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Blitzschnell und präzise – Kritik Matthias Deutschmann

Matthias Deutschmann 02 B – Foto © Albert Josef SchmidtMatthias Deutschmann: „Solo 2014“

von Gilles Chevalier

BERLIN – Für sein letztes Gastspiel vor seiner Sommerpause hat sich Matthias Deutschmann das Mehringhoftheater in Berlin-Kreuzberg ausgesucht. Blitzschnell mit Wort und Cello hat er sein Publikum begeistert.

Alle watscht er dabei ruckzuck ab: die Akteure der Griechenlandkrise, die Lokalpolitiker aus dem „Berliner Bockwurst-Milieu“, die Merkel und den Putin. Auch das Publikum, wenn es sich in den Vortrag einmischt. Nirgends hält er sich im ersten Teil länger auf. Tagebuchartig

sind seine Beiträge, fast in Stichworten und doch sind die Gedankengänge in sich abgeschlossen.

„Wir haben es nicht gerafft, dass der Wulff eigentlich ein Geschenk von Frau Merkel an uns Kabarettisten war.“ Mehr ist dazu auch nicht zu sagen. Und über den Zustand der Fußball-Nationalmannschaft bemerkt Deutschmann: „So, wie sich die Mannschaft gerade darstellt, könnte sie auch unter der Flagge des Roten Kreuzes ins Stadion einziehen!“ Das kommt an, macht es doch ordentlich Tempo.

Sein Cellospiel setzt Deutschmann ein, um Akzente zu setzen und Themen abzuschließen. Mal sind es einzelne Akkorde – die GEMA lauert schließlich überall! – mal bedient er sich bei Bach. Wort und Musik bilden eine geschickt zusammengestellte Einheit.

Nach der Pause nimmt sich Matthias Deutschmann mehr Zeit für seine Themen. Er reflektiert über den Sinn des Kabaretts, „den Spießbürger zu entlarven“ – und beschreibt auch, wie sich eben dieser Spießbürger darauf eingestellt hat! Die Beschneidungsdebatte, „bei der vor zwei Jahren ja die Fetzten flogen“, beschäftigt ihn nach wie vor: „Gott hat die Beschneidung angeordnet, also Director’s Cut…“

Er spricht über die Anti-Atomkraft-Bewegung und macht ihren Kampf an den Eckpunkten Wyhl, Harrisburg und Fukushima fest. Auch empfiehlt er einen Besuch bei der Hausbank – einfach nur, um den persönlichen Kundenberater kennenzulernen, der über den Kredit zur Anschaffung einer Solaranlage im Keller zu entscheiden hat! Da ist er dann wieder, der Schalk im Nacken des Matthias Deutschmann, der dieses Programm so sehenswert macht.

© 2014 BonMot-Berlin
Foto © Albert Josef Schmidt

Matthias Deutschmann spielt noch bis einschließlich Sonnabend, den 31. Mai,
jeweils um 20 Uhr im Berliner Mehringhoftheater.

Alle weiteren Termine und Infos auf der Homepage von Matthias Deutschmann .

Kategorien:Kabarett, Kritik

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