin, BKA, 19.30 Uhr
Karten-Telefon: 030 – 20 22 007, Eintritt: 22/18/14 + AK 2 €
tickets@bka-theater.de
www.bka-theater.de

Preisträgerin in spe Christine Prayon heute Abend im zdf

BERLIN/ MAINZ (bm) – Eine gute Nachricht für alle, die heute Abend nicht ins Theater gehen können: Christine Prayon tritt nachher in der heute show auf. Gerade ist sie zur Gewinnerin des Deutschen Kleinkunstpreises 2012 gekürt worden in der Sparte Förderpreis der Stadt Mainz. Liveundlustig berichtete.

Die Sendung beginnt um 23:15 Uhr im zdf und wird für die Nachteulen unter Euch um 01:15 Uhr wiederholt. – Hier geht’s zum Livestream

Für alle, die’s nicht abwarten können – Christine Prayon hier schon mal als Birte Schneider mit ihren letzten Börsennachrichten:

www.christineprayon.de

Tim Fischer singt ein Knef-Konzert

Tim Fischer Knef - Foto © Lutz Müller-Bohlen

Ungeschminkt.
An einem der letzten warmen Tage hat sich Marianne Kolarik zum Interview mit Tim Fischer getroffen

KÖLN (mk) – Wir sitzen auf der Terrasse eines Ausflugslokals in Köln und trinken Apfelschorle. Am Ende des Gesprächs kommt Ronaldo vorbei, der Mann, mit dem Tim Fischer verheiratet ist und der ihn überall hin begleitet, wo der in Berlin lebende Chansonnier Konzerte gibt. Um uns herum wuseln Kinder und Hunde. Keiner der erwachsenen Spaziergänger nimmt Notiz von Fischer – anders als am Ende seiner Auftritte, wo er von Menschentrauben umringt wird und um Autogramme gebeten wird.

Hildegard Knef ist für vieles bekannt – aber kaum für ihren feinen Humor.

TIM FISCHER: Ihre Texte erinnern an Christian Morgenstern. Sie ist anerkannt als Schauspielerin, auch als Sängerin – dass sie neben ein paar bekannten Liedern eine ganze Reihe unglaublicher schöner Songtexte geschrieben hat, wird nicht genug gewürdigt. Deswegen habe ich einen Abend zusammengestellt, bei dem man in den Knefschen Kosmos eintauchen kann. Es ist ein Abend der Lyrikerin, ohne Parodie, ohne Travestie.

Woraus besteht denn der Knef’sche Kosmos?

TIM FISCHER: Es sind die alltäglichen Sorgen, Probleme und Nöte, von denen sie erzählt. Sie erschafft einerseits neue Naturbilder und beschreibt andererseits apokalyptische Szenarien wie in „Die Herren dieser Welt“. Das für mich allerschönste Lied ist das, was sie nach der Geburt ihrer Tochter geschrieben hat „Doch hör nicht auf mich“, in dem sie sich Gedanken darüber macht, was man einem Menschen mit auf den Weg geben kann und zu dem Schluss kommt, dass man keine Ratschläge geben kann. Welche Größe sie da zeigt! Bei alledem hat sie eine ganz eigene, unverwechselbare Handschrift und ihr Geist schwingt durch ihre Texte.

Dabei finden sich auch Texte, die sehr aktuell klingen wie etwa der „Fragebogen“ von 1972.

TIM FISCHER: Ein topaktuelles Thema. Das ist eine ihrer zeitgemäßen Komponenten. Unter den Diven war sie die Ungekünstelte, ein kumpelhafter Typ. Und sie war unheimlich mutig, hat eigene Fehler eingestanden und Unsicherheiten zugegeben, was eine Marlene Dietrich niemals gemacht hätte. Sie hat Schlammschlachten ertragen müssen. Und sie war eine der Ersten, die öffentlich über ihre Krebserkrankung gesprochen und geschrieben hat. Das Tabu existiert heute noch. Über Männer, die Brustkrebs haben, wird bis heute geschwiegen.

Haben Sie die Knef noch selbst kennen gelernt?

TIM FISCHER: Nein, habe ich leider nicht. Sie hat sich einmal für ein Konzert angekündigt, wurde dann krank und hat sich in einem Brief bei mir entschuldigt. Was ich unglaublich rührend fand. Heute sagt man überall zu und kommt dann einfach nicht. Wir leben inzwischen in einer egozentrischen Gesellschaft.

In einem Lied schreibt sie: „nur weise, nein weise werde ich nicht – mein Ziel ist unters Rad gekommen“.

TIM FISCHER: Sie hatte keine Antworten parat, sondern hat Fragen gestellt. Wenn sie nicht weiter wusste, hat sie das geschrieben. Ich habe großen Respekt davor, wenn jemand so ehrlich ist. Wenn sie hingefallen ist, ist sie immer wieder aufgestanden und hat immer wieder neu angefangen.

Sie versuchen nicht, Sie zu imitieren…

TIM FISCHER: Das ist gar nicht nötig. Man spürt den Geist und muss gar nicht viel dazu tun. Sie hat es verstanden, einen schillernden, doppelten Boden in ihre Lieder einzuziehen. Es ist unglaublich, welche Emotionen diese Texte auslösen.

Als Sie 24 Lenze jung waren, haben Sie gesagt, dass Sie reifer würden und hinzugefügt, dass das vielleicht lächerlich klinge und das Eindrucksvollste am Leben sei der Tod. Wie steht es heute damit?

TIM FISCHER: Reifen geht permanent vor sich. Irgendwann ist man überreif. Dann fällt man vom Baum. Was den Tod angeht: Der ist mit Verdrängungen und Ängsten behaftet und von daher bekommt er einen speziellen Stellenwert. Deswegen ist es so wichtig, sich mit ihm auseinander zu setzen und zu wissen, dass das Leben endlich ist. Was einen dazu bringt, intensiv zu leben.

Die eigene Endlichkeit schwingt auch in vielen Knef-Texten mit…

TIM FISCHER: Sie war auch eine Intellektuelle. In einem ihrer Lieder nimmt sie dem Tod seine Dramatik. Schauen Sie mal dort: der Rosenverkäufer da (zu diesem gewandt) Was kostet denn eine Rose? (er kauft ihm eine ab und schenkt sie mir).

Sie singen an dem Abend auch „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ – eines ihrer bekanntesten Lieder.

TIM FISCHER: Die Knef hat gesagt, sie habe es in einem Anfall von Größenwahn geschrieben: Ihr sollten nur die guten Dinge im Leben begegnen. Da bleibt die große Frage, warum ein Lied ein Hit wird, obwohl andere wesentlich gehaltvoller sind.

Zum Beispiel der Song über die Schnecke…

TIM FISCHER: Der ist so süß. Sie hat sich ja auch mit Tieren beschäftigt, dem Schwertfisch oder dem Maulwurf – fabelhafte Lieder, die alle eine Aussage haben und den Menschen etwas sagen.

Sie haben früher betont, dass Sie sich nicht vorstellen können, sich jemals an einen Menschen zu binden – inzwischen sind Sie verheiratet.

TIM FISCHER: Auf die Liebe hat man glücklicherweise kaum einen Einfluss, sie erwischt einen eiskalt oder heiß – das weiß man nicht so richtig.

Für Kreisler haben sie die „Fackel der kultivierten Boshaftigkeit“ am Leuchten gehalten. Wie sieht die bei der Knef aus?

TIM FISCHER: Die Fackel der Liebe.

Und das Leid?

TIM FISCHER: Das gehört ja dazu. Sie hatte einen fast analytischen Blick, ihre Lieder laufen wie ein Film vor dem geistigen Auge ab, man sieht die Szenen komplett vor sich.

In Kombination mit der Poesie und dem Witz…

TIM FISCHER: Jeder Zuhörer kann seine eigene Phantasie mobilisieren, seine eigenen Erfahrungen und Vorstellungen rein interpretieren. Das ist das Schöne dieser Art von Kunst. Die Knef spricht immer von „wir“, nicht von „ich“. Sie klammert sich nicht aus, sondern sie sieht sich als Teil der Gesellschaft.

Als Schauspielerin musste sie sich schließlich auch in andere hineinversetzen – müssen Sie das nicht auch tun?

TIM FISCHER: Was die Knef angeht: da stellt man sich den Emotionen, man entblößt sich eher, als dass man spielt.

Die 89jährige Theaterbesitzerin Alexandra Kassen kommt zufällig vorbei und begrüßt Tim Fischer: „Du siehst ja wie ein Gymnasiast aus, so jung“, sagt sie zum ihm. „Ich hätte Dich beinahe nicht erkannt“.

TIM FISCHER: Das ist ja süß – ich bin nicht mal geschminkt.

Das Gespräch führte Marianne Kolarik © 2011 BonMoT-Berlin

Tim Fischer singt ein Knef-Konzert:
Di, 15.11. – So, 20.11.2011: Berlin, Tipi am Kanzleramt
Di – Sa 20 Uhr, So 19 Uhr, Tickets: 20,80 € – 39,50 €
Karten-Telefon: 030.39 06 65 50

VIDEO

http://videos.www3.arte.tv/de/videos/musik_tim_fischer_singt_hildegard_knef-3595232.html

Deutscher Kleinkunstpreis 2012

Die Gewinner stehen fest

Max UthoffMAINZ (bm) – Schon jetzt dürfen wir gespannt sein auf die Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises 2012. Denn die vom Mainzer Kabarett-Theater unterhaus berufene Jury hat eine imposante Gruppe von Preisträgern zusammengestellt. Weiterlesen