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Chansonkabarett an der Scherzgrenze – Kritik Axel Pätz

Axel Pätz: „Das Niveau singt“

Axel Pätz - Foto © Meeke Voges

Axel Pätz – Foto © Meeke Voges

BERLIN (gc) – Axel Pätz präsentiert in seinem zweiten Programm „Das Niveau singt“ neue „Tastenkabarett-Lieder“. In den Berliner Wühlmäusen feierte er vor erlesenem Publikum eine gelungene Vorstellung.

Axel Pätz nimmt auf seinem Sessel aus der Adenauer-Ära Platz, um in die Tasten zu hauen. Er sorgt sich um die schwierigen Lebensumstände in „Nordkorea“ und besingt Alltäglichkeiten, wie das „Müll runterbringen“. Als „Schlechter Patient“ gerät er ohne gesundheitliche Probleme in die Mühlen der Schulmedizin, bis nach längerer Suche einige Krankheiten diagnostiziert werden können.

Seine wirkliche Sorge aber gilt dem Niveau. Wie tief das schon gesunken ist, leitet Pätz daraus ab, dass ihm niemand im Saal die Lebensdaten Karls des Kahlen oder die Anzahl der Opern nennen kann, die von Peter Tschaikowski stammen. Leider spinnt er diesen Faden nicht wirklich weiter.

Zwar singt er engagiert gegen den Casting-Show-Irrsinn und erklärt anhand der Klickzahlen gewisser YouTube-Videos den Unterschied zwischen Erfolg und Niveau. Die bloße Vertonung der „Dürr-Fibel“ im Stile der Neuen Musik mit erheblichem Einsatz des Publikums ist an sich aber noch kein Zeichen für Niveau.

„Das Niveau singt“ heißt das Programm – die Stimmung im Saal sinkt dagegen nicht. Das Publikum goutiert Pätz‘ Chansons und seine Geschichten zwischen den Liedern. Da erklärt er auf überraschende Weise, wie Aufsichtsratsbeschlüsse zustande kommen und berichtet von einer Beziehung, die endet, bevor sie begonnen hat. Einfach nur, weil schon vor dem ersten Ansprechen zu viele Informationen über das Gegenüber verfügbar waren.

Sein Spiel am Flügel ist brillant, und seine Liedtexte treffen ins Schwarze. Das Überraschende und das Bösartige in seinen Liedern vermisst man. Bei „Auch ein Killer hat ja ein Zuhause“ und beim „Aufsitzrasenmäher“ blitzen sie noch kurz auf.

Offenbar mag Axel Pätz sein Publikum nicht mehr so lange auf die falsche Fährte locken, wie in seinem ersten Programm „Die Ganze Wahrheit“. Der Abend ist trotzdem ein großer Erfolg. Wegen der großen Musikalität und der treffenden Texte. Und vielleicht auch, weil er schlichtweg „politikfrei“ ist.

Gilles Chevalier © 2012 BonMot-Berlin
Foto © Meeke Voges

die nächsten Termine:
Sa, 29. Dezember bis Mo, 31. Dezember 2012: Hannover, TAK
Fr, 4. Januar 2013: Bielefeld, Neue Schmiede
Fr, 11. Und Sa, 12. Januar 2013: Hamburg: Quatsch Comedy Club, Neue Flora
Mi, 6. Februar 2013: Freiburg, Internationale Kulturbörse

alle weiteren Termine auf der Homepage von Axel Pätz

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