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24. Internationale Kulturbörse Freiburg 2012 – Kritik

Beate Moeller und Marianne Kolarik auf der IKF 2012von Marianne Kolarik

ca. 370 Aussteller & ca. 170 Live-Kurzauftritte
aus 23 Ländern – Themenschwerpunkt:
Katalonien und die Balearen
Berichterstattung mit Fotos unter anderem von Linn MarxLinn Marx_Microbutton w

ich freue mich schon auf 2013!

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24. Internationale Kulturbörse Freiburg 2012
IKF 2012 userfreundlich und Ideal für Smartphones und Tablets.
Das Programm haben wir auf Sonder-Seiten als praktischen Überblick dargestellt.
Alle Termine in der zeitlichen Reihenfolge, so dass man sich mit zwei Klicks und einem Blick orientieren kann. Alle Künstlernamen sind mit den Homepages verlinkt
Und nebenbei: Wir waren selbst ganz erstaunt, über wie viele der auftretenden Künstler wir hier schon berichtet haben.

Programmüberblick IKF 2012

NEU —> Programmüberblick IKF 2013

Special Guest Nico Semmsrott

Prima, dass ein melancholischer Außenseiter im Kapuzenlook die mit 1500 Euro dotierte „Freiburger Leiter“ gewonnen hat: Mit Nico Semsrott stand einer der vielen Dichter auf der Bühne im Theatersaal 1 der 24. Internationalen Kulturbörse in Freiburg, der nicht die geringsten Anstrengungen unternimmt, seine schlechte Laune und sein Missfallen an der Welt da draußen zu kaschieren. Semsrott mosert, meckert und moniert am Leben herum, dass man diesem auf der Stelle den Rücken kehren und das Zeitliche segnen möchte. Wenn sich nicht gleichzeitig die Lust an der sprachlichen Klarheit einstellen würde, mit der Semsrott als einer aus der großen „Slamily“ eine Schneise in die Kleinkunst schlägt.

Messehallen sind keine Kuschelzoos, noch nicht einmal, wenn überall riesige faunaartige Wesen aus Pappe und Draht aufgestellt sind und lustige Plakate an den Wände pappen. Das gilt auch für die Kleinkunstbörse, bei der man in die relativ überschaubare Welt der Comedians und Kabarettisten, der Agenten und Veranstalter eintaucht – und beinahe vergisst, dass das Gebäude in einem öden Gewerbegebiet angesiedelt ist. Keine Spur von der putzigen Stadt mit dem großen „Münschter“ und den kleinen Bächlein.

 Wer den 468 Seiten starken Katalog durchgearbeitet hat, ahnt einmal mehr, dass Quantität nix mit Qualität zu tun hat. Und wundert sich höchstens darüber, dass neben den vielen Newcomern einige gestandene Kabarettisten bzw. Gruppen auftreten, um sich Veranstaltern zu präsentieren, die sie buchen sollen. Und zwar möglichst gleich.

Herrchens Frauchen alias Lisa Politt und Gunter Schmidt etwa, der seit 20 Jahren in Deutschland lebende Brite Mark Britton oder Heinz Gröning, der seit Jahr und Tag als der „unglaubliche Heinz“ in Fisch, Funk und Fernsehen zu erleben ist. Anders als bei ihren „normalen“ Auftritten, muss hier jeder dafür blechen, dass er genau 20 Minuten Zeit hat, seinen Witz unter die Leute zu bringen. Und zwar nicht zu knapp.

 Das gilt auch für die rund 350 Aussteller, die in Halle 2 an ihren Ständen auf überfallartige Veranstalter-Schlangen warten – meistens vergeblich. Nicht nur die Sehgewohnheiten haben sich geändert, auch das Interesse an „frischem Blut“ hat merklich nachgelassen. Hinzu kommt, dass jeder, der einen Witz unfallfrei über die Lippen bringt, auf Youtube beäugt werden kann.

Dabei sind Live-Auftritte weder mittels Videos noch CD’s zu ersetzen – eine Binsenweisheit. Die Kunst besteht auch hier in der Auswahl: Die Jury hat die Kandidaten unter rund 300 Bewerbern ausgesucht, die sich allein aus den Bereichen Comedy, Kabarett und Musik-Kabarett beworben haben. Für den gemeinen Zuschauer besteht die Kunst darin, sich die „richtigen“ Acts rauszupicken. Das geht am besten durch Mund-zu-Mund-Propaganda: nach dem Prinzip „Wer kennt wen und wenn ja, warum?“.

Überraschungen oder – noch etwas großspuriger – echte Entdeckungen sind trotzdem so rar gesät wie Edelsteine auf einer Klobrille. Macht aber nichts, weil es auch eine Nummer kleiner Spaß macht, einem Anton Grübener zuzuschauen, wie er Politisches mit Privaten mischt und dabei seine eigenen Schwächen unter dem Teppich hervorkehrt.

 Oder zu erleben, wie Christine Prayon die Entpuppung einer diplomierten Animatöse auf Hartz IV-Niveau zelebriert – eine mit bösen Fallen versehene Verkaufsveranstaltung. Oder dabei zu sein, wenn Michael Hatzius mit seiner 3000 Jahre alten Echse die Bühne entert und über sein langes beschwerliches Leben als Handpuppe referiert.

Entertainment ohne Wenn und Aber bot Tricky Niki aus Österreich, der mit einem vorwitzigen Krokodil – oder Drachen, wer weiß das schon – eine sympathisch unambitionierte, aber handwerklich perfekte Show abzieht. Am liebsten gleich mit nach Hause möchte man die beiden Kernölamazonen aus Österreich, die mit ihrer „Jagdlust“ zeigen, dass sich Emanzipation ganz neu buchstabieren lässt. Spannender Nachwuchs im Wortsinn stand mit Team & Struppi auf der Bühne: zwei aus der Poetry Slam-Ecke kommende Kabarettisten, denen man alles verzeiht, weil sie sich einen Dreck um political correctness scheren.

 Und ja, die Auswahl ist immer ungerecht: Jeder begutachtet nur einen Bruchteil des Programms. Und ja, es ist ein anstrengend, ein bisschen nervig, manchmal anregend, hin und wieder ärgerlich – und nur dann richtig süß, wenn man ein Eis beim dem trickreichen Eisverkäufer ergattert hat. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Marianne Kolarik © 2012 BonMoT-Berlin

Logo Katalonien

Zum ersten Mal in der Geschichte der Börse gibt es in diesem Jahr einen thematischen Schwerpunkt: „Katalonien und die Balearen“. Zu erwarten ist ein Überblick über das Kulturangebot der baden-württembergischen Partnerregion.

 



 alle Fotos, soweit nicht anders bezeichnet von Carlo Wanka & Linn Marx © BonMoT-Berlin

IKF-2012 - Foto Carlo Wanka © BonMoT-Berlin 033

Konzertagentur Friedrichs – M. Egersdörfer, H. Ringlstetter, Chr. Prayon, …

 

 

 

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