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J. S. Bach trifft Michael Jackson – Kritik Wildes Holz

Wildes Holz - Foto Harald HoffmannWildes Holz: „Astrein“

von Gilles Chevalier

BERLIN – Das Trio „Wildes Holz“ hat eine Mission: Die drei Musiker wollen die Blockflöte von ihrem Grundschul-Image befreien. Ihr drittes Programm „Astrein“, das in dieser Woche in der Berliner ufaFabrik gefeiert wurde, stellt meisterhaft Verbindungen zwischen Klassik, Pop und Rock her.

Tobias Reisige hat dazu ein ganzes Arsenal von Blockflöten mitgebracht. Je größer die Instrumente sind, desto tiefer ist ihr Klang. Das geht bis zum mannshohen selbstgebauten Tieftöner, mit dem eine eigene Fassung „Otherside“ der Red Hot Chili Peppers gespielt wird. Niemand muss Angst davor haben, immer mit denselben Tönen behelligt zu werden!

Begleitet wird Reisige von Anto Karaula an der Konzertgitarre und Markus Conrads am Kontrabass. Das Ensemble steht dabei nicht einfach in der Gegend herum – es ist fein choreographiert und zieht bisweilen mit seinen Instrumenten durch den Saal. Die Drei sprechen nicht miteinander. Stattdessen wickeln sie die gesamte Kommunikation über die Musik ab. Präzise und facettenreich. Man spürt, dass sie lange Straßenmusik gemacht haben. Es wird in keiner Fußgängerzone ein indigenes Panflöten-Ensemble geben, das sich für „Wildes Holz“ warm genug anziehen kann!

Schwung und eine ungeheuer große Spielfreude zeichnen den Abend aus. Eigenkompositionen wechseln sich mit Adaptionen bekannter Werke ab. Dabei sind „Wildes Holz“ für viele Stile offen: Neben Jazz und Klassik bedienen sie Swing, Disco, Samba und Rock´n‘Roll. „Atemlos durch die Nacht“ war zwar noch nicht dabei, aber das Publikum hielt immer wieder den Atem an. Ungewöhnlich langer Applaus nach den einzelnen Titeln und drei Zugaben am Ende des Abends belegen das.

Es weitet schlichtweg die Gehörgänge, wenn diese Formation einen Satz aus Beethovens Klaviersonate „Pathétique“ oder „Stayin‘ Alive“ von den Bee Gees spielt. Mühelos gleiten sie in einem Guss von Bachs „Badinerie“ zu Michael Jacksons „Billie Jean“ und verbinden einen Auszug aus Mozarts „Requiem“ mit einem heiteren Werk Django Reinhardts. Mozarts „Rondo alla turca“ klingt jazzig und swingt so stark, dass es im Bedarfsfall durch publikumsseitiges Mitklatschen ergänzt werden kann.

Gesungen wird an diesem Abend nur ein einziges Wort: in „Das Model“ von Kraftwerk. Gesprochen wird, abgesehen von den prägnanten Moderationen, auch nicht. Hier steht einfach die Musik im Mittelpunkt. Und die ist ein großer Spaß. Chapeau!

Wildes Holz bei der IKF 2015 - Markus Conrads, Beate Moeller und Linn Marx - fotografiert von dem 'one and only' Jochen Malmsheimer

Wildes Holz bei der IKF 2015 – Markus Conrads, Beate Moeller und Linn Marx – fotografiert von dem ‚one and only‘ Jochen Malmsheimer

© 2015 BonMot-Berlin
Foto: Harald Hoffmann

„Wildes Holz“ spielen ihr Programm „Astrein“ noch einmal in Berlin an diesem Samstag, den 14. Februar, um 20 Uhr im Varieté-Salon der ufaFabrik.
Kartentelefon: 030 – 755 03 0 – Vorverkauf HIER

Homepage Wildes Holz mit allen weiteren TourterminenWorld of Friends

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