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Aktivkabarett mit Lebenshilfe – Kritik Chin Meyer

Chin Meyer – Foto © Christian Schulz

Chin Meyer – Foto © Christian Schulz

Chin Meyer: „Grundlos optimistisch“

BERLIN (gc) – Chin Meyer hat sich viel vorgenommen: An nur einem Abend will er zeigen, wie man reich, sexy und erleuchtet werden kann. Zusammen mit seinem Pianisten Andreas Gundlach tritt er in den nahezu ausverkauften Berliner Wühlmäusen mit dem Programm „Grundlos optimistisch“ an. Gemeinsam gestalten sie einen genreübergreifenden, abwechslungsreichen Abend.

„Investitionen ins Jenseits versprechen eine himmlische Rendite“, sagt Chin Meyer und greift tief in die Kiste seiner eigenen Erfahrungen. „Wenn man Menschen weiterbringen will im Leben, wird man am besten Taxifahrer“, auch wenn dabei unangenehme Erfahrungen mit „schwarzen Rassisten aus Jamaika“ gemacht werden können. Meyer sucht nach dem grundlosen Optimismus in Popsongs und stößt auf „I Believe, I Can Fly“, „Life is Life“ und „Imagine“.

Hier kommt der Pianist Andreas Gundlach voll zum Einsatz. Anfangs wird er nämlich nur zum Setzen musikalischer Trenner in das Programm eingebunden, richtig ausleben kann er sich dann als Chin Meyers Begleiter. Zwar wirkt Gundlachs Hang zum „Körperzellen-Rock“ ein wenig infantil. Dafür zeigt er an anderer Stelle meisterlich, wie wichtig die schwarzen Tasten am Flügel sind – und auch, dass man sie mit einem Signalball spielen kann.

Gundlachs Musik und Meyers Gesang sind eine der Säulen des Programms „Grundlos optimistisch“. Chin Meyer, ein Mann mit Musical-Vergangenheit, verblüfft, wenn er Lieder aus zugeworfenen Stichworten zu den Themen Berlin oder frühere Begegnungen improvisiert. Erfrischend, wie Gundlach dabei das Musikrepertoire zwischen Wiener Klassik und Wiener Schule einsetzt oder sich im Chansonbereich bedient.

Eine weitere Säule ist die Zuschauerbeteiligung. Das Licht im Saal geht so oft an, dass Chin Meyer sein Versprechen vom Erleuchtetwerden wirklich einhält! Mal soll das Publikum mitbestimmen, dann soll es Stichworte geben oder Einzelne wirken als Bühnenbegleitpersonal mit. Zweifellos ist das intensiv – es kann aber auch die Augen öffnen. Wenn Meyer sich als Wahrsager versucht und tatsächlich Wahres sagt.

Ein Orthopädieschuhmachermeister aus dem Publikum soll auf der Bühne mitteilen, ob Meyers Aussagen über ihn richtig oder falsch sind. Sie sind fast alle richtig. Das liegt natürlich weniger an Meyers übersinnlichen Fähigkeiten, sondern an seinen geschickten Aussagen, die auf ein wenig Lebenserfahrung und Menschenkenntnis fußen. Auf diese Weise entlarvt er Wahrsager, Astrologen und Finanz-Analysten so schnell als Scharlatane, dass manche Kristallkugel an diesem Abend zersprungen sein dürfte…

Auch der kabarettistische Ansatz kommt nicht zu kurz. Zum Streit der Berliner mit den Schwaben um die Vorherrschaft in Prenzlauer Berg kann Meyer Erfrischendes beitragen: Die Vorfahren der Schwaben waren die Sueben, die vor 2000 Jahren an der Elbe lebten. Folglich sind die heutigen Schwaben nichts anderes als „Ur-Ossis, die Eigenbedarf anmelden.“ Er wagt sich an eine Jahresvorhersage 2013 und weiß, dass die Aktienmärkte manisch-depressiv sind – wie sonst sollte man das ewige Auf und Ab erklären?

Es ist ein stiloffener Abend. Nebenbei überrascht Chin Meyer noch mit Tanzeinlagen und versteht es auch, auf brillante Art Witze zu erzählen. Auf diese Weise öffnet sich „Grundlos optimistisch“ allen Unterhaltungswilligen und endet mit herzlichem Applaus.

Gilles Chevalier © 2013 BonMoT-Berlin

nächste Termine „Grundlos optimistisch“:
Mi, 13. März 2013: Nürnberg, KleinKunstBühne Gasthof Bammes, Tel. 0911.938 95 20
Do, 14. März 2013: Augsburg, Kresslesmühle, Tel. 0821.362 15
Fr, 15. März 2013: Schalksmühle, Löh 5, Tel. 02355.840 (Bürgerbüro)

Alle weiteren Termine auf der Homepage von Chin Meyer

Kategorien:Comedy, Kabarett, Kritik
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