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Lebensläufig – Kritik Martin Valenske

Martin Valenske - Foto HP DistelMartin Valenske: „Curriculum Vitae Minimalis – Generation B.A.“

von Gilles Chevalier

BERLIN – Da steht er nun, der arme Tor, und ist so klug als wie zuvor! Martin Valenske hat zwar eine Auszeichnung für seine 25-semestrige Betriebszugehörigkeit zur Humboldt-Universität zu Berlin erhalten – ein Job war damit aber nicht verbunden!

Jetzt versucht er sich auf der Bühne im Distel Studio in Berlin. Dabei wirkt Martin Valenske zu Beginn etwas verloren. Fast nach Checkliste versucht er, „durch Publikumsinteraktionen das Eis zu brechen“.

Doch die Angst, hier könnte ein langweiliger Abend beginnen, ist völlig unbegründet! Martin Valenske hat sich in seinem ersten Solo-Programm eine ganz einfache Geschichte ausgedacht, die er mit vielen Wendungen und Nebensträngen erzählt. Unglaublicherweise findet er nach jedem Abweichen zielsicher zum Hauptweg seiner Geschichte zurück: Ein Soziologie-Student geht zum Jobcenter, um eine Arbeit zu finden. Das Studium war doch nicht das Richtige, nun soll endlich Geld in die Kasse kommen.

Wie im richtigen Leben, kann das Jobcenter mit vielem helfen, aber nicht mit einem Job. Es stellt zunächst eine Diagnose: „Curriculum Vitae Minimalis“. Bei Martin Valenske ist er also zu kurz, der Lebenslauf! Jetzt kann nur noch eine Therapie bei Erfolgs- und Karrieretherapeuten, also den „Tschakkanauten“ helfen. Genüsslich zieht Valenske über die teuren Seminare und wenig nützlichen Bücher der Branche her: Da soll an der „Wiedergeburt als Menschenmarke“ gearbeitet werden. Coach, Trainer und schleimiger Berater werden zur neuen Dreifaltigkeit und wissen: „Wenn Ratgeber nicht helfen, ist immer der Ratsuchende Schuld!“ Auch die Erfolgsfundamentalisten sind überzeugt: „Wer dran glaubt, braucht’s nicht zu wissen!“

Martin Valenske gestaltet den Abend eindringlich, und wirkt dabei doch nie überzogen. Seine Sätze sind präzise, seine Gestik sparsam: Sven Laudes Regiearbeit passt genau in den Rahmen. Mit offenem Mund folgt man dem Künstler, wenn er in Vorbereitung der „lebenslauf-verlängernde Maßnahmen“ die Titel diverser Motivationsbücher nennt und sie so nebeneinander stellt. Leinwandprojektionen und Videoeinspielungen setzt Valenske geschickt ein, um den roten Faden im großen Bogen nicht zu verlieren.

Ausflüge in die Tagespolitik kommen an verschiedenen Stellen des 75 Minuten langen Programmes vor. Die Erkenntnisse sind dabei recht erfrischend: „Viel Geld und schnelle Autos – damit kriegst Du eine Frau aus dem Osten“, merkt er zur Meinungsbildung der Bundeskanzlerin im letzten Sommer an, die durch automobile Parteispendengelder gestaltet wurde. Doch Valenke muss dem Jobcenter seinen Erfolg auf der Bühne nachwiesen. Deshalb hat er ein Messgerät dabei, den „Lachomaten“: „Der ist handlich, schwarz und hat große Ohren – wie ein Obama für die Westentasche!“

Martin Valenkse spielt sein Programm „Curriculum Vitae Minimalis“ ohne Pause. Die Angst, dass ihm sein Publikum im zweiten Teil nicht mehr zuhören möchte, kann nicht der Grund dafür sein. Eher kommt so etwas wie Ehrgeiz und Stolz in Betracht: Seht mal, ich schaffe das! Und zwar richtig gut, meinen die heftig applaudierenden Zuschauer.

© 2014 BonMot-Berlin Ltd.

Foto: HP Distel

nächste Termine:
Fr, 18.4. und Sa, 19.4.2014: Berlin, Distel Studio, 20:30 Uhr

Kartentelefon: 030.204 47 04

Homepage Distel

Kategorien:Kabarett, Kritik
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. 5. Mai 2014 um 12:53

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