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Sebastian Nitsch: Unsterblichkeitsbatzen – Premierenkritik

Sebastian Nitsch 01 – Foto © Juliane FlötingBeste Blicke auf das beste Leben, das wir haben

BERLIN (gc) – Sebastian Nitsch ist 34 Jahre alt und lebt in Berlin. Höchste Zeit für einen aufstrebenden Künstler, die Premiere des Soloprogramms „Unsterblichkeitsbatzen“ zu feiern. Abergläubisch ist er offenbar nicht, denn ausgerechnet am Freitag, den 13. April, präsentiert er seinen Abend im ausverkauften Zebrano-Theater in Friedrichshain.

Nitsch ist Profi darin, unangenehme Tätigkeiten aufzuschieben. Offen geht er mit seinem Leiden um und bekennt seine Abneigung gegen die Wörter „jetzt“ und „sofort“. „Jetzt und Sofort wollen heiraten. Dann heißen sie Jetzt-Sofort. Und um wie viel schöner klingt das Wort ‚spääääter‘!“ Damit ist klar: Ein Wortspieler macht sich Gedanken – und zwar sehr geschickt.

Er fragt sich, warum Menschen ab einem bestimmten Alter immer früher ihren Sitzplatz verlassen, um an der nächsten U-Bahn-Station auszusteigen. Oder warum sie irgendwann beginnen, zu Sandalen weiße Socken zu tragen. Überhaupt hat es ihm das Fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln angetan. Immer wieder spielt er kleine Hörspielsequenzen ein. Da sitzt dann die Sprecherin mit ihrem Regisseur im Tonstudio, um die Haltestellen einer neuen Linie aufzunehmen, und der Zuschauer darf Mäuschen spielen: „Nächster Halt: Pullach.“ „Hm, ja, kannst Du das Pullach noch ein bisschen mehr wachsen lassen?“ „Nächster Halt: Alter Teichweg.“ Da sinniert der Regisseur im Studio über Zuckmücken im Wasser, welche die Sprecherin an ihrem Kehlkopf fühlen möge. Das Publikum jubelt und der professionelle Sprecher im Saal weiß: Solche Regisseure gibt es wirklich!

Sebastian Nitsch 02 – Foto © Juliane FlötingNitsch hat mit 34 Jahren genug Distanz, um sich über die merkwürdige Sprache der jungen Leute zu wundern. Die ziehen nämlich die einzelnen Wörter in den Sätzen immer mehr zusammen. Am Ende sind mehrere Wörter miteinander verschmolzen (mtänndafschmolzn, wie Nitsch jetzt sagen würde), was natürlich Missverständnissen Tür und Tor öffnet. Das alles ist ausgesprochen unterhaltsam und verbindet ihn mit den Zuschauern, die sich immer wieder sagen können: „Ja, das habe ich auch schon beobachtet.“ Sein Witz ist dabei bodenständig: Schenkelklopfer oder hysterisches Auflachen gibt es nicht.

Die braucht aber ein angenehmer Abend wie dieser gar nicht. Denn jeder ist schon von so etwas wie einem „Meinungsforschungs-Institut Spamnid“ angerufen und um eine Meinung genötigt worden. Toll, was sich der Künstler da als mögliche Reaktionen ausgedacht hat! Immer wieder streut er diese Anrufe in den Abend. Abwechslungsreich wird es auch wegen der Lieder, bei denen er sich am Keyboard oder am Klavier begleitet. Wunderbar herzerwärmend vor allem das „Lied vom kleinen Glück“.

Es ist ein Abend der nachdenklich-unterhaltenden Komik, den Sebastian Nitsch im Zebrano gestaltet. In einem seiner Lieder heißt es: „Straßen habt ihr wirklich viele – aber habt ihr auch Ziele?“ Ja, die nächste Show dieses Künstlers auf keinen Fall zu verpassen!

Gilles Chevalier © 2012 BonMot-Berlin

die nächsten Termine:
Do, 19. April 2012: Tuttlingen, Ausschnitt bei der Tuttlinger Krähe 2012
Sa, 21. April 2012: Karlsruhe, Orgelfabrik
Di, 24. April 2012: Frankfurt, Stalburg Theater

alle weiteren Termine und Infos:

www.sebastiannitsch.de

Kategorien:Comedy, Kabarett, Kritik, Premiere

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