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Songs von Betancor, Heller, Humpe bis Reiser – CD-Besprechung

Gustav Peter Wöhlers erstes Studioalbum „Wegen mir“

von Axel Schock

Gustav Peter Wöhler Wegen mir CD CoverLange war Gustav Peter Wöhler in erster Linie der zu Recht viel beschäftigte Bühnen- und Filmschauspieler. Bis zu diesem Abend im Schauspielhaus Hamburg mit Songs aus dem „Abbey Road“-Album der Beatles. Der begnadete Charakterdarsteller entdeckte sich neu als Sänger und kam auf den Geschmack.

20 Jahre ist das nun bereits her und mittlerweile scheint es fast so, als könnte der Sänger Wöhler dem Schauspieler Wöhler in Sachen Popularität den Rang ablaufen. Seine Konzerte sind meist im Voraus ausverkauft. Wen wundert’s? Die Leidenschaft, mit der er sich auf der Bühne verausgabt, schwappt unweigerlich ins Publikum. Das Konzept seiner Programme ist stets so schlicht wie überzeugend: Wöhler singt ausschließlich private Lieblingssongs – von Lou Reed und Bob Dylan beispielsweise wie auch von Udo Lindenberg und Michael Jackson.

Auf seiner neuen, bereits sechsten CD (erstmals nicht live, sondern im Studio aufgenommen), widmet er sich ausschließlich deutschsprachigen Coverversionen. Nun ja, so ganz stimmt es mit den Coverversionen nicht, denn Popette Betancor, die auch als Ko-Produzentin des Albums fungiert, hat ihm gleich mehrere lässige Barjazz-Stücke auf den Leib und die warme Stimme geschrieben: neben dem Titelstück“ Wegen mir“ die nicht minder berückend-berührende Liebeserklärung „In 80 Jahren um die Welt“.

Altgediente, vielgehörte und oft auch totgenudelte Hits singt Woehler nicht einfach nur fanverliebt nach, sondern macht sie zu seinen eigenen. Ideals „Blaue Augen“ wird so zu einem smart dahingetupften Blues, der sonst so beschwingte Italo-Hit „Azzuro“ zu einer sich sonnenträge dahinschleppenden Ballade. Bei Rio Reisers „Halt Dich an Deiner Liebe fest“ wiederum bleibt Gustav Peter Wöhler ganz am Vorbild und trifft mit der nunmehr leicht brüchigen Stimme Ton und Stimmung des Originals, ohne reine Imitation zu sein.

Als letzte der 13 Aufnahmen nimmt Wöhler dann wieder die Atmosphäre des Auftaktstücks „Für auf’n Weg“ auf: Sparsame Basszupfer und Klavierakkorde sowie träge hingehauchte Verszeilen evozieren Bilder vom letzten Absacker nach einer durchzechten Kneipennacht. Dass sich Wöhler dafür ausgerechnet Vicky Leandros’ erhebenden Schlager „Ich liebe das Leben“ ausgesucht hat, ist nicht einfach nur ein gefälliger Gag. Eine Strophe lang wird aus diesem Partyhit aus der Feder von Leo Leandros und Klaus Munro tatsächlich ein poetisches Chanson, und denen von André Heller und Hildegard Knef auf diesem Album durchaus ebenbürtig. Dann aber lässt sich Wöhler doch noch vom lebensbejahenden Tenor des Liedes mitreißen und die imaginäre Kneipe fängt tatsächlich an sich zu beleben. Die Studiotechnik macht’s möglich.

CD Gustav Peter Wöhler: „Wegen mir“ (Kurtmusik), 15 Euro
Homepage Gustav Peter WöhlerHIER Hörproben und Bestellung

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