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Mit sieben Sinnen – CD-Kritik Brodowy

BRODOWY_COVER_in_BegleitungCD Matthias Brodowy in Begleitung

KÖLN (haj) – Der Kabarettist Matthias Brodowy zeigt sich hier als Musiker und Texter schöner Lyrik. Das ist nicht das, was man von einem Kabarettisten unbedingt erwartet. Der sollte nämlich witzige, gar bissige Reime zu Gitarre oder Klavier vortragen. Und das kann Brodowy im Kabarett auch.

Auf seiner neuen CD, die er In Begleitung nennt, weil er mit Begleitung musiziert, hat er aber das deutsche Chanson neu entdeckt. Es sind recht unterschiedliche Arrangements, die die lyrischen Texte illustrieren, wobei Wort und Musik hier gleichberechtigt nebeneinander stehen. Im ersten Lied träumt das Saxofon vom Faulsein. Welches andere Instrument könnte das besser!?

Brodowy lädt uns ein, einfach mal nichts zu tun. Und so wünscht er „N´schönes Leben noch“ denen, die wahre Werte nur noch dort suchen, wo „die Zwangshandlung zur Freiheit umetikettiert wird“. Auch hier unterstreicht das Arrangement den Text. Das klingt dann etwas rauer, bestimmt durch Perkussion und Gitarre. Im dritten Lied der CD setzt sich dann der Theologe Brodowy mit der magischen Zahl Sieben auseinander. Musikalisch erinnert das an die Band Unheilig, der hymnische Klang unterstreicht die mystischen Gedankenspiele.

Brodowy InBegleitungUnd so findet sich auf dieser CD für jedes Lied, für jeden Text ein völlig neuer Ton. Und doch ist das Ganze ein Gesamtkunstwerk voller Spannung und Farben. Brodowy singt vom Neben-Sich-Stehen und davon, dass er ein Nordlicht ist. Der Weltuntergang kommt zu einer irisch anmutenden Melodie, und wenn er denn kommt, dann aber fröhlich und tanzbar. Wenn diese Welt so endet, dann ist das so.

Ansonsten lasst uns das Gute suchen in der Zeit, die wir haben! Nur einmal wird er noch zum Mahner, wenn er in dem Lied „Offenbarung“ davor warnt, dass wir uns alle freiwillig zum gläsernen Menschen machen, der seine Privatsphäre öffentlich macht und damit die eigene Freiheit preisgibt. Die Generation Facebook erzählt alles ungefiltert über sich. Am Schluss gibt’s noch eine Hommage an Hannover. Diese Stadt hat bedeutende Personen hervorgebracht, aber auch einen Bundeskanzler und einen Bundespräsidenten, und das lässt ahnen, dass diese Liebe schwierig ist.

Brodowy ist einer, der Harmonie sucht, auch wenn das nicht immer einfach ist. Es ist die Aufforderung heute zu leben, bewusst zu leben. In Form und Inhalt erinnert das alles mehr an das französische Chanson denn an Liedermacherei. Und diese deutschen Chansons haben gleichermaßen Leichtigkeit und Tiefgang und laden dazu ein, sich auf das heimische Sofa zu lümmeln und bei einem Glas Rotwein den Gedanken und Klängen zu folgen, und sich einfach mal forttragen zu lassen.

Hans Jacobshagen © 2012 BonMoT-Berlin Ltd.

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Kategorien:CDs/ Hörbücher, Kritik
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. 25. Februar 2013 um 14:55

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