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Niemand hat die Absicht – NSU-Prozess

Der vorläufige Zeitplan bis 2021

von Kay Kloetzer

Freitag, 3. Mai 2013: Nach Klagen von “FAZ”, “Süddeutsche Zeitung” und “taz” gegen die Nieten bei der Verlosung der Presseplätze verschiebt das Oberlandesgericht München den NSU-Prozess-Beginn vom 6. Mai auf den 31. Juli . Eine neue Verlosung soll am 13. Juli stattfinden, gleich nach den Lottozahlen.

Samstag, 13. Juli 2013: Bei der Ziehung der Presseplätze kommt es zu Tumulten, nachdem der Chefredaktion von “Wendy” vor Freude die Pferde durchgehen.

Mittwoch, 31. Juli 2013: Der Prozessauftakt wird verschoben, weil in Bayern plötzlich Ferien sind.

Dezember 2013: Infolge des Zeitungssterbens in Deutschland müssen die Presseplätze neu verlost werden. Die Nachrückerlisten waren versehentlich vernichtet worden.

März 2014: Von den mehr als 600 geladenen Zeugen sind rund 400 nicht mehr auffindbar. Der Verfassungsschutz lässt ausrichten, es gehe alles mit rechten Dingen zu. Der Prozessauftakt wird auf den 20. April festgesetzt und umgehend wieder verschoben – weil das ein Sonntag ist.

Freitag, 13. Juni 2014: Prozessauftakt mit Veronica Ferres und Christine Neubauer in den Filmstudios Babelsberg. “NSU – der Film” soll noch ins Weihnachtsprogramm.

Donnerstag, 12. Februar 2015: Der “Stern” trifft in der Rubrik “Was macht eigentlich?” Beate Zschäpe. Sie erzählt von ihrem Alltag weitab vom Schuss. Und malt eine Kunstpostkarte.

Sommer 2017: Hartmut Mehdorn übernimmt die Organisation des Prozesses. Es soll überhaupt keine Presseplätze mehr geben. Aus Kostengründen.

2021: In Stuttgart wird kein Bahnhof eröffnet, in Berlin kein Flughafen. Der “Münchner Prozess” wird in den Schulbüchern als bedeutend für die deutsche Nachkriegsjustiz bezeichnet. Weil er mit einem Freispruch für Uli Hoeneß in die Geschichte einging.

Kay Kloetzer

Zuerst erschienen bei Freitag.de – vielen Dank an Kay Kloetzer für die Erlaubnis, den Text zu übernehmen

Kategorien:Spezial
  1. 30. April 2013 um 22:03

    Gerade weil es so bitterböse zynisch ist, ist der Text fantastisch! Auf den Weitergang dieses Verfahrens bin ich auch sehr gespannt! Wenn man sich die Zeugenliste so durchsieht kann man glatt auf die Idee kommen, dass gezielt darauf gesteuert wird, nachzuweisen, was für eine schlechte Kindheit doch die arme Beate Zschäpe hatte, damit man sie umgehend freisprechen kann, um den Opfern samt Angehörigen damit nochmal ins Gesicht zu schlagen. Nur symbolish, versteht sich. Aber das ist natürlich eine völlig irrealistische Gedankenkette, die so absolut undenkbar ist in diesem unserem Staate. Klar doch! *konfetti für alle

    Nun denn … warten wir es ab!

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