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Der unentschlossene Esser – Kritik Holger Paetz

Paetz Veganer - Foto Erik DreyerHolger Paetz: „Auch Veganer verwelken“

von Gilles Chevalier

BERLIN – Kleine Ursache – große Wirkung! Weil sein Arzt eine beginnende Gicht diagnostiziert und zur Ernährungs-Umstellung rät, macht sich Holger Paetz umfassend Gedanken. Seine philosophischen Vollwert-Betrachtungen kann man dieser Tage in der Berliner ufa-fabrik erleben. Dort gastiert Holger Paetz mit seinem Programm „Auch Veganer verwelken“.

Die richtige Haltung des Menschen zur Ernährung das große Thema, in dem Paetz lustvoll herumstakst. Das beginnt bei den Gewohnheiten, denn auch Paetz outet sich als eine Art Fleischabhängiger. Von Kindesbeinen an ist er das Fleischessen gewohnt – nicht nur zu Festtagen sondern täglich. Das ist ganz natürlich und wird selbstverständlich auch vom Metzger seines Vertrauens unterstützt. Umso eindrucksvoller dann die Reaktion der Fleischereifachverkäuferin, als er sich dort als Veganer bekennt und nur noch für seine Frau Fleisch einkauft.

Doch bis sich Paetz entschieden hat, auf Fleisch zu verzichten, war es ein langer Weg. Denn der Veganer, der sehr Konsequente unter den fleischlosen Essern, gilt ihm zunächst als freudloser Mensch. Viele Begründungen und abstruse Beispiele fallen ihm ein, warum er beim Fleisch bleiben sollte: „Mein Verdauungsapparat ist völlig überqualifiziert für Tofu!“ Und andere verzichten ja auch nicht auf Fleisch: „Die Katze pfeift auf vegetarisch. Die frisst Gras nur, wenn sie kotzen will!“

Einen klaren Punkt, der den Wechsel zum Fleischlosen auslöst, kann man nicht ausmachen. Es ist vielmehr eine Gedankensammlung, die beim schlechten Gewissen gegenüber den geschlachteten Tieren beginnt und bei den Folgen der industrialisierten Massentierhaltung endet. Auch Nahrungstabus werden behandelt und bei der Aufzählung tierischer Produkte, die zur Herstellung anscheinend fleischfreier Lebensmittel benötigt werden, kann der Magen schon etwas krampfen. Erinnert sei hier an Gummibärchen, für deren Produktion tierische Gelatine gebraucht wird.

Um das aktuelle politische Geschehen drückt sich der Münchener Kabarettist selbstverständlich auch nicht. Gleich zu Beginn des Abends verpasst er seinem Publikum einen Rückblick auf die letzten Monate: „Was machen wir nur ohne Rainer und Rösler?“ Immer mal wieder streut Paetz ein kleines Liedchen ein, das die Einblicke in die Gedankenwelt dieses Umsteigers intensiviert. Fazit: Bloß kein Stress beim Umstellen von Ernährungsgewohnheiten. Man muss es langsam und aus Überzeugung angehen. Ist das lustig? Nein, nicht durchgehend. Aber (appetit-)anregend allemal – nicht nur auf Käsebrote!

© 2013 BonMot-Berlin Ltd.
Foto: Erik Dreyer

Holger Paetz: „Auch Veganer verwelken“ noch bis zum Samstag, 9. November 2013 in der Berliner ufa-fabrik, Kartentelefon: 030.75 50 30

Homepage Holger Paetz – Homepage ufa-fabrik

Kategorien:Kabarett, Kritik
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