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Vince Ebert: Freiheit ist alles – Kritik

Vince Ebert 01 - Foto Frank EidelWelche Freiheit hätten Sie denn gern?

BERLIN (gc) – „Wissenschaft + Kabarett“ steht bei Vince Ebert ganz oben – nicht nur auf seiner Homepage. In seinem fünften Solo-Programm „Freiheit ist alles“, das er bei den Wühlmäusen gespielt hat, stellt der Diplom-Physiker spannende Zusammenhänge zwischen Physik und Philosophie her und sensibilisiert den Zuschauer für allerlei Freiheiten, die wegen ihrer Allgegenwart kaum mehr wahrgenommen werden.

Zum Beispiel die Freiheit, über Religion Witze machen zu dürfen. Das geht in unseren Breitengraden, und Vince Ebert nutzt sie. Oder die Freiheit, entscheiden zu können, was man kaufen möchte – auch wenn es vielleicht zu Lasten seiner eigenen Merchandising-Artikel geht. Oder die Freiheit, als Künstler auf der Bühne das Rauchverbot umgehen zu können.

Immer wieder macht er kurze Ausflüge zu den großen Philosophen der Aufklärung: Zu Locke, Kant, Schopenhauer und Hegel. Eberts Kunst dabei ist, deren Thesen in einem Satz zusammenfassen zu können. Das macht er auch mit der einen oder anderen wissenschaftlichen Studie. Langeweile kann so gar nicht erst aufkommen, dafür kommt der eine oder andere neue Gedankengang beim Publikum an.

Vince Ebert ist überzeugend und gleichzeitig sehr überzeugt. Seine Mission in diesem dichten Programm ist, dem Zuschauer die Augen zu öffnen. Er stellt Wirklichkeit und Wahrheit nebeneinander und fragt, was denn wohl derzeit das dringendste Problem sei. Erstaunlicherweise ist es nicht die Euro-Krise oder Bayern Münchens Pechsträhne, sondern die Überdüngung der Böden durch die Landwirtschaft. Das Thema sei aber für die Titelseiten und Nachrichtensendungen nicht spektakulär genug, so Ebert, und komme deshalb nicht vor.

Vince Ebert 02 - Foto Frank EidelMedienwissenschaftler und Journalisten könnten nun argumentieren, dass die Überdüngung der Böden als solches kein Thema für die Nachrichten ist, sondern eher für ein Polit- oder Umweltmagazin. Nachrichtenthema wird es erst, wenn es als Ursache für etwas anderes ausgemacht wurde, etwa: „Als Folge der Überdüngung wurde nur halb so viel Getreide wie üblich geerntet.“ Sei es drum.

Manchmal entsteht der Eindruck eines Proseminars an der Uni, wenn bei schwacher Resonanz aus dem Publikum angedroht wird: „Freunde, wir können das hier auch nach Lehrbuch machen!“ Doch das nimmt niemand übel, dafür ist das Thema zu spannend und die Show zu abwechslungsreich. Etwa, wenn Ebert die Frage nach der Gerechtigkeit stellt und an seinem Flipchart die Armutsstatistik erklärt. Oder wenn er anhand von Bibelzitaten und naturwissenschaftlichen Kenntnissen und Formeln nachweisen kann, dass es im Himmel heißer sein muss als in der Hölle.

„Geld eröffnet Freiheit, macht aber auch unfrei“, sagt Vince Ebert. Er fragt deshalb, ob das Vernichten von Geld frei macht. Als „ein Mann der Wissenschaft und des Experiments“ führt er dazu ein nachhaltig in Erinnerung bleibendes Experiment auf offener Bühne durch. Dessen Ergebnis kann ihn nicht sonderlich überzeugen. Den Zuschauer dagegen überzeugt sein Plädoyer am Ende des Abends: „Freiheit kann gut oder schlecht sein, aber die Abwesenheit von Entscheidungen ist immer schlecht.“ Und: „Akzeptieren Sie, dass das Leben nicht planbar ist!“ Planen Sie besser kurzfristig einen Besuch bei „Freiheit ist alles“, fügt der Kritiker hinzu.

Gilles Chevalier © 2012 BonMot-Berlin Ltd.

nächste Termine – Auswahl:

Do, 24. Mai 2012: Berlin, Wühlmäuse, Kartentelefon: 030 – 30 67 30 11
Mo, 28. Mai 2012: Hamburg, Schmidts Tivoli, Kartentelefon: 040 – 31 77 88-99

Fr, 8. Juni 2012: Mainz, unterhaus, Kartentelefon: 06131-23 21 21
Sa, 9. Juni 2012: Mainz, unterhaus, Kartentelefon: 06131-23 21 21

www.vince-ebert.de

Kategorien:Kabarett, Kritik
  1. 24. Mai 2012 um 09:40

    ich denke, meine Freiheit endet da, wo die Freiheit des Anderen anfängt – auch im Kabarett – man kann überzeichnen um deutlich zu machen, sollte jedoch nicht auf die Füße treten. Um im Zeitgeist zu sein, lächelt man an Stellen, wo man sich schon längst unwohl fühlt. Es ist halt eine hohe Kunst…….

  1. 22. Oktober 2013 um 18:03

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