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Unschlagbarer Minimalismus – Premierenkritik Johann König

Johann Koenig - Foto Boris Breuer

Johann König –
Foto Boris Breuer

Johann König: „Feuer im Haus ist teuer, geh raus!“

BERLIN (gc) – Johann König feiert die Premiere seines Programms „Feuer im Haus ist teuer, geh raus!“ in den Wühlmäusen und bleibt dann gleich noch vier ausverkaufte Theaterabende in Berlin.

Der Programmtitel sei entstanden, als sein Sohn Hein Mück im Kinderzimmer das Piratenschiff von Playmobil anzünden wollte. „Da habe ich zu ihm gesagt: ‚Feuer im Haus ist teuer, geh raus!‘“, erzählt Johann König. Und so hat der Viereinhalbjährige das Plastikschiff im Garten abgefackelt. Es sind solch kleine Geschichten, die den Abend ausmachen.

Da kann der Einkauf im Bio-Supermarkt um die Ecke nur mit dem Porsche Cayenne gestemmt werden. Und bei dem sensationellen Angebot, drei Schlafanzüge für 69 Cent zu erhalten, muss er natürlich zuschlagen. Obwohl er um die Produktions- und Qualitätsbedingungen bei diesem Preis weiß… Immer wieder gibt Königs Figur die Möglichkeit, sich selbst wiederzuerkennen. Sind wir nicht alle ein bisschen König?

Von Natur aus sind wir ja alle gerecht und edel. Aber wenn wir auf der Autobahn im Stau stehen, möchten wir ab und an doch den Vordermann ärgern – schließlich ist der dem Ziel ja schon eine Wagenlänge näher als wir. Frauen und Kindern gegenüber verhalten wir uns zuvorkommend und korrekt. Doch wenn Johann König sie übel heruntermacht, freuen wir uns daran. Denn selbst würden wir uns das nicht trauen.

Johann König lässt den Glamour-Faktor in der Garderobe und erzählt von den achtziger Jahren. Damals, als es noch die Hörspielreihen Fünf Freunde und TKKG in jedem Kinderzimmer gab. Es war die Zeit, als pechschwarze Haare noch „frisch gewichst“ sein durften und es bisweilen „den stärksten Neger aus der Weltraumkapsel hauen“ konnte.

Manchmal verirrt sich der Künstler in seinen eigenen Sätzen und Sprachbildern und kann dann nur unter starker Freudenbekundung wieder herausfinden. Dann öffnet er sein hölzernes Schatzkästchen auf dem Tisch und zieht eine Art Poesiealbum mit Gedichten heraus: „Hab ich mir alles notiert, damit ich mir das nicht merken kann!“

Zur Auflockerung, wie er sagt, singt er ab und an ein Lied und begleitet sich selbst an der Rhythmusmaschine. Dabei gerät das Singen zu einem stark betonten Sprechen, und die Musik wird auf einzelne, unterstützende Töne reduziert. Unschlagbarer Minimalismus auch hier. Vor allem bei seiner Version von Madonnas „La Isla Bonita“, die stark an ein Maultier im Stimmbruch erinnert.

Gut, dass er sich das traut! Offen redet er auch über seine Vorurteile. Die liebt er, weil „sie oft so stimmen“. Sie können aber auch das Weltbild in Wanken bringen, wenn Angehörige der Gruppen, die man mit den meisten Vorurteilen belegt hat, sich plötzlich als Lebensretter entpuppen. Manchmal ist es anders als es scheint. Bei Johann König nicht. Er lässt seine Figur gnadenlos politisch unkorrekt sein und schafft damit ein Ventil im Saal. Das Publikum applaudiert herzlich.

Gilles Chevalier © 2013 BonMot-Berlin

Homepage Johann König

Kategorien:Comedy, Kabarett, Kritik, Premiere
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