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Griechen, kauft deutschen Zaziki! – Kolumne von HG.Butzko

HG Butzko - Kolumne - design c.wankaLiebe Freunde des politischen Kabaretts,

als der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis den Europäern seine Ideen zur Beilegung der Griechenlandkrise schickte, antwortete Wolfgang Schäuble: „Der Brief aus Athen ist kein substantieller Lösungsvorschlag.“

Dazu muss man wissen, dass der Schäuble ja nur wie ein Arzt handelt, zu dem ein kranker Mann kommt und fragt: „Was muss ich machen, um wieder gesund zu werden?“ Worauf der Arzt sagt: „Du musst vor allem erst mal deine offenen Medikamenten-Rechnungen an die Pharmakonzerne bezahlen, dann wird’s dir wieder besser gehen.“ Ein Jahr später ist der Mann nicht mehr krank, sondern todkrank. Und was macht der Arzt? Er besteht auf Einhaltung der Therapie.

Deswegen sagte Schäuble: „Der Brief aus Athen ist kein substantieller Lösungsvorschlag“, denn er will den Griechen ja einfach nur seriöses Finanzgebaren beibringen, und zwar so seriös, wie Schäuble selber seine Finanzen stets gehandhabt hat. Man hätte sich also in Athen einfach nur mal beim Waffenhändler Schreiber erkundigen müssen, dann hätte man erfahren, dass Briefe für Wolfgang Schäuble nur dann etwas Substantielles beinhalten, wenn sich 100.000 DM im Umschlag befinden.

Angela Merkels Rezept ist ebenso viel versprechend. Seit Jahren lautet ihre Diagnose: „Die Griechen sollen es halt machen, wie wir Deutschen.“
Denn was haben wir Deutschen gemacht, das die Griechen machen sollten, wie wir? Wir haben die Reallöhne gekürzt und die Sozialleistungen runtergefahren, bis wir in der Produktion billiger waren als unsere Konkurrenten. Das hatte Konsequenzen.

Ein griechischer Taxifahrer hat mir mal erzählt, was eigentlich in seinem Land los ist. Früher gab es nämlich in seinem Ort einen Lebensmittelladen, der alles angeboten hat, was man zum Leben so braucht: zum Beispiel auch Zaziki. Bis dann eines Tages in diesem Ort ein deutscher Supermarktdiscounter aufmachte, und der hat da das gleiche angeboten wie der griechische Lebensmittelladen, nur mit einem Unterschied: billiger, zum Beispiel auch Zaziki. Denn dieser deutsche Supermarktdiscounter ließ seinen Zaziki im Billiglohnland Deutschland herstellen mit deutscher Milch und deutschen Zutaten. Und deswegen singt die Merkel: „Seht Ihr Griechen, so wird das gemacht!“

Das Ergebnis war, dass die griechischen Milchbauern, Zazikihersteller und Lebensmittelhändler auf ihrem Zeug sitzen blieben und irgendwann pleite waren. Und zwar so pleite, dass sie am Ende nicht mal mehr genug Geld hatten, um im deutschen Supermarktdiscounter deutschen Zaziki zu kaufen. Und in dem Moment sagte die Merkel: „Ich versteh gar nicht, warum die Griechen Geld brauchen. Aber egal warum, wenn sie Kredite wollen, von uns Deutschen bekommen sie jedenfalls keine.“

Und bei der Aussicht, dass dadurch am Ende der deutsche Supermarktdiscounter, samt deutscher Milchbauern und Zazikihersteller in Griechenland dann nichts mehr verkaufen würden, pleite gingen, und der griechische Lebensmittelladen mit griechischen Produkten wieder aufmachen könnte, sangen die Griechen zu den Deutschen: „Ihr könnt nach Hause fahrn.“

Und da haben dann die deutschen Supermarktdiscounter, Milchbauern und Zazikihersteller die Merkel gefragt, ob sie nicht eventuell zum Idiotentest sollte. Und da hat die Merkel gesagt: „Also wenn einer den Griechen Kredite geben will, dann doch wohl wir Deutschen.“ Das war eine klassische 180-Grad-Wende, auch bekannt als Standpunktpirouette. Seit Fukushima eine von Merkels leichtesten Übungen.

Und weil die Griechen von uns Deutschen Geld bekamen, um unseren deutschen Zaziki zu kaufen, schlagzeilte die BILD-Zeitung wochenlang auf ihrer Titelseite über die faulen Abzocker-Pleite-Griechen. Wie konnte es dazu kommen? Einfach mal die ganzseitigen Werbeanzeigen von deutschen Supermarktdiscountern in der BILD-Zeitung zählen. Und dann mit der Anzahl der ganzseitigen Anzeigen von Griechenland vergleichen. Das Problem war: Der griechische Finanzminister heißt mit Vornamen: „Waskostas“ und mir Nachnamen. „Wohlgratis“.

Wir gaben den Griechen also unseren Zaziki, unsere Kredite, und unseren Spott in unseren Boulevard-Zeitungen. Was wir den Griechen nicht gaben, waren eigene Einnahmen. Und damit kommen wir zur ersten Joker-Frage: Wenn jemand keine eigenen Einnahmen hat, wovon soll er dann Kredite abbezahlen?

Und als die Merkel merkte, dass die Griechen ihre Schulden ja gar nicht zurück bezahlen, hatte sie eine geniale Idee: „Wenn ein Land seine Schulden nicht abbaut, muss es dafür Strafzinsen zahlen.“ Darauf muss man erst mal kommen. Jemand der nackig ist, soll als Strafe fürs nackig sein, sich ausziehen.

Und weil sie dann aber doch irgendwann gemerkt hat, dass man von Leuten, von denen man kein Geld bekommt, auch kein Bußgeld bekommt, hat sie aus unseren Steuergeldern einen Schutzschirm gebildet für die Kredite, die die Griechen brauchen, damit sie Geld haben, um unseren Zaziki zu kaufen. Was hat eine solche Politik mit Zaziki gemeinsam? Beides ist Quark.

Denn selbst, als die Griechen es genauso gemacht haben, wie wir Deutschen. Also Löhne und Sozialleistungen runter gefahren und sich ein anderes Land gesucht, wo sie ihren Zaziki billiger anbieten können als dort die einheimischen Lebensmittelhändler, fanden die deutschen Supermarktdiscounter dieses andere Land doch auch.

Es gibt ja Leute, die eine lange Leitung haben. Und es gibt Leute, die aufm Schlauch stehen. Aber bei Angela Merkel ist die lange Leitung der Schlauch, auf dem sie steht.

 

In diesem Sinne wünsche ich uns:
LOVE & PEACE & EGGS TO SEA
von Herzen herzlichst Euer
Herz-Günter Butzko

 

©2015 HG.Butzko/ BonMoT-Berlin

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Kategorien:Kabarett, Schräges

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