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Erinnerung an 20 Jahre in zwei Stunden – Premierenkritik Schwarze Grütze

SAMSUNGSchwarze Grütze: Das Besteste

von Harald Pfeifer

LEIPZIG – 20 Jahre sind für ein Duo eine Ewigkeit. In so einer Zeit haben sich die meisten Zweiergruppen schon mehrmals verzankt und wieder vertragen. Von außen gesehen, haben Stefan Klucke und Dirk Pursche die Jahre andauernder Nähe schadlos überstanden.

Und gemeinsam ist die Schwarze Grütze zum Markenzeichen für Heiterkeit, Übermut im Zeitgeist und künstlerischer Disziplin geworden. Anders wäre der gemeinsame Erfolg auch nicht denkbar gewesen. Denn was sie da auf der Bühne vollführen, ist Teamarbeit.

Die beharrliche Arbeit am Detail ist nicht zu übersehen. Da haben sich Zwei bei den Wort- und Tonschöpfungen zu Höchstleistungen angetrieben. Und das mit diebischer Freude an heimtückischen Pointen, am Witz mit Zeitzünder und überhaupt an all den Geschichten, die in sorgfältig ausgetüftelten Katastrophen enden. Auf schwarzen Humor lässt sich die Schwarze Grütze jedoch nicht reduzieren. Das wäre nur das Pfeifen im dunklen Wald. In den Geschichten und Liedern kommt der ganz gewöhnliche Alltag vor, in feiner Übertreibung zu Kunstwirklichkeit gemacht. Und darum wirken Blut, Tod und Teufel überaus heiter.

All das konnte man zur Premiere des Jubiläumsprogramms „Das Beste“ am 5. Februar im Keller der academixer in Leipzig erleben. Ausverkauft war der Abend natürlich, weil die Schwarze Grütze in der Messestadt immer Heimspiel hat. Das Jubiläumsprogramm ist raffiniert gebaut. Solche Feierstunden haben viele Stolperleinen. Doch Stefan Klucke und Dirk Pursche zeigen Format und Fantasie. Sie greifen tief in ihr Repertoire, als läge das auf einem Wühltisch, singen Lieder, wie das Hochhauslied in ganzer Länge, andere verknappen sie und fassen sie mit weiteren zu einem Potpourri zusammen, sie necken sich ohne Ende und erinnern an wichtige Momente ihrer Programme. Das scheint alles so ganz aus dem Moment heraus zu geschehen, aber bald merkt man, da gibt es einen klugen dramaturgischen Plan, der für einen geschmeidigen Ablauf sorgt. Hier ist alles möglich, nur keine chronologische Ordnung.

Natürlich gibt es wahre Kabinettstückchen, so werfen sie sich beispielsweise gegenseitig ihre Unarten mit präzise den gleichen Worten vor und sprechen das in aller Heftigkeit simultan. Freilich gibt es das auch bei Ursus und Nadeschkin, aber gut gemacht wirkt so etwas immer wieder überzeugend. Dann durften die Froschwitze nicht fehlen, ebenso nicht das Lied „GEMA-Spion“, „Namenslied“ oder „Einer geht noch“, alle Wortspiele und Zungenbrecher waren dabei, und die Zeit verging im Flug.

Am Ende großer Jubel, 20 Jahre sind geschafft, und sie hätten es nicht zu singen brauchen: Die Schwarze Grütze ist in der Tat „Keine Band für eine Nacht“.

Schwarze Grütze - Foto © 2012 Bonmot-Berlin Ltd

© 2015 BonMoT-Berlin
Fotos: © 2015 BonMoT-Berlin/ Carlo Wanka

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