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Schonungslose Brunftzeit: Platzhirschinnen

Platzhirschinnen_Plakat_klNessi Tausendschön präsentiert die Platzhirschinnen im Düsseldorfer Kom(m)ödchen – mit Etta Scollo und Anka Zink und Band

von Marianne Kolarik

DÜSSELDORF – „Heute Abend wird es schön“, verspricht Nessi Tausendschön zu Beginn des Abends im Düsseldorfer Kom(m)ödchen. Draußen vor der Tür tobt die Meute, auf der Bühne zeigen die „Platzhirschinnen“, wie frau es gepflegt krachen lässt. Und zwar ganz im Zeichen der neuen deutschen Leichtigkeit – und nicht zuletzt dank einer grandiosen Band. Laia Genc am Flügel, Ulla Oster am Kontrabass und Carola Grey am Schlagzeug sind ein tolles Weiber-Trio mit jeder Menge musikalischer Power, die sich aus stupendem Können und harmonischem Zusammenspiel speist.

Die Idee, eine Art Ladies Night zu präsentieren, ist zwar nicht neu, überzeugt aber dennoch dank der ausgewählten Gästinnen („das sagen wir immer“). An diesem Abend stellt Frau Tausendschön die aus Sizilien kommende Musikerin und Sängerin Etta Scollo vor („sie muss nicht witzig sein, weil sie eine so tolle Stimme hat, ich schon“).

Womit die Gastgeberin nicht zu viel versprochen hat. Die zierliche Künstlerin besitzt ein kraftvolles Organ, vibrierend, schmeichelnd oder von kernig rauer Verruchtheit. Um ihrem deutschen Publikum die in ihrer Muttersprache gesungenen Lieder näher zu bringen, übersetzt sie die Texte, zum Beispiel den Song von der Warnung vor Frauen mit Locken oder ein Lied aus der Barockzeit, in dem die Sonne böse ist und blendet und der Mond ein launischer Geselle.

Später stimmen die Huftier-Damen gemeinsam mit der Band das Mitte des vergangenen Jahrhunderts von Hugo Wiener komponierte Chanson über einen gewissen Novak an, der sie nicht verkommen lässt und in dem es heißt: „Ich möcht’ einmal bei Vollmond ein Vampir sein/ ich möcht’ Geliebte von einem Fakir sein… ich möchte Austern mit der Schale essen/ ich möcht’ mit einem Walfisch mich vergessen“.

Platzhirschinnen mit Technikern backstage

Platzhirschinnen mit Technikern backstage

Ihren eigenen Reim auf die Gepflogenheiten der Deutschen macht sich dagegen Anka Zink, die Auszüge aus ihrem inzwischen rund gespielten Programm „Leben in vollen Zügen“ zeigt. Endlich räumt jemand mit dem Vorurteil auf, dass Reisen Spaß macht, demonstriert, was ein Dienstleistungs-Dinosaurier erlebt, so er eine Produktzugangsberechtigung für den Zug – sprich: eine Fahrkarte – erwerben möchte und geht der Frage auf den Grund, warum Menschen angesichts all der Unannehmlichkeiten beim Einchecken am Flughafen den Drang nach einem Ortswechsel verspüren.

Am Ende des Abends hat sich Nessi Tausendschön gefühlte zwanzig Mal umgezogen, verwandelt sich beispielsweise in die russische Ludmilla, die vom Leben auf dem Land erzählt, schmettert ein Lied über Testosteron und alle zusammen stimmen „Gib‘ mir Hoffnung Deutschland, wenn der Morgen kommt“ an – das groovt.

© 2014 BonMoT-Berlin
Foto: Nessi Tausendschön, Plakat: Kom(m)ödchen

Weitere „Platzhirschinnen“-Termine:
vom 6. bis 9. August im Düsseldorfer Kom(m)ödchen;
Gästinnen: Katie Freudenschuss und Maria Grund-Scholer;
Kartentelefon: 0211.32 94 43

vom 14. bis 17. August im Kölner Senftöpfchen-Theater;
Gästinnen: Etta Scollo und Maria Grund-Scholer;
Kartentelefon: 0221.258 10 58

Homepage Nessi Tausendschön – Homepage Düsseldorfer Kom(m)ödchen – Homepage Senftöpfchen

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