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Andreja Schneider: „Bis es Euch gefällt“ – Premierenkritik

Fräulein Schneider trifft Andreja Schneider © Jan WirdeierFräulein sucht Frau – ein veritables MiniMusical

BERLIN (as) – Bisweilen beginnen Kunst-figuren ein Eigenleben zu führen. Sie können, wie bei den Geschwistern Pfister zu erleben, sogar selbst zu Darstellern in anderen Produktionen werden.

Ein eigener Kosmos ist so rund um Tobias Bonn und Christoph Marti alias Ursli und Toni Pfister bzw. Andreja Schneider und ihrem Alter Ego Fräulein Schneider entstanden.

Auf dem Plakat der Peter Alexander/ Mireille Mathieu-Show „Servus Peter – Oh là là Mireille“ etwa standen keineswegs die Namen der Schauspieler, sondern die der Pfisterbrüder – also der Figuren.

Und nun trifft die angeheiratete Exil-Bulgarin Schneider, Vorname Fräulein, in der Bar jeder Vernunft auf sich selbst. Aber ist das wirklich die wahre Andreja Schneider, die hier als Stargast einer Talkshow von Televizija Bulgaria angekündigt ist?

Man muss in diesem selbstironischen Spiel mit den Identitäten ganz sicher keinen tieferen Sinn suchen. Andreja Schneider und ihrem Regisseur Tobias Rott geht’s mit „Bis es Euch gefällt“ in erster Linie um Entertainment, und da bringt Andreja Schneider schon allein durch 20 Jahre Geschwister Pfister-Bühnenleben reichlich Erfahrung auf die Bühne.

Zwei Show-Stunden lang wird sie als tatkräftige, stimmgewaltige und charmante TV-Moderatorin Fräulein verzweifelt versuchen, diesen Film- und Bühnenstar in den Griff zu kriegen – und zwar im wörtlichsten Sinne. Erst kommt die Diva zu spät, dann verpassen sich Gastgeberin und Gästin allenthalben und jagen sich – schnelle Kostümwechsel machen’s möglich – von Bühne zum Backstage-Bereich und wieder zurück. Und weil auch eine Frau bzw. ein Fräulein Schneider mal Zeit zum Luftholen bzw. zum Kostümwechsel benötigt, gibt’s auch in dieser aus dem Ruder laufenden TV-Liveshow die unvermeidlichen MAZ-Einspielungen.

Hier sind es Ausschnitte aus einer Folge von „Deutschland, Deine Künstler“. Die ist wohlgemerkt so echt, wie jene Andreja Schneider, die wir in dieser zum Wegschmeißen komischen Homestory-Parodie von Jörn Hartmann als zickige Primadonna sehen. Die ebenso überspannte wie arrogante Diva genauso wie die interviewten Kollegen (mit gespielt von Matthias Matschke, Maren Kroymann und Thomas Quasthof) überbieten sich dabei mit absurden Nonsens-Statements. „Privat bin ich viel dünner“.

Andreja Schneider Bis es Euch gefällt © Jan WirdeierEcht ist also nicht einmal der Stargast Andreja Schneider, der alkoholisiert und derangiert, den bedauernswerten Maskenbilder und Sidekick Elfriedo (Merten Schroedter) ebenso in die Verzweiflung treibt wie die Talkmasterin. Da kann er nur noch wild mit den Armen rudern – oder in ein Lied ausbrechen. Womit wir beim musikalischen Teil dieses Abends wären.

„Bis es euch gefällt“ ist im Grunde nicht einfach nur ein schmissiger, zunehmend absurderer Personality-Show-Spaß, sondern ein veritables Mini-Musical. Matthias Binner, der musikalische Leiter des Abends, hat Altbekanntes, Neuentdecktes von Ravels Bolero über Songs u.a. von Bernd Begemann, Ich & Ich und den Beatles miteinander verwebt; Lieder, die zum Teil sehr witzig neu betextet wurden und an das „ Staatsorchester Bulgaria in voller Besetzung“ höchste Anforderungen stellen.

Dass sich der Balkanstaat offensichtlich aus Spargründen auf ein dreiköpfiges Ensemble beschränken muss, schmälert allerdings keineswegs dessen musikalische Möglichkeiten und klangliche Opulenz. Von der großen Broadway-Show-Nummer über smarten Easy-Listening-Jazz bis Mambo geht da die Reise. Und „Paint It Black“ von den Rolling Stones hat man sicherlich noch nie zuvor in einer solch rustikalen Balkan-Version zu hören bekommen.

Axel Schock © 2012 BonMoT-Berlin

noch bis zum 30. September, Di-Sa 20 Uhr, So 19 Uhr
Bar jeder Vernunft, Kartentelefon: 030-883 15 82

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