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Berliner Träumerchen meets Kölner Hektiker – Kritik

Köln lacht 3. Abend - Collage by Carlo WankaC. Heiland und Bernhard Hoecker beim 24. Köln Comedy Festival

von Marianne Kolarik

KÖLN – Unterschiedlicher können sie kaum sein: C. Heiland, der verträumt daher kommende Comedian mit seiner drolligen Omnichord, und der ganz im Hier und Jetzt herumtobende Bernhard Hoecker, seines Zeichens Fernsehnase mit ADHS-Symptom.

Hyperaktive Comedy
„Netthamseshier!“ heißt sein Programm, das nicht zuletzt von Improvisationen lebt – inklusive einer Einführung in die schöne, aber gar nicht mehr so neue Facebook-Welt.

Auf einer gelben Leinwand prangt in großen schwarzen Lettern Köln – was je nach Auftrittsort variiert. „Dies ist Eure Heimat“ heißt es. Anders gesagt: die Zuschauer und deren Schlagfertigkeit sind gefragt. Was naturgemäß bei jedem Auftritt zu unterschiedlichen Ergebnissen führt.

Außerdem kann der hyperaktive Comedian sehr schön erklären, was es mit den sozialen Netzwerken auf sich hat. Sie glichen einer Art privatem Tagebuch, das man unaufgefordert in der Stadt verteilt. Die Begründung für die Preisgabe intimer Details nenne sich Informationsgerechtigkeit. Dank eines fixen Technikers wird ein Profil auf Facebook eingerichtet, das am Ende immerhin 15 Followers sein eigen nennt („Stalker“, ruft jemand aus dem Auditorium). Die lustigste aller denkbaren Antworten auf die Frage, wer der Feind von Heavy Metal sei, ist zweifelsfrei IG Metall. Kurz: Für einen Abend mit Hoecker sollte man ein witziges Publikum mitbringen.

Regelmäßig Amok laufen
Auf seine eigene, in verschiedenen Farben blühende Phantasie kann sich dagegen C. Heiland verlassen: in seinem zweiten Programm mit dem zweideutigen Titel „Ich war in der Brigitte“ geht der harmlos daher kommende Comedian ganz eigene Wege. Sei es mit dem 1981 erfundenen, japanischen Tasteninstrument, seien es die skurrilen Geschichten in Dada-Tradition, in denen er ganz und gar aufgeht: der Mann besitzt die Ausstrahlung eines Wesens von einem anderen Stern.

Weshalb man ihm auf der Stelle glaubt, wenn er von seiner großen Liebe – er war gerade mal ein paar Wochen mit Brigitte zusammen – erzählt, die auf dem Berliner Alexanderplatz von einem Meteoriten erschlagen wurde; wobei auch die Weltzeituhr zu ticken aufhörte. Heiland stellt einen Zusammenhang zwischen der Katastrophe und dem Verschwinden des Jahres 2014 her. Folglich befinden wir uns bereits im kommenden Jahr. Seine Versuche, die Zeit mit Hilfe einer Fernbedienung anzuhalten, funktionieren leider nicht. Da bleibt ihm nur sein guter Vorsatz für 2015: regelmäßig Amok laufen.

Darüber hinaus ist die Rede von einem Nachbarn namens Frank, der sich als männliche Konkurrenz entpuppt, von Brigitte, die eigentlich Ute oder Uschi hieß und seinem Problem, einfach mal Ja zu sagen. Sinnsuche führt hier zu nichts, außer zu schönen Liedern wie das über Freunde. Nur zum Beispiel. Denn C. Heilands Welt ist nicht so leicht zu ergründen. Obwohl das Batman-Kostüm, das er seinerzeit bei einem „Emma“-Preisausschreiben gewonnen hat, darauf hinweist, dass er eigentlich ein echter Held ist, und zwar einer, dessen Herz genau dasselbe sagt wie sein Bauch.

©2014 BonMoT-Berlin
Fotos: PR HP Hoecker | Julia Braun

 

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Kategorien:Comedy, Kritik

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