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Deutscher Comedypreis 2011

Marianne Kolarik - Foto © Marianne Kolarik

Unterirdisch
Kommentar von Marianne Kolarik

KÖLN – Jeder kennt den „Murmeltier“-Effekt: Eine Art Déjà-vu-Erlebnis, bei dem man das Gefühl nicht los wird, die gegenwärtige Situation schon einmal erlebt zu haben. Die seit elf Jahren über die Bühne gehende Comedy-Preisverleihung gehört ganz eindeutig in diese Gattung. Fast so auswechselbar wie die Neujahrsansprache des Bundeskanzlers 1986, die aus dem Jahr zuvor stammte. Bei der Show, die am Dienstag im Kölner Colosseum produziert wurde und die RTL am Freitagabend ausgestrahlt hat, erschienen zwar mehr Akteure auf dem Bildschirm, aber der Effekt war ähnlich.

Da fragt sich so mancher, ob man Fernsehsendungen nicht preiswerter haben könnte: Anke Engelke, die bereits im vergangenen Jahr zum gefühlten hundertsten Mal die Trophäe entgegen nehmen durfte, sieht bei der diesjährigen Entgegennahme des Preises für „Ladykracher“ („Beste Sketchcomedy“) so gut aus wie eh und je. Das Gleiche gilt für den smarten Bastian Pastewka oder Bülent Ceylan, der immer noch schöne lange Haare hat.

Um zum dritten Mal die Auszeichnung als „Beste Komikerin“ entgegen zu nehmen, hat sich die unvermeidliche Cindy aus Marzahn ein neues, pinkfarbenes Kleid gekauft. Und klar: Der „erfolgreichste Live Act“ geht an – na, wen schon – natürlich Mario Barth, zum siebten Mal in Folge. Die Frage, ob man „Danni Lowinski“ wirklich zwei Mal als „Beste Comedyserie“ auszeichnen muss, lässt sich eindeutig mit „ja“ beantworten. Nominiert waren daneben „Doctor’s Diary“, eine richtig gute Serie, der man den Garaus macht und „Pastewka“, der nicht infrage kommt, weil er bereits als „Bester Schauspieler“ ausgelobt ist. Bleibt nach Adam Riese…

Dabei verweist der Kölner Privatsender stolz auf die Einschaltquoten in der Vergangenheit. Über sieben Millionen Zuschauer hätten 2010 der fast drei Stunden andauernden Ausstrahlung zugeschaut. Womit die Sendung die erfolgreichste Preisverleihung im Deutschen Fernsehen sei. Kunststück – sind die anderen doch noch wesentlich zäher. Hier gibt es wenigstens hin und wieder einige Hallo-Wach-Injektionen, wie etwa die Auszeichnung der ARD-Komödie „Neue Vahr Süd“ – wobei die konkurrierenden Sendungen in der Kategorie „Beste TV-Komödie“ sich als derart unterirdisch erweisen, dass man wohl kaum umhin konnte, als den öffentlich-rechtlichen Sender mit ins Trophäen-Boot zu holen.

Auch die Entscheidung, Frank-Markus Barwasser, besser bekannt als Erwin Pelzig (Porträt folgt) mit einem der in insgesamt 15 Kategorien vergebenen Preise zu bedenken, lässt aufhorchen: Mit „Pelzig hält sich“ (ZDF) wird tatsächlich ein Solitär als „Beste Late Night Show“ gekürt.

Den bis zur letzten Sekunde geheim gehaltenen Ehrenpreis erhält Hella von Sinnen – wobei die Methode des Senders, künstlich Spannung zu erzeugen, indem die Preisträger erst bei der Ausstrahlung bekannt gegeben werden dürfen, einigermaßen verwirrend ist: die rund 1200 Zuschauer, die bei der Veranstaltung im Kölner Colosseum am Dienstagabend dabei waren, hatten ihr „Herrschaftswissen“ vermutlich längst unters Volk gestreut.

Marianne Kolarik © 2011 BonMoT-Berlin

  1. Kah Geh
    31. Oktober 2011 um 09:37

    Treffend, treffend, zutreffend! Aber wundert´s uns denn wirklich? Ist denn nicht die „Pro-Domo-Rede“ die einzige Kommunikationsform, die heute noch beherrscht wird? So etwas ist dann eben die Konsequenz von der mal wieder aus den USA herüber geschwappten „Regel“: „Wenn Du nichts Gutes zu sagen hast, dann schweige still“.
    Mit Kritik kann niemand mehr umgehen, kaum jemand weiß noch, dass sich hinter diesem Wort positive und negative Einschätzungen verbergen; Kritik ist fast synonym mit negativer Beurteilung. Alle werden von Kindesbeinen an für jeden „Pups“ gelobt – und da wundern wir uns noch wirklich über solche Preisverleihungen? Ich frage nur: Wer ist denn für die Einschaltquoten verantwortlich? Aha! Wir selber. Also gibt´s nur eins: Kiste auslassen!

  1. 25. Oktober 2011 um 08:35

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