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Mia Pittroff gewinnt den 6. Kabarettpreis in Vohenstrauß 2011

Die Fränkin punktet mit staubtrockenem Humor in der Oberpfalz

VOHENSTRAUSS (bm) – Der Wettbewerb um den kleinen, aber feinen Preis wurde in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal ausgetragen. Er hat seinen eigenen familiären Charakter – kombiniert mit dem rauen Charme der Oberpfalz: In der für Kleinkunst viel zu großen Friedrichsburg hat sich am Freitag jeder der vier Teilnehmer mit einem 40 Minuten langen Beitrag vorgestellt. Gestern hat das Publikum dann nach einer Mixed Show mit kürzeren Beiträgen den Gewinner des Preises gewählt, der satte 1000 Euro wert ist.

Mia Pittroff - Foto © Kultus KölnDie Vohenstraußer haben sich für Mia Pittroff entschieden. Schon mit ihrem Auftritt „Darf ich Euch Euchzen?“ hatte sie das Publikum für sich eingenommen. Die 31-jährige Künstlerin aus dem oberfränkischen Bayreuth hat ihren eigenen Stil im Kabarett gefunden, und der ist überzeugend. Gerne wird zitiert, dass sie irgendwie an den jungen Gerhard Polt erinnere. Da ist was dran. Sie reißt ein Thema an, gibt auf halber Strecke auf und wischt es mit so einer mürrischen Ach-das-hat-ja-sowieso-keinen-Zweck-Geste wieder weg. Den Rest muss man sich einfach selbst denken.

Wer wie sie aus Bayreuth stammt, kommt um die Beantwortung urheberrechtlicher Fragen nicht herum. Mia Pittroff gesteht es gleich zu Anfang: Das Programm „Mein Laminat, die Sabine und ich“ hat ihre Mutter geschrieben. Nur das hier, heute Abend, das hat sie sich mal schnell selbst ausgedacht. „Wir leben in einer Umso-Desto-Zeit“, sagt sie und nach ein paar Beispielen dafür, dass alles in der falschen Reihenfolge passiert, wendet sie ihre Behauptung auf die Theatersituation an: „Ihr könnt ja erst mal klatschen, ich überleg mir dann vielleicht, was ich dazu sag“.

Wie schwer es sein kann, ein Paket bei der Post aufzugeben oder ein Paar Ringelsocken zu kaufen. Was als Banalität aus dem Alltag beginnt, treibt Mia Pittroff gekonnt ins Groteske. Ganz wunderbar: Das Buddhismus-Wochenendseminar. Diese Religion kommt ja eigentlich aus dem Fränkischen. Die zwei Ds in der Mitte und überhaupt, diese gelassene Einstellung gegenüber den Wechselfällen des Lebens „Paßt scho“.

Keine Frage, Mia Pittroff kann ihre Sache. Sie kommt auch mal von hinten ganz leise um die Ecke. Ganz egal, ob sie sich über Milchkaffee-Marotten erschöpft oder begeistert davon singt, wie gern sie ihre persönlichen Daten hergibt, in der Hoffnung eine Traumreise und Megapreise zu gewinnen. Intelligentes Kabarett, das in jedem Moment Spaß macht!

Volk & Knecht - Foto © Otto LayherDie einzige Konkurrenz für Mia Pittroff beim Vohenstraußer Wettbewerb kam aus Köln. Das Duo Volk & Knecht haut mit rheinländischem Klamauk und Slapstick ganz mächtig auf die Pauke. Zwei schrille Damen in schwarzen Pailetten-Abendkleidern und auf schicken Stöckelschuhen. Das ist schon mal was für’s Auge. Nina Knecht, die außerordentliche Sängerin, und Andrea Volk, die freche Autorin.

Das ungleiche Paar piesakt sich gegenseitig, missversteht sich und macht jede Menge Rabatz. Ulkig, dass beim frivolen Schleiertanz mit der Gardine der Ventilator aussetzt und Frau Volk den Wind aus den Segeln nimmt. Frau hat es nicht leicht in so einer schwulen Stadt wie Köln den letzten unvergebenen Hetero ausfindig zu machen. Kölsches Entertainment. Man muss es mögen.

Manuel Wolff war nicht so gut drauf. (Von ihm hier kein Foto, weil er es uns untersagt hat.) Irgendwie kommt er nicht so richtig in Schwung. Mit seinen Musikparodien am E-Piano kann er beim Publikum kaum landen. Und auch die Mitmachnummer gerät zum Desaster. Ein Paar aus dem Publikum soll auf der Bühne vorspielen, wie es sich kennengelernt hat. Im Fall von Verena und Andi war das im Fitness-Studio. Deshalb muss Andi beweisen, wie viele Liegestützen er schafft, während Manuel Wolff ein sogenanntes Musical um die Geschichte improvisiert.

Die Internetnummer über sonderbare StudiVZ-Diskussionsgruppen verfehlt ihre Wirkung. Vermutlich, weil im Publikum nun mal eine andere Altersgruppe saß. „Mein Name ist Hans. Das L steht für Gefahr.“ – Darüber kann lachen, wer’s kennt. Und auch noch dann die Geschichte mit dem Lebkuchenherz von O2 aus Pappe.

Maria Vollmer - Foto © Patric FouadMaria Vollmer, Mutter zweier Kinder aus Köln-Nippes, spielt Maria Vollmer, Mutter zweier Kinder aus Köln-Nippes. „Sex & Drugs im Reihenhaus“ heißt das Programm, in dem sie von den unendlichen Weiten des hinlänglich bekannten Hausfrauen-Universums berichtet. Das Leben in der Reihenhaussiedlung ist „Käfighaltung für denkresistente Spießer“. Da werden die Mülltonnen von innen sauber gemacht. Auch der Ehemann – „Mein Gott, Rainer!“ – ist da weniger eine Hilfe, denn eine Behinderung. Allein Prosecco und Eierlikör machen dieses elende Dasein halbwegs erträglich.

Mit ihren Späßen bleibt Maria Vollmer an der Oberfläche, arbeitet artig ein Klischee nach dem anderen ab, wirklich überraschend ist nichts. Auch die hübschen Gesangseinlagen nicht. Trotzdem oder gerade deswegen erntet sie immer wieder Zustimmung. Manch eine Hausfrau hat sich da wohl wieder erkannt. Highlight dieses Wettbewerbsbeitrags: Das Märchen von dem großen Wäscheberg und der bösen Schwiegermutter. Zum Vollplayback stellt Maria Vollmer das Drama mit einem weißen Spannbetttuch pantomimisch dar, spannt und zerrt es, schneidet Grimassen und läuft zu komischer Hochform auf.

SchrägschraubenDas Ehepaar Monika und Bernhard Helmstreit aus Vohenstrauß hat diesen Wettbewerb ins Leben gerufen und die Sponsoren gewonnen, die diese feine Veranstaltung in der Oberpfalz erst möglich machen. Monika Helmstreit und ihre Schwester Regina Diegel führen als Die Schrägschrauben durch’s Programm.
Liebe Vohenstrausser, bitte macht so weiter!

Beate Moeller © 2011 BonMoT-Berlin

  1. 19. Oktober 2012 um 04:09

    Damit das hier nicht nach einseitiger Berichterstattung aussieht: Das PR-Foto von Manuel Wolff mußten wir auf seinen eigenen Wunsch hin entfernen.

  1. 10. Februar 2014 um 16:33
  2. 10. April 2013 um 01:38
  3. 18. September 2012 um 15:56
  4. 16. September 2012 um 03:47
  5. 13. September 2012 um 00:06
  6. 18. September 2011 um 21:35

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