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Waaaaas? Korruption? Bei der FIFA? – Kolumne von HG.Butzko

HG Butzko - Kolumne - design c.wankaLiebe Freunde des politischen Kabaretts,

als einige FIFA-Exekutiv-Mitglieder vom FBI verhaftet wurden, gab Sepp Blatter eine Presseerklärung heraus:

„Waaaas? In meiner FIFA gab es seit Jahrzehnten systematisch Korruption? Das ist ja eine Ungeheuerlichkeit. Warum sagt mir das denn keiner?“ Mehr war von ihm nicht zu erfahren. Die Redenschreiber mussten zurück ins Bundeskanzleramt.

Aber natürlich ist Korruption ein Skandal. Und gerade wir Deutschen haben jede Berechtigung, uns deswegen empört zu zeigen. Schließlich hatten wir so etwas noch nie nötig, wie die Vergabe der WM 2006 eindeutig belegt.

Die Fußball-WM 2006 hatte nämlich, und das wollen wir hier nicht unerwähnt lassen, Franz Beckenbauer nach Deutschland geholt. Der Kaiser, die Lichtgestalt. Die käufliche Schwafelbacke von der Säbenerstraße. Wie er mehrfach um den Globus gereist ist, um die Mehrheit im Fifa-Exekutiv-Komitee auf seine Seite zu ziehen. Das Fifa-Exekutiv-Komitee, 24 Männer, eine Clique, dagegen ist die Camorra Amnesty International. 9 Stimmen waren sicher auf unserer Seite. Brauchten wir noch 4 Stimmen für die Mehrheit. Als erstes auf der Liste Südkorea.

Fliegt der Beckenbauer also nach Südkorea,
steigt aus dem Flugzeug,
wird von einer jubelnden Menschenmenge empfangen,
ein riesiger Journalistentross hat nur auf ihn gewartet,
er besucht Kindergärten, weiht Fußballinternate ein,
gibt Autogrammstunden,
Festessen mit dem Staatspräsidenten,
spielt sich nen Golf.
Blitzlichtgewitter ohne Ende.
Wohin er kommt,
alle Augen immer nur auf den Kaiser gerichtet.
Und ganz hinten,
im Schatten der Lichtgestalt,
hat Daimler-Chrysler ein 400-Millionen-Euro-Deal mit Hyundai abgewickelt, dessen Chef dann auch rein zufällig eben jenes Fifa-Exekutiv-Mitglied von Südkorea ist.

Und dann fliegt der Kaiser wieder ab.
Blitzlichtgewitter.
Thanks you, it was nice,
the ball is round.
Mehr sag i net,
More say I not.

Und fliegt weiter zum nächsten auf der Liste, ab nach Thailand,
steigt aus dem Flugzeug,
Menschenmenge, Journalistentross,
Kindergärten, Fußballinternate,
Autogrammstunden, Festessen, Golfspielen.
Alle Augen immer nur auf den Kaiser gerichtet.
Und ganz hinten,
im Schatten der Lichtgestalt,
hat Bayer Leverkusen dem thailändischen Pharmakonzern „Map Ta Phut“ eine Verdreifachung der Pflanzenschutzmittelproduktion angekündigt.

Und dann fliegt der Kaiser wieder ab.
Blitzlichtgewitter.
Good Buy.
Guter Einkauf.
Schaumermal.
Lookweones.

Ab zum nächsten auf der Liste, nach Saudi-Arabien.
Steigt aus dem Flugzeug
Kein Schwein da.
Was war passiert?

Hat wenige Tage zuvor der Bundessicherheitsrat mit den Stimmen von Kanzler Schröder, Verteidigungsminister Scharping und Wirtschaftsminister Müller beschlossen, dem saudischen Königshaus 1200 Panzerfäuste zu liefern.

Bleibt nur noch eine Stimme, die des Neuseeländers Charles Dempsey. Ab zur entscheidenden Abstimmung. Showdown in Zürich. Man weiß bis heute nicht, was genau sich in der letzten Nacht zugetragen hat. Dempsey jedenfalls berichtet von nächtlichem Telefonterror, Drohanrufen und Mordankündigungen.

Und jetzt stellen Sie sich bitte mal vor, wenn bei Ihnen mitten in der Nacht vom anderen Ende der Telefonleitung die Stimme eines ehemaligen Giesinger Vollprolls was in die Ohren plärrt, von wegen: ‘“Gute Freunde kann niemand trennen. Gute Freunde sind nie allein. Gute Freunde lassen dich nicht pennen.“ Ich mein, das würden Sie doch auch als einen Drohanruf bezeichnen.

Und wenn Sie die Wahl haben: “Sorg ich dafür, dass Deutschland die WM kriegt, oder muss ich bis ans Ende meiner Tage mit Franz Beckenbauer Golf spielen.“ Sie hätten sich auch für den Mittelweg entschieden.

Wie eben auch Charles Dempsey. Der Mann hat sich einfach seiner Stimme enthalten, und das war’s. Deutschland hat die WM. Die Lichtgestalt hat so hell gestrahlt, dass sie ihren Job als Blendwerk und Nebelkerze bestens verrichtet hat. Die Spiele finden im Gottlieb-Daimler-Stadion statt, in der Allianz-Arena, das Training auf dem Gelände von Bayer Leverkusen.

Und nicht in Südafrika. Ich bitte Sie, jeder fünfte hat da unten Aids. Allein schon deswegen… In welchen Puff hätten denn die ganzen Funktionäre und Journalisten da nachts hingekonnt, die ganzen Trainerstäbe. Und von der Korruption in diesen Entwicklungsländern mal ganz zu schweigen.

 

In diesem Sinne wünsche ich uns:
LOVE & PEACE & EGGS TO SEA
von Herzen herzlichst Euer
Herz-Günter Butzko

 

©2015 HG.Butzko/ BonMoT-Berlin

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Kategorien:Kabarett, Schräges

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