Startseite > Kabarett, Kritik > Einen Sekt auf das Proseccopack! – Kritik Proseccopack

Einen Sekt auf das Proseccopack! – Kritik Proseccopack

ProseccoPack - Foto Christian Rolfes - Design CWankaProseccopack: „Frau der Ringe“

von Gilles Chevalier

BERLIN – Es ist die letzte Chance, diese Produktion zu sehen! Seit 2011 tourt das „Proseccopack“ mit dem Programm „Frau der Ringe“ durch die Lande. Zum letzten Mal wird die Produktion in der Berliner Bar jeder Vernunft gespielt. Nora Boeckler, Melanie Haupt und Judith Jakob spielen eine fein gesponnene Geschichte der Kom(m)mödchen-Autoren Dietmar Jacobs und Christian Ehring.

Drei Schulfreundinnen treffen auf der Hochzeit einer vierten Klassenkameradin zusammen und ziehen Bilanz.

Jetzt sind sie Mitte dreißig und gleichen ab, inwieweit sie ihre Träume aus Schülerzeiten verwirklicht haben. Josey (Melanie Haupt) ist klug und chaotisch, nur leider hat sie nichts zu Ende studiert und schreibt jetzt für andere Doktorarbeiten. Cora (Nora Boeckler) war früher sehr umwelt- und minderheitenengagiert, später dann zeitweilig Arztgattin und jetzt ist sie mit dem Pressesprecher eines Atomkonzerns verheiratet.

Sabine (Judith Jakob) wollte schon immer Journalistin werden. Sie ist auch tatsächlich beim Fernsehen gelandet – als Kabelträgerin bei den Nachrichten! Die Einzige, die ihren Idealen treu geblieben ist, ist die Braut Bärbel (ebenfalls Judith Jakob). Bei ihr musste früher schon immer alles perfekt sein, und das hat sie bis zu ihrer perfekt durchgeplanten Hochzeit durchgehalten. Jedenfalls so lange, bis Cora, Sabine und Josey auftauchen…

Die drei Schulfreundinnen sollen nicht nur an der Hochzeit teilnehmen, sondern auch einen perfekten Beitrag zur Unterhaltung leisten. Vorbereitet ist noch gar nichts, und so nimmt das Unheil seinen Lauf. Natürlich bekommen dabei auch die Männer ihr Fett weg. Etwa wenn Sabine jammert: „Männer über 40 haben keine Selbstzweifel!“, was bei Frauen in diesem Alter wohl ganz anders ist. Oder wenn die drei vom „Männerproblem“ singen: „Sie sind kulturell verschieden / Einfach nicht zu integrieren.“ Aber das Männer-Bashing ist kein abendfüllender Programmpunkt.

Vielmehr entwickelt sich aus der übersichtlichen Ausgangslage ein geschickt geflochtenes Netz mit festen Knoten, auf die wieder zurückgekommen wird. Die Barbie-Puppen aus der Kindheit kommen ihnen in den Sinn. Später spielen sie, wie es wohl bei Ken und Barbie nach 20 Jahren Ehe aussehen würde. Oder sie erinnern sich an gemeinsame Kindergeburtstage, die auf Super 8-Filmen aufgezeichnet wurden. Dieser Film wird eingespielt und Cora singt mit ihrem Alter Ego im Duett über das Leben und geplatzte Illusionen. Oder sie führen den philosophischen Begriff des Radikalen Konstruktivismus ein – und zwar so, dass Bärbel gleich eine Reise in ihr eigenes Gehirn antritt! All das ist immer überraschend und hat manchmal sogar etwas Magisches.

Melanie Haupt, Nora Boeckler und Judith Jakob überzeugen in den Chansons durch ihre Musikalität. Auch wenn sie trommelnd und klopfend auf Tisch, Knie und Oberschenkel einen Rhythmus gerieren, um die quälende Ideenfindung darzustellen, ist das hinreißend. Die Kombination aus eleganter Story und vielseitig agierenden Schauspielerinnen begeistert die Zuschauer.

© 2014 BonMot-Berlin
Foto: Christian Rolfes

Noch bis 3. August 2014 täglich, außer montags, in der Bar jeder Vernunft in Berlin
Kartentelefon: 030.883 15 82

Homepage Bar jeder Vernunft – Homepage Proseccopack – Interview mit dem Proseccopack im Deutschlandfunk

Kategorien:Kabarett, Kritik
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: