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Max Uthoff: Oben bleiben – Kritik

Max UthoffEiner, der auszog, sein Thema zu finden

BERLIN (gc) – „Das Sein bestimmt auch die Bewusstseinsstörung,“ sagt Max Uthoff an einer Stelle. Smart schaut er dabei drein, in seinem schwarzen Anzug mit der schwarzen Krawatte. Im Vergleich zu den Zuschauern im sehr gut besuchten Mehringhoftheater in Berlin-Kreuzberg ist er damit hoffnungslos overdressed. Ein wenig verloren, wie ein Anwalt in einem alternativen Kleinkunsttheater.

Das war er ja auch, Anwalt. Er weiß zu erzählen, Themen zu finden und durch seinen Vortrag zu faszinieren. Nur festnageln lässt er sich nicht. Uthoff spricht über den Wunsch nach Aufmerksamkeit in jedem von uns, über Werbung, Altersvorsorge und die BILD-Zeitung. Er reißt tausend tolle Themen an, ätzt hier und bohrt dort. Aber in die Tiefe geht er nicht.

Glänzen kann Max Uthoff mit bösen Sprüchen. Er empfiehlt „Paulaner-Pils für Leute, die ihr Wasser gerne gelb trinken.“ Oder fragt sich beim Anblick von Cem Özdemir, ob der türkische Ministerpräsident Erdogan nicht doch Recht hatte mit seiner Aussage „Integration ist ein Verbrechen.“ Plastisch auch, Bundesfamilienministerin Kristina Schröder als „den Einbruch der naiven Malerei in das Sittengemälde deutscher Politik“ zu bezeichnen.

Uthoff bezeichnet sich als Feminist und prangert das niedrigere Lohnniveau der Frauen an. Drastisch führt er den Zuschauern männliches Fehlverhalten vor Augen: von einseitigen Eheverträgen über das Suchen nach einer jüngeren Frau in mittleren Jahren bei gleichzeitiger Verweigerung von Unterhaltszahlungen. Galakompatibel.

„Euer Leben ist nicht richtig!“, scheint er zwischen den Zeilen zu rufen, „Denkt darüber nach!“ Er spricht über die Angst vor Nazis, Europa in der Krise, die FDP und die Merkel. Ein dicht gesponnenes Netz aus Themen, elegant und geschickt miteinander verwoben. Jeder Faden für sich eine Möglichkeit, sich mitreißen zu lassen. Aber am Ende doch zu fein, um wirklich tragen zu können. Der Zuschauer bleibt ausgefüllt zurück, doch wenn sich die heiße Luft abgekühlt hat, bleibt Leere. Fülle an Themen ist eben nicht Fülle an Erkenntnis.

Gilles Chevalier © 2012 BonMot-Berlin

noch bis Sa, 5. Mai 2012 im Berliner Mehringhof-Theater

Kartentelefon: 030 – 691 50 99 – www.mehringhoftheater.de Mehringhof_Microbutton

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www.maxuthoff.de

Kategorien:Kabarett, Kritik

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