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Alle Jahre wieder… – Kritik Volkmar Staub und Florian Schroeder

Florian Schroeder und Volkmar Staub – Foto © Frank Eidel

Florian Schroeder und Volkmar Staub – Foto © Frank Eidel

Volkmar Staub und Florian Schroeder: „Zugabe 2013“

von Gilles Chevalier

BERLIN – Es ist wie immer: Zum Jahresende füllen sich die Programme der Theater und Fernsehsender mit Jahresrückblicken. Traditionell gestalten auch Volkmar Staub und Florian Schroeder einen Abend mit ihrer eigenen Sicht auf das abgelaufene Jahr.

Schroeder und Staub haben ihren Stil gefunden und halten sich an Bewährtes: Geht es vor der Pause in den Berliner Wühlmäusen überwiegend um pointierte Dialoge der beiden am Schreibtisch., stehen im zweiten Teil einzelne Nummern im Vordergrund. Selbst die Bühnendekoration hat sich nicht geändert. Für die Statistiker unter den Lesern: In diesem Jahr sitzt Volkmar Staub am größeren der Schreibtische.

Bewährtes muss keinesfalls langweilig sein, das beweisen sie über zweieinhalb Stunden. Thematisch gehen sie das Jahr an, nicht chronologisch. Das neue Bundeskabinett, bei dem die Bundeswehr zum „Leyens-Club“ werden könnte, findet genauso Beachtung wie die NSA-Abhöraffäre, die Flüchtlinge aus Afrika oder die zunehmende Veränderung der Sprache durch sogenannte politische Korrektheit.

Die Themen werden manchmal verblödelt, manchmal philosophisch betrachtet oder mit bitterbösem Sarkasmus überzogen. Bei der Talkshow-Parodie „Nachtgespräche“ bleibt einem beim Thema Flüchtlinge aus Afrika das Lachen regelrecht im Halse stecken. Wenn aber Florian Schroeder in der Post-NSA-Ära definiert: „Freiheit ist Überwachung, die wir noch nicht bemerkt haben“, kann man auch auf dem Heimweg noch darüber nachdenken. Die beiden Künstler verstehen sich an anderer Stelle als „Regierungswidersprecher und doppelte Spaßangehörige“ – zum Erfolg des Abends trägt all das bei.

Obwohl sie sich manchmal etwas heftig durch die „Zugabe 2013“ kalauern und gelegentlich mit überschaubaren Wortspielen um sich werfen, bleiben sie von der ersten Minute an querdenkerisch. Da wird das „IOC zum Bistum Limburg des Sports“, und Philipp Rösler wird als Anschlussverwendung ein Posten als Schiffsarzt auf der Costa Concordia empfohlen, während Rainer Brüderle besser ein Dirndlgeschäft eröffnen sollte.

Unschlagbar dagegen Volkmar Staub als „Roter Bruder vom Stamme der Sozialdemokraten“. Mit freiem Oberkörper und seinem ganzen Körpergewicht redet er wie in den Vorjahren seinen Stammesbrüdern ins Gewissen und spricht sich gegen die Große Koalition aus. In die zweite Reihe gedrängten Politikern anderer Parteien schaut er wehmütig nach, zum Beispiel „Häuptling Dosenpfand: Man dankt ihm nicht, man tritt ihn.“

Florian Schroeder läuft gleichfalls zur Höchstform auf, wenn er sich als Korrektheitsinspektor bei der sprachlichen Entwicklung in der Kita einfindet und gegen die Begriffe „Hexen“ und „Negerküsse“ wettert. Selten erreicht sind seine Talkshow-Parodien, in denen er zum Beispiel eine Runde bei Günther Jauch zur ARD-Themenwoche Glück mit den Gästen Boris Becker, Eckart von Hirschhausen und Johann Lafer spielt. Weil bekanntlich ARD für Alle Reden Durcheinander steht, ist hier jeder Anwesende ein eitler Selbstdarsteller, der zum Sachverhalt nur wenig beitragen kann. So spaßig gerät der Abend, dass man sich schon auf den nächsten Unfug im neuen Jahr und dessen Aufarbeitung in der „Zugabe 2014“ freut. Das aufbereitete 2013 kann man sich noch bis Ende Januar ansehen.

Zugabe – Der kabarettistische Jahresrückblick 2013
mit Volkmar Staub und Florian Schroeder
noch bis 31. Januar 2014 auf Tour durch Deutschland
Hier sämtliche Termine

Kategorien:Kabarett, Kritik

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