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Schule, Schulden, schöner fliegen – Kritik Django Asül

Django Asül - Paradigma - Foto Paradigma_01 Promo HP Wühlmäuse © mediaPool

Django Asül – Paradigma – Foto Paradigma_01 Promo HP Wühlmäuse © mediaPool

Django Asül: „Paradigma“

BERLIN (gc) – „Aber ein Hund ist er schon!“, sagt man in Bayern anerkennend, wenn man einen Menschen bewundert und ihm im selben Atemzug seine Fehler verzeiht.

Ein Profi ist Django Asül auf jeden Fall, das hat er bei der Berlin-Premiere seines Programms „Paradigma“ in den gut besuchten Berliner Wühlmäusen bewiesen. Egal, ob das Headset streikt oder eine Zuschauerin in der ersten Reihe zu rascheln beginnt. So etwas kann Django Asül nicht aus dem Konzept bringen, seinen Faden hat er sofort wieder zur Hand und macht weiter!

Das klappt auch deshalb, weil es so viele kurze Fäden in seinem Programm gibt: Da sind das Debakel um den Bau des Berliner Flughafens, die Euro-Krise und vor allem die Veränderungen durch den Wechsel der Staatsbürgerschaft – auch an sich selbst. Django Asül besitzt nämlich einen deutschen Ausweis, obwohl er türkische Eltern hat. Das ist nicht neu und wenn man ehrlich ist, würde man ihn auch besser als Niederbayern aus Deggendorf, denn als Deutschen bezeichnen. Deutschsein kann schließlich (fast) jeder!

Recht lang spricht er über bayerische Landespolitik, obwohl er sich in Berlin ebenfalls gut auskennt: Wie sonst brächte er seine geradezu soziologischen Studien über die feinen Unterschiede der Berliner Ortsteile Charlottenburg und Wilmersdorf zustande? Immer wieder führt er die Zuschauer ins Wirtshaus, wo die angesäuselten Stammtischbrüder ihre Ansichten zum Besten geben. Die sagen dann über die Schule: „Die Hälfte der Kinder ist grantig, die andere migrantig.“ Überhaupt hat G 8, das Abitur nach nur zwölf Schuljahren, Auswirkungen auf das Familienleben: „Früher kamen die Kinder aus der Schule heim, heute aus der Spätschicht!“

Django Asül zieht dann die Augenbrauen hoch, legt das Gesicht in Falten und den Kopf schief. So spielt er auch den ehemaligen Arbeitskollegen seines Vaters – einen Türken mit eingeschränkten Deutschkenntnissen – und seinen deutschen Softi-Freund, der ihm in der Sauna einen langen Vortrag darüber hält, wie er jetzt als Deutscher mit den Frauen umgehen sollte. Merke: „Für die meisten Frauen sind Gefühle reine Emotionssache.“

Da wird viel aufgerissen und wenig in die Tiefe gegangen. Neue Ansätze, gar einen Paradigmenwechsel, vermisst man schmerzlich. Einige Sprüche imponieren trotzdem, zum Beispiel die Begründung für den Friedensnobelpreises an die EU mit Blick auf die Finanzkrise: „Noch nie ist ohne eine kriegerische Auseinandersetzung so viel Schaden entstanden!“ Oder die Erklärung, dass die „NATO so etwas ist wie die EU, nur mit echten Patronen.“ Oder die Feststellung: „Wegen des Länderfinanzausgleichs gehört Berlin mehrheitlich Bayern!“

Ja, es ist Vorsicht geboten, wenn sich ein bayerischer Künstler in sein Weißbierglas auf der Bühne ein alkoholfreies Getränk füllen lässt! Beim Maibockanstich, den er für den 25. April 2013 ankündigt, hat Django Asül hoffentlich seine alte Schärfe wiedergefunden. Das wird man dann im Bayerischen Fernsehen prüfen können.

Gilles Chevalier © 2012 BonMot-Berlin

 

 

Kategorien:Kabarett, Kritik
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