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Von Amtseid bis Zapfenstreich – Premierenkritik Barbara Kuster

Gnadenlos preußisch: Barbara Kuster - Foto www_barbarakuster_de

Gnadenlos preußisch: Barbara Kuster – Foto www-barbarakuster-de

Barbara Kuster: „Die Eiserne Lady“

BERLIN – Handstreichartig stellt Barbara Kuster das politische System in Deutschland auf den Kopf und lässt den Bundespräsidenten direkt vom Volk wählen. Obwohl – den Präsidenten? Nein, die Präsidentin!

Barbara Kuster lädt zur Eröffnung ihres eigenen Wahlkampfes in ihr Programm „Die Eiserne Lady“. Die Premiere zelebriert sie in den Berliner Wühlmäusen.

Barbara Kuster verspricht, den preußischen Tugenden wieder mehr Geltung zu verschaffen. Ehrlichkeit, Anstand und die richtige Einstellung zur Arbeit sind Ideale, die ihr wichtig sind. Davon spricht sie immer wieder in ihren „Reden zur Probe“. Nebenbei macht sie sich Gedanken über alles Mögliche: den Zusammenhang von Armut und Fettleibigkeit, die Energiewende und ihren Ehemann J.R.. Eine Politikerin mit großer Mission – so unnahbar wie Margaret Thatcher.

Barbara Kuster ist beim Wahlkampfauftakt nicht auf sich allein gestellt. Wenn es brenzlig wird, flüstert ihr Shiva die Lösung ins Ohr. Shiva stammt aus Bangladesch, arbeitet aber jetzt in einem Call-Center in Indien und managt sie von dort aus telefonisch. Gnadenlos gut die Geschichte, wie die beiden Verbindung aufgenommen haben: Auf einer indischen Müllkippe hat Shiva Kusters alten Computer gefunden. Mit allen Daten drauf! Tja, da hat sie einfach mal angerufen…

Auch die Story von Rudi Brömmsel aus Stahnsdorf ist nicht von schlechten Eltern. Brömmsel ist Wutbürger und Flughafengegner. Mit seinen Gleichgesinnten hat er sich einiges für ihre Bürgerinitiative ausgedacht: Da werden alte NVA-Flaks aus den Schuppen gerollt und die Bundesstraße 96 wird mit Teelichtern zur Landebahn umgestaltet.

Bemerkenswert gut sind auch die musikalischen Einlagen in der „Eisernen Lady“. Das Wutbürger-Lied ist wie ein Song von Rammstein aufgemacht und hat den schönen Refrain: „Ich mache Zoff / Die Gartenzwerge tragen jetzt Kalaschnikow!“ Oder die Kuster singt wie Milva „Auf mich hat man grad‘ noch gewartet“, um ihre Einzigartigkeit als Kandidatin zu unterstreichen. Höhepunkt ist zweifellos das Lied auf Shiva im Bollywood-Stil. Herrlich, wie sie sich selbst auf die Schippe nimmt – mit ihrem erotischen Tanz zu den Schreien des waidwunden bengalischen Tigers.

Auch festliche Klänge werden im Programm immer wieder angespielt. Zum Beispiel der Beginn des ersten Marsches von Edward Elgars „Pomp and Circumstance“. Dieses musikalische Zitat wird oft als Einleitung präsidialer Reden benutzt, in denen immer wieder die nationalistische Karte gespielt wird. Genau: Die Südeuropäer sind schuld!

Die sogenannten deutschen Tugenden, die man ja bestenfalls als Sekundärtugenden ablochen kann, macht die Kabarettistin Barbara Kuster als Botschafterin Preußens als „Eiserne Lady“ mit satirischer Bösartigkeit gekonnt zunichte.

© 2012 BonMot-Berlin

die nächsten Termine:
Do, 20.12.2012: Potsdam, Kabarett Obelisk, 19.30 Uhr, Tel. 0331.29 10 69
Sa, 22.12.2012: Potsdam, Kabarett Obelisk, 19.30 Uhr, Tel. 0331.29 10 69

www.barbarakuster.de

Kategorien:Kabarett, Kritik, Premiere
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. 17. Juli 2013 um 22:54

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