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Lothar Bölck zum 60. Geburtstag am 27. Januar 2013

Pförtner an Pforte D im Kanzleramt: Lothar Bölck

Pförtner an Pforte D im Kanzleramt:
Lothar Bölck

Ein heiterer Pessimist –
ein cholerischer Komödiant

LEIPZIG (hp) – Wie aus dem Nichts ist Lothar Bölck für viele Freunde des Kabaretts 1988 erschienen. Als er zusammen mit seinem Kollegen Hans-Günther Pölitz bei den Magdeburger Kugelblitzen die erste Doppel-Conférence im DDR-Kabarett auf die Bühne brachte.

Genau genommen hätte das Programm nach den Grundsätzen der SED verboten werden müssen, und es wäre auch sicher verboten worden, wenn in Magdeburg nicht gerade ein Treffen der Jugend der DDR und der von Cuba hätte vorbereitet werden müssen.

Unvergesslich wurde das Programm „Wir sind so frei“ von Bölck und Pölitz deshalb, weil darin im letzten Jahr der DDR über Freiheit, Mauer und Toleranz diskutiert wurde. Das war schon atemberaubend.

Geboren wurde Lothar Bölck in Fürstenwalde als Sohn einer Schneiderin und eines Busfahrers. Die Ehe wurde bald geschieden und auf einmal war Lothar als ältester Sohn, sofort der Mann im Hause. Er musste immer auf den jüngeren Bruder und auch auf die ältere Schwester aufpassen, sagt er. Dabei war Lothar der Große doch klein und eher ein schüchterner Mensch. Er musste also lernen, die Dinge in die Hand und Situationen beim Schopf zu nehmen. Recht bald hat er dann die Reize der Bühne entdeckt. Dort konnte er es krachen lassen, was er sich im täglichen Leben noch nicht so richtig traute.

Bölck wollte zu allem Anfang Komödiant werden. Theater war seine Leidenschaft. Doch über das Schülertheater kam er nicht hinaus. Beim Studium zum Außenhandelskaufmann hatte er dann ein Kabarett gegründet. Das Studium hat er abgeschlossen und auch im Außenhandel gearbeitet, aber das Spotten und Spielen nahm kein Ende mehr. Später bei den IHBetikern aus Berlin und den Oderhähnen aus Frankfurt an der Oder. Und es hat sich gezeigt, dass er ein wirklicher Komödiant ist. Er kann im Publikum die Heiterkeit auf die Spitze treiben, da spielt er oft den komischen Beleidigten oder gar den puterroten Choleriker, der sich immer mehr in sein Unglück verstrickt. Es ist tragisch-komisch, wie er die Welt retten will.

Unübertroffen ist er im Duo mit Hans-Günther Pölitz. Es treffen sich ein Oberlehrer und einer, der nicht verlieren kann. Hans-Günther Pölitz ist für Bölck der ideale Partner. Beide verfolgen das Politische aufs Genauste, sie sind wieselflink, wortgewandt und ergänzen sich im Dialog tatsächlich perfekt. Ihr Timing ist beeindruckend und die Bedenkenlosigkeit, mit der sie kalauern ist imposant. In ihren besten Dialogen stehen sich nicht der Weißclown und der dumme August gegenüber, da streiten sich zwei gleichberechtigte Hähne, dass die Federn fliegen.

Allerdings ist die Zusammenarbeit der beiden Kabarettisten sehr wechselvoll gewesen. Das liegt daran, dass beide ehrgeizig, also zum simplen Mitmachen nicht geeignet sind – dazu kommt, dass sie beide auf der Bühne am Liebsten ganz vorn stehen um zu brillieren. In einem sind sie aber verschieden, Bölck setzt auf die Zusammenarbeit mit Pölitz und der sucht seinerseits die Abwechslung, sucht sich also auch mal andere Partner. Dadurch haben sich beider Wege immer wieder getrennt. Bölck hat nach 1989 bei der Leipziger Pfeffermühle gespielt, bei der Berliner Distel, den Kiebitzensteinern in Halle, um dann bei der Magdeburger Zwickmühle bei Pölitz einzusteigen. Dahinter stand streng genommen immer auch, es seinem idealen Partner zu zeigen, dass er ihm ebenbürtig ist. Das war das zentrale Problem bei Bölck, der durchaus gelassener hätte bleiben können, denn das ist er nun schon eine ganze Weile. Das aber hat er lange nicht geglaubt.

Seit 2006 ist Bölck als Solist unterwegs, seit zwei Jahren steht er wieder zusammen mit Pölitz auf der Bühne, eine Partnerschaft also mit Höhen und Tiefen. Dass sie immer wieder zusammenfinden, ist gelebte Intelligenz, denn niemals sind die beiden auf der Bühne im kabarettistischen Sinne so effektiv wie zusammen. Wie gesagt, beide sind schnell und findig, sind hochpolitisch, lieben Kalauer über alles und beherrschen Dialoge mit all ihren Möglichkeiten aufs Beste. Wenn sie das zusammen mit Spielfreude auf die Bühne bringen, ist alles gut.

Glückwunsch dem seit heute 60-Jährigen.

Harald Pfeifer © 2013 BonMoT-Berlin

Homepage Lothar Bölck
nächste Sendung Kanzleramt Pforte D im MDR am Sonntag, 17. Februar 2013 um 22.10 Uhr

Foto: PR von der Homepage Lothar Bölck

Kategorien:Kabarett, Portrait
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