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Horst Schroth: Was weg ist, ist weg – Kritik

Horst Schroth 01 - Foto  © Oliver FantitschEin abendfüllender Geburtstag

BERLIN (gc) – Mutig ist er schon, der Horst Schroth! In anderthalb Jahren im (theoretischen) Rentenalter angekommen, ist er sich für keinen modischen Gag zu schade. Violette Wildlederschuhe sind es, die er bei seiner ausverkauften Vorstellung in den Berliner Wühlmäusen zum schwarzen Anzug trägt. Und sie passen perfekt zu seinem Einstecktuch. Respekt!

Welche Farbe haben noch gleich die Schuhe von Benedikt XVI.? Religionsübergreifend erzählt der Katholik Horst Schroth in „Was weg ist, ist weg“ erneut eine seiner atemberaubenden Geschichten. Sein Auto ist durch einen Brand zerstört worden und damit auch sein Laptop und seine Ausweispapiere.

Alles, so Schroth, ist gestern passiert, als sein bester Freund Fränki seinen 65. Geburtstag gefeiert hat. Aber vorher war noch eine ganze Menge Überzeugungsarbeit nötig, damit die Party überhaupt zustande kam. Fränki hatte sich nämlich vom Lebenszeitrechner bei Focus online irremachen lassen. Dort hatte er zwar gelogen und viel weniger Gewicht und viel mehr sportliche Aktivitäten angegeben, als der Wahrheit entsprechen – und trotzdem hat das Programm sein „Lebensendzeitjahr“ berechnet…

Horst Schroth 02 - Foto © Oliver FantitschHorst Schroth erzählt konsequent die Geschichte dieses Geburtstags. Dazu sind natürlich die Charakterisierung der Gäste und des Gastgebers nötig. Die vielen Frauen, mit denen Fränki bisher zu tun hatte, der alte Lateinlehrer, der auf dem Geburtstag noch eine Rede hält, der verschmähte italienische Gastronom, in dessen Etablissement die Feier gerade nicht stattfindet. Überwältigend auch, wie er von den Autonomen berichtet, die die Feier stürmen. Die entschuldigen sich am Ende sogar, weil sie regelrecht zurechtgestutzt werden. Wenn ein 65. Geburtstag gefeiert wird, findet sich in der Regel jemand, der eine viel eindrucksvollere Geschichte vom Kampf gegen das Establishment zu erzählen hat als diese Greenhorns!

Manchmal weicht Horst Schroth dabei etwas von der eigentlichen Geschichte ab, kommt aber letztlich immer wieder zur ursprünglichen Story zurück. Die Dialekte der Protagonisten deutet er dabei nur an, lässt jedoch im Zusammenspiel mit einer anderen Körperhaltung immer wieder neue Figuren plastisch entstehen. Aufgesetzt wirkt dagegen der aktuelle Bezug zur griechischen Finanzkrise. Das ist verzeihlich. Sitzt man doch entspannt in seinem Sessel und genießt einfach die Geschichte dieses gut gekleideten Künstlers.

Gilles Chevalier © 2012 BonMot-Berlin

Die nächsten Vorstellungen:
Mi, 22. Februar bis Sa, 25. Februar 2012: Berlin, Wühlmäuse, Kartentelefon: 030-30 67 30 11

Sa, 3. März und So, 4. März 2012: Köln, Senftöpfchen, Kartentelefon: 0221-258 10 58
Mo, 5. März 2012: Emmelshausen, ZAP, Kartentelefon 06747-932 20

Die CD zum Programm ist soeben bei WortArt erschienen. ISBN 978-3-8671-1324-2

www.horstschroth.de

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