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Die fast perfekte Frau – Désirée Nick berichtet „Neues von der Arschterrasse“

Nick Arschterrasse Cover… und lästert über die Abgründe unerreichbarer Schönheitsideale – Buchkritik

von Axel Schock

Als die Schauspielerin Désirée Nick Anfang der 1990er Jahre ihre Karriere ins Comedyfach verlegte, sorgte sie beim neugewonnenen Publikum zunächst für etwas Verwirrung. Viele wollten schlicht nicht glauben, dass dieses Schandmaul da auf der Bühne eine echte Frau und keine Drag Queen sein sollte. Und für so manche Geschlechtsgenossin, die ihr Selbstverständnis auf klassisch feministischen Werten aufbaute, galt die Nick schlicht als ordinäre Frauenfeindin.

Die alleinerziehende Self-Made-Woman hat es derweil sogar bis zur Dschungelkönigin gebracht. Alle Versuche, sie als zotiges, blondes Dummchen abzutun, hat Nick erfolgreich abgewehrt. Spätestens

seit sie in ihrer Replik „Eva go home“ (2007) Eva Hermans Anti-Emanzipations-Pamphlet „Das Eva-Prinzip“ zerpflückte, hatte sich Nick als spitzzüngige Vertreterin eines neuen Frauenbildes profiliert. Ob Menopause oder sexuelle Selbstverwirklichung via Seitensprung – in ihrem halben Dutzend Büchern (u.a. Gibt es ein Leben nach fünfzig?“ und „Liebling, ich komm später“) gibt Désirée Nick Rat aus erster Hand.

In ihrem Nachfolgewerk „Neues von der Arschterrasse“ – nach nur wenigen Tagen bereits in der zweiten Auflage – seziert die Entertainerin nun den Schönheitswahn- und –druck, dem sich Frauen aussetzen: „Die Ansprüche, die ab vierzig an die weibliche Attraktivität gestellt werden, sind immens. Ohne Interesse an Victoria’s Secret, Schuhtick und Jeans Size Zero stößt man auf dem gesellschaftlichen Parkett auf ZERO TOLERANCE!“

Für La Nick ist das zunächst einmal eine wunderbare Plattform, um jede Menge Bonmots von ungemein klug bis außerordentlich boshaft loszuwerden („Glauben Sie mir: Zu viel Rouge und zu kurze Röcke sind immer ein Zeichen der Verzweiflung bei einer Frau“.) Eine ganze Reihe davon werden wir sicherlich am Mai in ihrer neuen Show „Retro-Muschi“ zu hören bekommen.

Nick gibt Schützenhilfe und Support im Überlebenskampf. Sagt sie. Vor allem aber doziert, lästert, philosophiert sie übers Frausein im Allgemeinen und Mutterschaft, Schönheitsdruck und Modesünden im Besonderen. Ihr Expertentum reicht von Schamhaarrasur und Diätenwahn bis zur Dummheit unter Geschlechtsgenossinnen. Über die Damen und Dummchen, die sich in der Klatschpostille und bei RTL tummeln, weiß Nick, die sich ihren Erfolg hart erarbeitet hat, nichts Gutes zu sagen: „Ich glaube an die Frauenbewegung nur von der Hüfte abwärts. Denn mit Brüsten aus Granit und einem Hirn wie ein Schweizer Käse sind die wesentlichen Voraussetzungen eines Starlets heute erfüllt.“

Désirée Nick kommt dabei vom Hölzchen auf‘s Stöckchen. Ein ganzes Kapitel widmet sie dem Modeaccessoire Nr. 1, der Handtasche, ein weiteres einer US-Café-Kette – weil die Autorin nun mal gerne ihren Gaumen mit Iced White Caramel Coffee Mocha Grande verwöhnt.

Und sie beschreibt akribisch und ungemein unterhaltsam die stundenlange Prozedur einer professionellen Fotosession, bei der (inklusive Photoshop-Bildbearbeitung) selbst aus einem Bauerntrampel ein Covermodel gezaubert werden kann.

Désirée Nick, wen würde es überraschen, liebt es mit knalligen Pointen, deftigem Vokabular und spitzfindigen Aperçus um sich zu werfen. Und manche, die Fans bereits aus anderen Schriften und ihren Shows kennen dürfen, findet sie selbst offenbar so gut, dass sie hier noch einmal recycelt werden. Nick aber ist auch eine immer eine streitbare kämpferische Frau. So lässig dahingeplaudert ihre Suada sich auch lesen mag, manche der angeschnittenen Themen brennen ihr tatsächlich auf der Seele. Mit ungebremstem Furor etwa liest sie den Modemachern (die Nick ausnahmslos für schwul hält) die Leviten. Denn nur so kann sie sich erklären, warum deren Kreationen so frauenfeindlich, will sagen: bar jeder Kenntnis der weiblichen Anatomie daherkommen. „Alles, was bei Tophshop, Primark, Mango, Zara, H & M und und und hängt, wurde für eine komplett imaginäre Frau konzipiert – eine Frau, die nur als Idee im Kopf des homosexuellen Designers existiert, der den Körper seines Mediums, nämlich der Frau, nur vom Hörensagen kennt.“

© 2014 BonMoT-Berlin

Das Buch
Désirée Nick: „Neues von der Arschterrasse“, Marion von Schröder Verlag, 208 Seiten, Klappbroschur, 16,99 Euro.

…und gleich schon mal Termin vormerken
Désirée Nick mit “Retro-Muschi”, 7. Mai-1. Juni 2014: Berlin, Tipi am Kanzleramt
Vorstellungen: Mo-Sa 20 Uhr, So 19 Uhr,
Karten von 24,50 bis 34,50 Euro,
Kartentelefon: 030-390 66 550
Karten direkt online bestellen HIER

Homepage Désirée Nick – Homepage Tipi am Kanzleramt

Kategorien:Bücher/ Print, Kritik
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. 9. Mai 2014 um 20:41

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