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Das Wechseljahre-Musical ‚Heiße Zeiten‘ in Köln – Kritik

Heisse Zeiten - Die Wechseljahre-Revue - St.Pauli TheaterHitzewallungen hinter dem Kölner Hauptbahnhof

Vor ein paar Tagen haben wir hier über die Premiere der Revue ‚Heiße Zeiten‘ in den Berliner Wühlmäusen berichtet. Ein recht anderes Stück mit dem selben Titel und dem gleichen Thema wird zur Zeit in Köln gezeigt. Ganz schön verwirrend …

Der Kölner Inszenierung haben Gerburg Jahnke als Regisseurin und Anna Bolk als Co-Texterin offenbar ganz ordentlich eingeheizt.
Unser Korrespondent Rainer Hagedorn war jedenfalls begeistert!

KÖLN (rh) – Als sei es in Köln nicht schon heiß, feucht und schwül genug, auch und gerade um den CSD herum, sorgen die „Heißen Zeiten“ in der Inszenierung von Gerburg Jahnke ( die eine Hälfte der legendären Missfits) für weitere Hitzewallungen im Bahnhofsviertel der Kardinalsstadt. In dem bei Eingeborenen als „blaue Auster“ bekannten Musical-Theater, das immerhin gut 1.700 Zuschauern Platz bietet, fegt seit dem 4. Juli eine Revue über die Bretter, die ursprünglich für das Hamburger St. Pauli Theater adaptiert wurde.

Köln erweist sich indes als idealer Austragungsort für hormonelle Befindlichkeiten des weiblichen Geschlechts, ist man hier doch noch an ganz andere Aggregatzustände gewöhnt und daher tolerant. Um es aber gleich vorweg zu nehmen: Auch wenn die „Heißen Zeiten“ sich mit eher weiblichen Erfahrungen beschäftigen, so haben an dieser Inszenierung sicher nicht nur Gleichstellungsbeauftragte oder Damenimitatorinnen ihren Spaß. Männer sind ausdrücklich erwünscht und wohnten der Premiere auch in großer Zahl bei, allerdings in Begleitung ihrer jeweiligen Erziehungsberechtigten.

HeissŸe Zeiten - Die Wechseljahre-Revue - St.Pauli Theater

Frau Jahnke nahm sich die Freiheit, die verwendeten Musikstücke dezent an ihren eigenen Geschmack anzupassen, wozu man sie nur beglückwünschen kann. So fanden Welthits wie „Harndrang“ (auch bekannt als „Stand by your man“ von Tammy Wynette), „Ich Blödkamel“ (in der DDR als „Du hast den Farbfilm vergessen- mein Michael“ bekannt) oder „Bauch, Beine, Po“ („Upside Down“ von Diana Ross) endlich den Weg auf die Musicalbühne.

Seit 2010 tingelt die Revue so nun schon durch die Lande. Gerburg Jahnke versprach uns für Köln ihre Lieblingsbesetzung für die vier Protagonistinnen: April Hailer als Karrierefrau, Ines Martinez als Vornehme, Sabine Urig als Hausfrau und Anna Bolk als Junge – also als junge Frau – um Ihnen keine falschen Hoffnungen zu machen.

Sämtliche Darstellerinnen sind dem Theater- und Fernsehpublikum bestens bekannt: April Hailer, durch die nach ihr benannte ZDF-Show und Sabine Urig als Tauschmutter für Alice Hoffmann in Gerd Dudenhöffers „Familie Heinz Becker“.

Ines Martinez war gut zehn Jahre lang die Sopranistin des Vokaltrios ‚Honey Pie‘, das schon bei Wim Toelkes ‚Großem Preis‘ aufgetreten ist. Inzwischen hat die Musikkabarettistin ihr fünftes Solo auf die Bühne gebracht.

Und Anna Bolk brillierte mehrfach in Produktionen der Pro7/Sat 1-Gruppe von der Sorte „Das allerbeste Stück“, nachdem sie in Hauptrollen im Berliner Theater des Westens und der Neuköllner Oper geglänzt hat.

Auf der Bühne entfaltet dieses klimakterische Kleeblatt nun einen bunten Strauß fortgeschrittener weiblicher Zustände in brutalstmöglicher Weise. Jugendschützer gehörten wohl nicht zu den geladenen Gästen.

HeissŸe Zeiten - Die Wechseljahre-Revue - St.Pauli TheaterGlücklich besetzt auch die Band, die im Gegensatz zu den meisten Musical-Inszenierungen nicht im Keller saß, sondern mitten auf der Bühne und für alle sichtbar. Erstaunlicherweise handelte es sich bei der Band um als Saftschubsen verkleidete Mitglieder des männlichen Geschlechts. Für Szenenapplaus sorgten immer wieder einzelne Kommentare des als Stewardess verkleideten Pianisten der Band.

Zum Leidwesen der Gleichstellungsbeauftragten dürfte das Verhältnis Mann/Frau in dieser Inszenierung dann doch leicht in Richtung Mann verschoben worden sein, da die Stimme aus dem Off zu Wilhelm Wieben gehört, dem viel zu früh verrenteten Tagesschausprecher, dem Monty P. Arnold seinerzeit den Ehrentitel „Null Null Wieben“ verpasste.

Das Kölner Premierenpublikum feierte den gelungenen Abend sowohl stehend als auch minutenlang und wurde daher mit einer Zugabe belohnt.

Rainer Hagedorn © 2012 BonMoT-Berlin

Termine:

  • Köln: noch bis zum 29. Juli 2012 im Musical Dome
  • Düsseldorf: 1.bis 17. August 2012 im Capitol
  • Wien: 23. Oktober bis 1. November 2012 in der Halle E, Museumsquartier

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Heisse Zeiten – Ein musikalisches Hormonical – Premierenkritik (4.7.2012)

  1. 4. Februar 2013 um 11:11

    Also ich fand das Musical toll, klar was Anne meinte (bezüglich der Bässe) war sicherlich zum teil etwas unangenehm, aber alles in allem echt sehenswert!

  2. Anne Leclerc
    16. Juli 2012 um 21:51

    Leider waren die Bässe so hammerhart, sodass ich die Texte nicht verstehen konnte.

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