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Der Beschwerdeführer – Kritik Gernot Hassknecht

Hassknecht - Foto PRGernot Hassknecht:
„Das Hassknecht-Prinzip –
in 12 Schritten zum Choleriker“

 

BERLIN – Der Schauspieler Hans-Joachim Heist tourt derzeit in seiner Paraderolle als Gernot Hassknecht durchs Land. Station machte er auch im Berliner Kabaretttheater Die Wühlmäuse. Unser Kritiker Gilles Chevalier hat im ausverkauften Theater Platz genommen und fühlte sich besonders durch einen Satz auf Hassknechts Homepage* herausgefordert: „Es gibt wenig (sic!) Journalisten, die ihre Meinung gleichzeitig unsachlich und trotzdem auf dem (sic!) Punkt rüberbringen können.“ Dem hat er etwas entgegenzusetzen.

 

Sehr geehrter Herr Hassknecht,

„Wie viel Unheil hätte vermieden werden können durch ein rechtzeitiges Beschweren“, fragen Sie in Ihrem Programm. Sehr gerne greife ich diesen Gedanken auf und sende Ihnen eine Beschwerde.

Mit großer Vorfreude habe ich von Ihrem Programm „Das Hassknecht-Prinzip – in 12 Schritten zum Choleriker“ Kenntnis erhalten. Schließlich neige auch ich gelegentlich zu unsachlichen Äußerungen und hemmungslosen Schimpfkanonaden, insbesondere im Straßenverkehr sowie im Umgang mit Ämtern und Behörden. Gelegentlich auch nach dem Besuch einer Kleinkunstveranstaltung. Ich hatte angenommen, mit Ihrer Hilfe meine cholerischen Fähigkeiten ausbauen und perfektionieren zu können.

Um kurz das Positive des Abends zu behandeln – dann haben wir es nämlich hinter uns – sehr angetan war ich von eben diesen Beschwerdebriefen. Wie Sie Ihrem Bankberater die Meinung gegeigt haben, das war herrlich. Motto: Ich war jung und brauchte das Geld nicht, deshalb habe ich Ende der 1990er Jahre in einen geschlossenen Immobilienfonds und in Aktien investiert. Mit feiner Ironie haben Sie dem Mann erklärt, warum er ein Arschloch ist. Respekt, das schafft nicht jeder!

Auch der Beschwerdebrief an die USA: „Sie haben unsere Städte zweimal zerstört: Erst im Zweiten Weltkrieg und dann durch die Starbucks-Filialen.“ und an das Theater: „In meiner Garderobe riecht es nach totem Opossum.“ zeugten von einer Feingeistigkeit, die im weiteren Verlauf des Abends nicht wieder auftauchte. STATTDESSEN GEBRÜLL UND GEHAMPEL!

Dieses ewige auf und ab Rennen lässt mir ja das Taschenmesser in der Hose aufgehen! Wollen wir Hektik machen oder uns aufregen? Ja, Sie haben sich am neuen Bundeskabinett abgearbeitet. Immer und immer wieder haben Sie ausgeführt, dass es sich um inkompetente, servile, machtbesessene Flachpfeifen handelt, die jetzt Ministersessel warmpupsen. Das kann man doch schon im ganzen Land riechen! Wie wäre es, sich mit den ersten Vorschlägen dieser geistigen Nulllinien-Verfechter zu beschäftigen?

Den gepanzerten Dienstwagen und den Personenschutz hat der Verein gerade erst vier Wochen – und da ist die Woche zwischen Heiligabend und Silvester schon eingerechnet! – und schon schlägt dieser blonde ostelbische Kabinetts-Frischling eine 32-Stunden-Woche für junge Familien vor, während Stahlhelm-Uschi „mit der kugelsicheren Frisur“ die Bundeswehr durch Kriegseinsätze in Teilzeit lebenswerter machen will – nicht für die Taliban, sondern ebenfalls für junge Väter und Mütter!

Nein, der Homo politicus zählt nicht zu Ihren Lieblingslebewesen. Die finden sich eher auf der Speisekarte: „80% von dem, was ich esse, muss früher einmal ein Gesicht gehabt haben“, führen Sie im Rahmen Ihres Speiseplans für den Choleriker aus. Schon mein Großvater wusste, dass der Hund aggressiver wird, wenn er mehr Fleisch bekommt und überwiegend im Dunkeln gehalten wird. ABER AUF DER BÜHNE IST LICHT! Da kann man auch mal ruhiger argumentieren und muss nicht dauerhaft die Trommelfelle der Zuschauer überlasten! Aber außer Brüllen haben Sie wenig zu sagen.

Gut, Sie sind gegen die Frauenquote, weil sie eh nicht funktioniert, und nennen Ihre Frau liebevoll „ein Fass ohne Hoden“. Das mag ein Aufreger sein, ABER DOCH NICHT FÜR EINEN MÄNNLICHEN ZUSCHAUER!

Wie werde ich denn nun zum Fach-Choleriker, habe ich mich immer wieder gefragt. Wo sind die zwölf Schritte, etwa gleich neben den 39 Stufen? Im Programm werden sie nicht weiter erwähnt, der Fortbildungseffekt tendiert gegen null.

Stattdessen Einspielungen von alten Hassknecht-Kommentaren aus der heute-show. Mann, in einigen Episoden waren Sie ja noch glücklich verheiratet! Und dann: wieder raufgehauen auf die neue Kabinettsriege! Nein, Herr Hassknecht, das ist übelste Politikerverdrossenheit, die unser hochgeschätzter Herr Bundestagspräsident Lammert immer wieder kritisiert. Auch, wenn sie in der heute-show stattfindet! Langsam verstehe ich ihn. Wobei das natürlich der erste Schritt sein könnte, um am Ende Frau Dr. Merkel zu verstehen. HIMMELDONNERWETTER, DAS IST JA ZUM AUFREGEN!

In der Hoffnung, dass ein Renteneintritt vor Vollendung des 67. Lebensjahres für Sie nicht in Frage und stattdessen ein neues Programm auf uns zukommt, verbleibt hoffend

Gilles Chevalier

© 2014 BonMot-Berlin Ltd.

Termine:
Alle Auftrittstermine auf der Hassknecht Homepage,
nächste heute-show am 24. Januar 2014 im zdf.

Kategorien:Kabarett, Kritik

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