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Globetrotteln all inclusive – Premierenkritik Anka Zink

Anka Zink – Foto © Linn Marx

Anka Zink – Foto © Linn Marx

Anka Zink: Leben in vollen Zügen

KÖLN (mk) – Wenn jemand weiß, was es bedeutet, ständig unterwegs zu sein, dann der Humor-Dienstleister: Ob mit der Bahn oder dem Auto, dem Flugzeug oder dem Zeppelin – Reisen ist meistens mit Warterei und vielen anderen Imponderabilien verbunden.

Es muss nicht gleich ein Hurrikan sein, der das Fahren von A wie zu Hause nach B wie Kleinkunstbühne zur Geduldsprobe macht, es langt schon, wenn eine Dame am Bahnhofsschalter unerbittlich auf dem Ziehen einer Wartemarke besteht, auch wenn weit und breit kein potentieller Fahrgast in Sicht ist.

Diese und eine Reihe anderer Erfahrungen mit dem mobilen Homo sapiens und seinen Macken verrührt Anka Zink in „Leben in vollen Zügen“ zu einem süffigen Gebräu ohne die geringsten negativen Nebenwirkungen.

Ob hinter unserer Betriebsamkeit der Wunsch nach Erholung steckt oder der Drang, weiße Flecken auf der Landkarte unseres Fernwehs zu entdecken, ob es sich um banale Geschäftsinteressen oder öde Dienstreisen handelt – es gibt auch hier einen Unterschied zwischen Mann und Frau. Für letztere sei das Reisen wichtiger als Sex, das hat zumindest der Reiseveranstalter TUI herausgefunden, wobei offen bleibt, auf welche Weise diese Untersuchung zustande gekommen ist. Zink setzt noch einen drauf und rät ihren Geschlechtsgenossinnen, sich als Reisebegleitung eine Freundin auszusuchen, die einem zwar ähnlich ist, aber ein bisschen schlechter aussieht.

Die aus Bonn kommende Kabarettistin ist immer dann in ihrem ureigenen Element, wenn sie sich mit ironisch eingefärbter Grandezza über die idiotischen Begleiterscheinungen der Zivilisation erhebt – oder sich selbst zur Zielscheibe spöttischer Betrachtungen macht. So hat sie am eigenen Leib die Folgen des internationalen Terrorismus zu spüren bekommen – bei den Leibesvisitationen am Flughafen, in deren Verlauf die Verbindung zwischen Brücken- und Brustbau zutage gefördert wurde.

Sehr hübsch auch das Klischee der All-Inclusive-Touristin, die mit ihrem Gatten ins Museum geht, weil die Klimaanlage im Hotel nicht funktioniert. „Das Klima ist kaputt“, kräht sie ein ums andere Mal in ihr Handy und wundert sich lauthals über die vielen Gemälde, auf denen unbekleidete Personen abgebildet sind. Hier zeigt Zink, dass sie Rollenspiele perfekt beherrscht – und schreckt auch nicht vor drastischen Überzeichnungen zurück. Aber man merke: Die Realität hat noch viel abschreckendere Lebewesen als diese in petto. Fliegen zum Beispiel, die ein friedliches Zusammenleben von Mensch und Tier torpedieren, indem sie sich mit Vorliebe in fremden Hotels auf den wehrlosen Schläfer stürzen und ihm das Blut aus den Adern saugen.

Am Ende landet Zink mit ihrem Neffen in Ecuador, fährt im Einbaum über einen Fluss im Regenwald und kommt schließlich an einen Ort, wo die Einheimischen ihr das Salsa Tanzen beibringen. Sieht ziemlich lustig aus – und gehört zu jenen Momenten, in denen hinter der unverbindlichen Eloquenz ein Stückchen jener „Grande Dame“ des Kabaretts durchscheint, das Tiefgang besitzt und gleichzeitig anrührt. Davon sähe man gerne mehr.

Marianne Kolarik © 2013 BonMoT-Berlin

nächste Termine:
Di + Mi, 15. + 16. Januar 2013: Bonn, Haus der Springmaus, Tel. 0228.79 80 81
Mi, 23. Januar 2013: Leverkusen, Kolonie Eins, Tel. 0214.400 11 82
Fr, 25. Januar 2013: Darmstadt, halbNeun Theater, Tel. 06151.233 30
und
Mo, 13. Mai 2013: Berlin, Wühlmäuse, Tel. 030.30 67 30 11

Alle weiteren Termine auf der Homepage von Anka Zink

Foto: Linn Marx

Kategorien:Kabarett, Kritik, Premiere
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