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Achterbahn der Emotionen – Kritik Renée van Bavel

Renee van Bavel - Foto PRRenée van Bavel: „Am Rande des Waldes“ (EP) – Heute Abend live in der Mitternachts-Show in der Bar jeder Vernunft

von Gilles Chevalier

BERLIN – Ende Oktober hat die niederländische Sängerin Renée van Bavel ihre deutschsprachige EP (ein Mini-Album) „Am Rande des Waldes“ in Berlin vorgestellt. Und weil man so etwas gar nicht genug feiern kann, hat sie Anfang Dezember in der Kleinkunstbühne corbo in Berlin-Treptow ein weiteres Konzert gegeben. Just auf der Bühne, auf der sie beim Chansonfest Berlin 2013 so einen gewaltigen Eindruck hinterlassen hat.

Gemeinsam mit der Cellistin Ricarda Baubkus spielte Renée van Bavel Auszüge aus ihrem Repertoire. Es sind geheimnisvolle Lieder und Songs über Wendepunkte im Leben. In „Sara“ beschreibt sie, wie eine junge Mutter die Welt von nun an mit ganz anderen Augen sieht. Interessen und Wertigkeiten haben sich auf einen Schlag geändert.

Das ganze Leben ändert sich auch, wenn man seine Heimat verlassen muss, plötzlich auf der Flucht vor dem Krieg in Syrien ist. „Was nimmst Du mit“ heißt der Titel, der gerade durch die kühle Überlegung nach dem jetzt wirklich Wichtigen so eindringlich ist. Entstanden ist er nach langen Gesprächen mit einem Banknachbarn im Deutschkurs des Goethe-Instituts.

Eine Liebe kann natürlich auch ein Wendepunkt sein, egal ob erfüllt oder unerfüllt. Und da kennt van Bavel sich aus! Für jede L(i)ebenslage hat sie den passenden Song parat: von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Egal, ob das gute Gefühl beidseitig ist, ob sie aus der Liebe ausbricht oder ob sie unerfüllt bleibt – schlag nach bei van Bavel! Diese Klaviatur beherrscht sie meisterlich.

Wenn man sich dann einlassen möchte, kann man auch die mystische Seite der Renée van Bavel kennenlernen. Ihre Rückzugsorte und geheimen Plätze zum Verschnaufen besingt sie so ruhig, dass es schon hypnotisierend wirkt. „Zeeland“, zum Beispiel, die Beschreibung einer einsamen ländlichen Region: „Dort, am Rande des Meeres, hören alle Gedanken auf.“ Oder „Am Rande des Waldes“, wo das Haus einer Familie steht, in das sie sich verkriechen kann. Dort kennt sie jeden Winkel und wird stets angenommen: „Wenn die Welt mir zu groß wird, bin ich hier in meinem Versteck.“

„Am Rande des Waldes“ findet sich auch auf der EP mit fünf Chansons der Niederländerin. Ihr Akzent kommt in der Aufnahme dieses Stücks besonders stark zur Geltung und der hinzugefügte Hall erschwert das Verstehen noch zusätzlich. Doch das ist nur in diesem einen Lied eine Herausforderung, die vier anderen Werke sind wesentlich klarer zu verstehen. „Der Zeigefinger“, der energisch durch einen mechanisch gezupften Takt am Cello daherkommt, ist eine Gegenrede auf die negative Weltsicht, die eine Beziehung erheblich versauern kann. Versöhnlich hält das Stück allen beiden Beziehungsbeteiligten den Spiegel vor.

Geheimnisvoll und voll starker Bilder dagegen „Das Feuer“. Hier wird der Sehnsucht danach freier Lauf gelassen, anders zu sein, als man ist. Unwillkürlich denkt man an das Gras, das auf der anderen Seite des Zaunes so viel grüner ist. Doch die Sehnsucht bleibt unerfüllt: „Immer das Verlangen nach etwas anderem, (…) etwas anderes zu sein.“

Fröhlich-sommerlich dagegen das Liebeslied „Immer“. Egal, was Du tust: „Ich bleibe immer ein bisschen verliebt in Dich“. Alle Deine Eigenheiten, auch die negativen, faszinieren mich und werden mich nicht davon abhalten, Dich zu lieben. So überzeugt van Bavel hier die glückliche Liebe besingt, so radikal zieht sie in „Komm mein Herz“ den Schlussstrich. Über lange Zeit wird das Stück nur mit dem Klavier begleitet. Sie erkennt, wie hoffnungslos diese einseitige Liebe ist: „Er will nichts wissen von Sonnenuntergängen mit Dir // Will nicht morgens aufwachen zusammen mit Dir.“ Eindringlich und schmerzhaft ermahnt sie sich: „Komm mein Herz, gib es auf.“

Renée van Bavel hat mit ihrer ersten deutschsprachigen EP „Am Rande des Waldes“ ein facettenreiches Debut vorgelegt. Man wünscht sich mehr von diesen Chansons.

Eine Möglichkeit ist, Renée van Bavel auf der Bühne zu erleben. Das geht heute Abend, am 20. Dezember 2014. Da tritt sie im „Karussell der Kostbarkeiten“ in der Berliner Bar jeder Vernunft auf. Beginn ist um 23:30 Uhr. Und am Freitag, den 16. Januar 2015, spielt Renée van Bavel im Zimmer 16 in Berlin-Pankow. Beginn ist dann um 21 Uhr.

© 2014 BonMot-Berlin

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