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Bismarckhering für die Kanzlerin! – Kolumne von HG.Butzko

HG Butzko - Kolumne - design c.wankaLiebe Freunde des politischen Kabaretts,

die Sommerpause ist rum, und ich geh wieder auf Tour. Aber nicht nur das. Ab sofort ist auch mein neues Buch im Handel. Es heißt: „Verarschen kann ich mich alleine“ und ist im Westend-Verlag erschienen.

Es behandelt neben vielen anderen Themen auch das völlig überraschende und unerwartete Flüchtlingsproblem. Wobei da immer zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen unterschieden wird, so dass ich mich inzwischen frage: Was genau ist eigentlich ein Wirtschaftsflüchtling?

Wenn die Europäische Union in ihren Außenhandelsbeziehungen den afrikanischen Staaten Zollbedingungen abverlangt, um europäische Waren auf den afrikanischen Märkten günstiger anbieten zu können als die einheimischen Produkte, ist es doch kein Wunder, wenn diese Afrikaner lieber in Europa leben wollen. Solche Menschen dann Wirtschaftsflüchtlinge zu nennen, verdrängt die Frage, wer es eigentlich gewesen ist, der sie überhaupt erst in die Flucht getrieben hat.

Und Verdrängung ist ja der Politikstil unserer Kanzlerin. Wenn sie z B sagt: „Es gibt keine Toleranz für fremdenfeindliches Gedankengut“, dann muss ich mich schon sehr verwundern, denn ich hätte es doch nie für möglich gehalten, dass sie sich mal so klar von der CSU distanziert.

Andererseits muss man froh sein, dass sie überhaupt mal was gesagt hat. Denn wochenlang hat sie das Flüchtlingsthema angehen wollen, wie den NSA-Abhörskandal oder die Euro-Krise in Griechenland, nämlich durch Abwarten. Wäre unsere Kanzlerin Kapitän auf einem großen Dampfer, und der Ruf „Eisberg voraus!“ ertönt, dann würde sie antworten: „Mal gucken, wie lange wir den vor uns herschieben können.“

Das ist die selbe Kanzlerin, die einem von der Abschiebung bedrohten weinenden Flüchtlingskind den Kopf tätschelt und sagt: „Du brauchst doch nicht zu weinen.“ Spätestens da konnten wir sehen, dass es tatsächlich möglich ist, dass zwei Körper sich im selben Raum befinden, aber die Gehirne gleichzeitig in Paralleluniversen rumtreiben können. Das Problem: Eines dieser Gehirne bestimmt die Richtlinien unserer Politik.

Und nicht vergessen: Unsere Regierung ist vernetzt und verdrahtet mit allen Regionen auf der ganzen Welt. Wenn sich da irgendwo eine Menschenmenge auf den Weg macht, dann bekommt das Bundeskanzleramt das mit. Man kann also ein Land, seine Bevölkerung und Behörden auch auf Flüchtlinge vorbereiten. Vielleicht sollte Frau Merkel mal damit anfangen, ab und zu einen Bismarckhering zu essen, damit wenigstens ihr Magen etwas von einem Kanzler hat.

Denn wenn man einen Til Schweiger plötzlich gut finden muss, weil er der einzige ist, der Klartext redet – auch wenn man sich das gar nicht vorstellen kann, dass Til Schweiger wirklich mal Klartext redet – dann läuft gerade was gewaltig schief in unserem Land.

Dabei wäre es für Frau Merkel doch so einfach, auch mal Klartext zu reden. Sie müsste sich einfach nur hinstellen und sagen:

„Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

haben wir wirklich geglaubt, wir könnten den Wohlstand in unserem Land durch Ausbeutung in Billiglohnländern gestalten, und die Ausgebeuteten würden in diesen Ländern bleiben?

Haben wir wirklich geglaubt, die Hungernden auf der Welt gucken sich weiterhin tatenlos an, wie wir uns die Bäuche vollschlagen?

Haben wir wirklich geglaubt, wir könnten der drittgrößte Waffenexporteur der Welt sein, der 100.000 Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie bietet, haben wir wirklich geglaubt, dass 100.000 Menschen in diesem Land ihren Lebensunterhalt damit verdienen, Mordgeräte zu verkaufen, ohne dass das Konsequenzen haben wird?

Haben wir wirklich geglaubt, wir könnten uns jahrelang das Elend der Welt im Fernsehen angucken, und zwar auf Fernsehgeräten, die nicht zuletzt durch das Elend der Welt hergestellt und finanziert werden, haben wir wirklich geglaubt, dass wir uns das weiterhin abgestumpft angucken können, ohne dass uns das irgendwann berühren muss?

Haben wir das alles wirklich geglaubt? – Also, um ehrlich zu sein, ich schon!“

Aber wenn das Elend jetzt an unsere Haustüre klopft, macht es keinen Sinn, es sich zurück in den Fernseher zu wünschen. Umgekehrt geht’s ja auch nicht. Also, dass Miss Germany aus dem Fernseher plötzlich vor der Tür steht.

Die Leute, die zur Zeit aus allen Himmelsrichtungen zu uns kommen, machen Folgendes: Sie präsentieren uns die Rechnung! Sie präsentieren uns die Rechnung für unseren Lebensstil.

Und wer sich weigert, die Rechnung zu bezahlen, ist nichts Geringeres als ein Zechpreller. Er entzieht sich den Gesetzen der Ökonomie. Oder mit anderen Worten: Der ist ein Wirtschaftsflüchtling.

 

In diesem Sinne wünsche ich uns:
LOVE & PEACE & EGGS TO SEA
von Herzen herzlichst Euer
Herz-Günter Butzko

 

©2015 HG.Butzko/ BonMoT-Berlin

Wer diesen Letter kommentieren will, tut das entweder HIER auf Butzkos Blog oder HIER bei Facebook oder nutzt die Kommentarfunktion unten. Und wer von meinen Hirnwindungen noch nicht genug hat, kann HIER mein Buch bestellen. Oder einen meiner Auftritte besuchen, worüber ich mich sehr freuen würde.

Die nächsten Live-Termine auf der Homepage von HG.ButzkoButzkos Kolumnen auf liveundlustig

Kategorien:Kabarett, Schräges
  1. 2. September 2015 um 07:55

    Schick den Text bitte an Mutti! 😀

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