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Der ganz normale Wahnsinn – Premierenkritik Horst Evers

Horst Evers: „Neues Programm“Horst Evers_Foto Thomas Nitz_tnt-fotoart.de

BERLIN (gc) – Elf Tage hintereinander hat Horst Evers sein „Neues Programm“ im restlos ausverkauften Berliner Mehringhoftheater gespielt. Einen richtigen Titel will er erst festlegen, nachdem dieses Gastspiel beendet ist. Oder vielleicht erst noch später, sagt er. Aber das ist nebensächlich – geht man doch zu Horst Evers nicht wegen eines Titels, sondern wegen des Unterhaltungsfaktors.

Und den hat Evers an diesem Abend wieder ganz in den Mittelpunkt gestellt. Gekonnt nimmt er einen der letzten Lebensmittelskandale zum Anlass, um zu seiner Geschichte über Chicorée-Salami hinzuleiten. Die bekommt er regelmäßig von der Mutter einer längst abgelegten Freundin im Postpaket geschickt. Einfach deshalb, weil das damals aus Höflichkeit geäußerte Urteil „Mhm, ganz gut“ fehlinterpretiert wurde. Evers‘ Geschichten sind „100% wahr, aber nicht alle genauso passiert.“

Horst Evers - Foto © Carlo Wanka

„100% wahr, aber nicht alles genauso passiert.“ – Foto © Carlo Wanka

Da ist seine alte Grundschule im ländlichen Niedersachsen, die wegen des demo- graphischen Wandels zur Rückenschule umgestaltet wird. Die alte Wandtafel, auf der die Namen der verspätet einge- troffenen Schüler notiert wurden, ersteigert Evers.

Doch das „Leid der Zuspätkommer hatte sich tief in die Tafel gegraben“, und so macht sie in seiner Wohnung merkwürdige Geräusche. Nichts hilft dagegen, also wandert die Tafel zum Recyclinghof – der übrigens auch den nicht in die Gänge kommenden Berliner Großflughafen beliefert! Zack, hat Evers wieder einen großen Bogen geschlagen, um sich jetzt Gedanken über ein neues Thema machen zu können.

Dabei bleibt er freundlich-optimistisch. Irgendwann werde man die Zeitung aufschlagen und sagen: „Kuck mal, jetzt haben sie ihn eröffnet. Hat doch Opa immer erzählt…“ Das ist Evers‘ große Stärke: Vom real erscheinenden Ausgangspunkt spinnt er den Faden in eine phantastisch-phantasievolle Welt. Ob er von einem verwirrten Kreuzworträtsellöser oder einem Taxifahrer berichtet, der andere Verkehrsteilnehmer bösartig kritisiert: Immer wieder ertappt man sich dabei, so etwas ähnliches auch schon erlebt zu haben. Gefühlsechte Kurzgeschichten, sozusagen.

Arbeitet er im ersten Teil des Abends noch viel mit freier Rede, stehen später die kurzen Geschichten im Fokus. Dabei gelingt es ihm meisterhaft, alles in einen großen Zusammenhang zu stellen. Von den Folgen einer durchzechten Nacht bis zu einem ehrenhaften Handtaschendieb ist alles miteinander verwoben. Und die ganze Zeit fragt man sich, wie der Mann bloß mit seinen vielen Zetteln klarkommt!

„Bahnfahren ist wie Fußball – Du weißt vorher nicht, wie es ausgeht“, sagt Evers, bevor er zu einer wunderbaren Geschichte über einen Streit um einen Sitzplatz im Großraumabteil anhebt. Sicher ist: Einen wunderbar unterhaltenden Abend mit feinen Bezügen hat Horst Evers auch mit seinem „Neuen Programm“ im Mehringhoftheater gestaltet.

Gilles Chevalier © 2013 BonMot-Berlin

nächste Termine:
Mittwoch, 13. März 2013: Lübeck, Kolusseum
Donnerstag, 14. März 2013: Schwerin, Capitol
Freitag, 15. März 2013: Rostock, Stadthalle
Samstag, 16. März 2013: Berlin, Wühlmäuse

weitere Infos und Termine auf der Homepage von Horst Evers

Fotos: Thomas Nitz/ tnt-fotoart, Carlo Wanka

Kategorien:Kabarett, Kritik, Premiere
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