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Generat im Corbo – Kritik

Kathy Kreuzberg - Foto www.generat.deChanson Noir Moderne mit Kathy Kreuzberg

BERLIN (gc) – Die fünf Musiker machen etwas her in den schwarzen Hosen und den roten Hemden. Im Zentrum dieses Quintetts ist der Platz für Kathy Kreuzberg. Sie trägt einen schwarzen Herrenanzug, ein weißes Hemd und löst sich als erstes die rote Krawatte. Mit dem fest anliegenden, streng gescheitelten Haar stellt sie ihre Weiblichkeit in den Hintergrund. Schnell wird klar: Hier singt keine Frau, hier singt ein Mensch! Das ist ein ganz wesentlicher Punkt im Programm „Generat“.

2007 hat die Sängerin Kathy Kreuzberg in Trier die Studioband „Generat“ gegründet. Seit vergangenem Jahr ist die Gruppe auch auf der Bühne zu erleben. Im Herbst trat sie bereits mit Auszügen ihres Programms „Generat“ im Treptower Corbo beim Wettbewerb um den Deutschen Nachwuchspreis beim Chansonfest Berlin auf. Jetzt hat sie an gleicher Stelle das ganze Programm präsentiert.

Vordergründig wird die Geschichte von Adam und Eva erzählt. Immer wieder flammen die guten und schlechten Momente dieser verhängnisvollen Beziehung im Laufe des Abends auf. Doch ein religiös geprägter Abend wird das nicht. Es ist eher ein Bild für die Gesamtheit der Adams und Evas.

Deren Lebensumstände und Gefühlswelten stehen im Zentrum: Sehnsucht, Wahrheit, Lüge und Freundschaft sind die Themen, die in „Asche zu Asche“ (frei nach David Bowie’s ‚Ashes To Ashes‘) angesprochen werden. Immer wieder taucht auch das Problem des fehlenden Happy Ends in den Songs auf. Besonders klar tritt es an einem der Höhepunkte des Abends, dem Lied „Bye bye Berlin“, in Erscheinung: Ein Traum ist ertrunken und jetzt steht zu allem Überfluss noch ein zweistündiger Fußmarsch nach Hause an. Obendrein gibt es die Reflexion über den im Lied beschriebenen Streit des Abends gratis dazu!

Generat - Foto © Lisa Zenner CorboKathy Kreuzberg singt ein Programm mit den Themen der Großstadt. Allerdings beschreibt sie statt der sauberen und hell angestrahlten Fassaden eher die dunklen und glitschigen Ecken im dritten Hinterhof. Nur manchmal kommt das Helle in Form von Kraft und Optimismus in diesen Hinterhof, wenn sich etwa ein „Mauerblümchen“ dazu entschließt, so groß wie ein Baum werden zu wollen. Alles in allem überwiegen aber die grauen und neblig-kalten Stimmungen, die gerade in Berlin so besonders belastend sein können: Da ist die „Straßenbahn des Todes“, die unaufhaltsam Richtung Abgrund fährt – gleichzeitig riecht es in ihrem Inneren jedoch so verführerisch nach Freiheit. Oder „An einem Freitag“, an dem die Erzählerin schon mittags im Zug einem sturzbetrunkenen Mann gegenübersitzt. Dessen Hilflosigkeit stachelt ihre Empathie und ihr Engagement für ihn erst richtig an.

Generat selbst nennt das Genre „Chanson Noir Moderne“ oder „Rock-Chonson“. Diese Bezeichnungen treffen es aber nur zum Teil. Kreuzbergs Stimme und Kreuzbergs Texte sind eindeutig dem Chanson zuzuordnen, die Musik ist ohne Frage Rock. Aber für Chanson ist die Besetzung zu groß, und der Rock ist ausgesprochen ruhig und melodisch. Ein Liederabend ist es auch nicht, denn alle Songs werden in einem Guss und ohne applauserheischende Pausen gespielt. Die einzelnen Stücke sind geschickt durch Klänge und Töne miteinander verbunden, Zeit zum Klatschen ist da keine.

Kathy Kreuzberg beschränkt sich auch nicht auf das Singen: Wo es, wie beim „Pokerspieler“, harte Rhythmen gibt, hat sie ihren Auftritt fein choreographiert: Mal sind es große Gesten, mal zuckt sie wie eine Marionette hinter ihrem Mikrofon. Immer fein dosiert und niemals aufdringlich. Jetzt entsteht der Eindruck eines Rock-Musicals – doch dafür fehlt eine durchgehende Handlung. Es ist einfach ein neues Genre! Voller Spannung wartet die größer werdende Fan-Gemeinde auf Mitte April. Dann wird das Album „Requiem 70“ erscheinen.

Gilles Chevalier © 2012 BonMot-Berlin

Besetzung:
Leander Reininghaus, Starscape-Gitarre // Jordi Kuragari, Akustik- und E-Gitarre // Thomas Vock, Bass // Christian Schönefeld, Klavier // Tobias Bertram, Schlagzeug // Kathy Kreuzberg, Gesang

Die nächsten Auftritte:
Sa, 24. März 2012: Berlin, Galerie Taste Modern, Programm „Requiem70“
www.taste-modern.de
Do, 29. März 2012: Berlin, Universal Hall, zu Gast bei Cyan Events Performance Party, Programm: „Requiem70“ www.universalhall.de

alle weiteren Infos und Audio Tracks
www.generat.de

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