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Blödsinn auf dem Boden der Tatsachen – Kritik Ulan & Bator

Ulan + BatorUlan & Bator: „Irreparabeln“

von Marianne Kolarik

Wer wartet hier worauf? Zwei Männer in dunkelgrauen Anzügen sitzen auf der Bühne – auf zwei schwarzen Stühlen, mit deren Hilfe sie später ein grandios komisches Konzert („Klassik modern“) geben werden. Aus ihren Hosentaschen ziehen sie bunte Bommel-Wollmützen, ziehen sie auf ihre Köpfe. Aus ihren Mündern fließt eine Art synchroner Scat-Sprache, ein Silben-Wortsalat mit jazzigen Anklängen.

„Irreparabeln“ heißt das neue Programm von Sebastian Rüger und Frank Smilgies, zwei Schauspieler, die nicht nur den Dadaismus beerbt, sondern mit ihren surrealen Miniaturen eine völlig neue Spielart von Comedy erfunden haben.

Blödsinn auf dem Boden der Tatsachen: einer steckt sich eine – virtuelle – Zigarette an und sagt: „Das ist meine Letzte, ich schwör’s Ihnen. Hitler war Nichtraucher“. Einer fragt mit hoher Pieps-Stimme: „Schatz, machen wir heute was Schönes?“ Der Andere antwortet: „Ja, wir gehen ins Sozialhilfemuseum“. Sie wollen Drohnen füttern im Park, zitieren mit ernster Miene und Drama reifem Pathos aus Schillers „Don Carlos“ und lassen einen Wirtschaftsanwalt zu Wort (und Körpersprache) kommen, der nebenberuflich Medikamente testet – mit sichtbaren Folgen für seine Koordinationsfähigkeit. Sie sagen Sätze wie „der glatzköpfige Elektriker trägt seine Birne mit Fassung“ und berichten live aus dem Fernsehstudio von der verheerenden Schnick-Schnack-Schnuck-Krise.

Die im vergangenen April mit dem 1. Kölner KleinKunstPreis ausgezeichneten Künstler verhackstücken Krimi-Floskeln derart gekonnt, auf dass man in Zukunft den ARD-„Tatort“ mit anderen Augen betrachten wird, lassen einen „Sportschau“-Moderator alt aussehen, als sein Interview-Partner Sophokles zitiert und geben einen Yoga-Kurs, bei dem der eine und andere Zuschauer lernt, was Schnappatmung tatsächlich bedeutet. Beim Monokel des Zyklopen: ein derart virtuos abgedrehtes Szenario und gleichzeitig perfekt in Szene gesetztes Stück hat man in „Wirrklichkeit“ – so der Titel ihres vorigen Programms – noch nie gesehen. Wahnsinn.

©2015 BonMoT-Berlin
Foto: Sandra Klein

Nächste Termine:
Ulan & Bator: „Irreparabeln“
Mi, 20. bis Samstag, 23. Mai 2015, 20 Uhr
Berlin, ufaFabrik, Varieté Salon | Viktoriastr. 10-18 | 12105 Berlin-Tempelhof
Kartentelefon: 030.75 50 30, Email: vorbestellung(ät)ufafabrik.de
Eintritt: 19 €, emäßigt: 16 €, Studenten (nur im VVK): 12 €

Links: Ulan & BatorufaFabrikVorverkauf ufaWorld of Friends

Kategorien:Comedy, Kleinkunst, Kritik

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