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Vier Männer außer Rand und Band – Kritik Tukur

Tukur u RB - Foto Katharina JohnUlrich Tukur & die Rhythmus Boys:
„Let’s Misbehave“

von Marianne Kolarik

KÖLN – Ulrich Tukur & die Rhythmus Boys hauen auf den Putz, dass es nur so kracht. Tukur erscheint ohne Beinkleider, Kalle Mews im Tutu, Ulrich Mayer im rosarot glänzenden Fummel über dem Fatsuit und Günter Märtens als langer kopfloser Lulatsch – Grusel à la Schweinchen Dick, ergänzt mit einer Prise Anarchie und der Lust, sich zum Affen zu machen.

„Let’s Misbehave“ heißt der Abend, an dem man sich so richtig schlecht benehmen darf. Herren, die Pups-Geräusche nachmachen, in der Nase popeln, mit einer Wasserpistole ins Publikum spritzen und – natürlich am allerschlimmsten – es wird geraucht. Trotz ausdrücklichen Verbots.

Das ist aber nur die eine, kindsköpfige Seite, mit der das 1995 gegründete Quartett verblüfft. Die andere ist der auf den Punkt gebrachte, leicht schwebende Sound: Neu-Arrangements bekannter und weniger bekannter Songs von Cole Porter, Irving Berlin und George Gershwin. Tukur am Flügel ist gleichzeitig der auratische Entertainer, aber ohne seine Combo wäre er aufgeschmissen. Ob an der Gitarre, dem Schlagwerk oder dem Kontrabass: hier erlebt der in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Amerika entstandene Swing eine neue Blüte, angereichert mit Rumba-Klängen, japanischen Tonfolgen, Charleston und Rock-Einlagen aus früheren Zeiten.

Tukur u RB2 - Foto Katharina JohnMal erheben sie zusammen ihre Stimmen, mal werden die drei Musiker zu Background-Sängern – ein andermal zeigen sie in ihren Soli, was sie drauf haben. Getreu dem Motto, gutes Benehmen ad acta zu legen, leeren sie mit ungebremster Spielwut sämtliche Schubladen aus, in die man sie stecken könnte.

Und sie lassen nichts unversucht, das Publikum zu provozieren, hampeln und tanzen über die Bühne, dass man meinen könnte, sie seien von einer Tarantel gestochen worden. „Günter, machst Du bitte den Stepptanz“, pflaumt Tukur den 2,06 Meter großen Kontrabassisten an. Wenn dieser neben dem 1,59 Meter kleinen Percussionisten steht, denkt man unwillkürlich an Pat und Patachon – ein Duo, das allein aufgrund seiner äußeren Erscheinung herausragt.

Dass Tukur als Conférencier ein englisches Sprachgewitter über den Köpfen seiner Zuhörer ausgießt und wohl nicht jeder die Anekdoten und Geschichten rund um das Leben von Cole Porter und seiner Zeit in all ihren Feinheiten und Gemeinheiten mitbekommt – geschenkt. Sobald der als omnipräsenter Schauspieler bekannte Künstler zu singen beginnt, sind derartige Einwände blitzschnell entsorgt. Die Performance besitzt nicht zuletzt dank seiner Bühnenpräsenz einen magischen Charakter: Da sind sie, die Augenblicke, in denen man niederknien möchte und Danke sagen.

©2014 BonMoT-Berlin
Fotos: Katharina John/ HP Trocadero

Weitere Aufführungen unter anderen:
Mannheim: 19.10.2014: Capitol
Oberhausen: 20. und 21.10.2014: Ebertbad
Reutlingen: 24.10.2014: Stadthalle
Düsseldorf: 29.10.2014: Savoy
Erfurt: 31.10.2014: Alte Oper
Berlin: 1. und 2. 11.2014: Theater am Kurfürstendamm

Homepage Ulrich Tukur & die Rhythmus Boys – alle Tourtermine HIER

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