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Geist, Genörgel und Gesang – Kritik „Die Westöstlichen Diven“

Westöstliche Diven ZT Steglitz - Foto © BonMot-Berlin _ Carlo WankaDie Westöstlichen Diven: „einfach mal genial“

von Carlo Wanka

BERLIN – Dass viele Künstler gerne in dieser Stadt ihre Premiere spielen und es gar zu Welturaufführungen kommt, gehört zum guten Ton, ist selbstverständlich. Doch manch einer mag schmunzeln, wenn ein so wichtiges, ja kolossales Ereignis nicht gerade dem BE, dem Renaissance Theater oder dem Tipi am Kanzleramt zukommt, sondern in einem der kleinen, versteckten Orte stattfindet…

… wie dem Zimmertheater Steglitz: Dort galt es eine Weltpremiere zu feiern.

Drei Frauen, die einen Liederabend in unterschiedlichen Konstellationen vortragen. Nach Pressetext ein Abend wie viele. Denkste!

Die aus dem Emsland stammende Julia Hagemann stellt mit den Berlinerinnen Barbara Berrien und Camilla Elisabeth Bergmann eine neue Variation der Gruppe „Drei Chansonnetten“ (Julia Hagemann, Barbara Berrien und Jutta Wilbertz) vor: „Die Westöstlichen Diven“.

Alle drei – ebenfalls Absolventinnen der Celler Schule von Edith Jeske – zelebrieren ihre Welturaufführung in einem der kleinsten Theater von Berlin. Da entfacht sich ein kabarettistischer Liederabend, der mit wunderbaren Highlights nur so sprüht.

Die drei Damen haben ihren Spaß und das Publikum erst recht. Von ironisch-witzigen Liedern bis zu erschauernd melancholischen Balladen ist alles vertreten. Egal, ob sie mit kleinen Requisiten die Bühne in eine beschneite Alm mit Zitterspiel und Kuhglockenklang verwandeln oder mit Schauspielerei einen Rummelplatz erzeugen, man ist nicht nur dabei, man ist mittendrin.

Durch den kleinen Rahmen, den Günter Rüdigers Zimmertheater bietet, arrangieren sich die Protagonistinnen, indem sie durch den Mittelgang auf- und abtreten. Auf diese Weise bespielen sie den gesamten Raum und lassen eine angenehme Atmosphäre entstehen.

Westöstliche Diven ZT Steglitz2 - Foto © BonMot-Berlin _ Carlo WankaJulia Hagemann bringt – passend zu den Songs – ihre Figur wie ein rühriges Fragezeichen in immer neuen Perspektiven zur Geltung. Mehr quirlig, lustig und fordernd setzt Camilla Elisabeth Bergmann ihre Darstellung in Szene. Barbara Berrien strahlt die bedachte, ruhige Facette des Trios mit schönen, konfrontierenden Liedern aus.

Alle drei verstehen es, ihr Können in den Solonummern hervorragend zur Schau zu stellen und im Duo oder Trio sich als Einheit zu präsentieren. Keine versucht der anderen die Show zu stehlen, ganz im Gegenteil, sie bestätigen und stärken sich. Die Improvisation beherrschen sie ebenso wie den Austausch mit ihren Gästen. – Drei Primadonnen mit Ensemblequalitäten.

Egal, ob Frau Hagemann abwechselnd mit Frau Bergmann am E-Klavier in die Tasten langt oder ob aus der von Herrn Rüdiger gesteuerten Konserve ein Playback erklingt, ob sie brav ein Ständchen anstimmen oder zum Popmove völlig ausrasten, das Publikum ist begeistert.

Julia Hagemann am E-Piano - Foto © BonMot-Berlin _ Carlo WankaIn den Songs, die sie alle selbst geschrieben und zum größten Teil auch selbst komponiert haben, verstehen sie es, sehr gezielt mit charmantem, zärtlichem Sarkasmus tiefe Wunden in die Oberflächlichkeit zu reißen und mit alberner Leichtigkeit Ohrfeigen zu verteilen. (Sehr gelungen auch die Arrangements von niemand anderem als Rainer Bielfeldt.) Zwischen konsequenten Altersweisheiten, geradezu pubertären Spaßeinlagen und der echten Lust am Frausein, bieten sie den Zuschauern erquickende Momente und Besinnung. Ein Trio, das ohne Zweifel dem Publikum von größeren Spielstätten wie der Bar jeder Vernunft nicht vorenthalten bleiben sollte.
Gelungen erdacht ist ihre Darbietung, mitunter absurd – Kunst!

© 2014 BonMoT-Berlin

2014-10-10 - Wö Diven Schnee - Foto © BonMot-Berlin _ ani

Fotos: BonMoT-Berlin/ Carlo Wanka

Homepage: Julia HagemannCamilla Elisabeth BergmannBarbara Berrien, Westöstliche Diven (Celler Schule)

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