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Maxi Schafroth: Faszination Bayern – Kritik

Maxi Schafroth - Foto © Susie KnollAuf seiner Promotion-Tour zur Völkerverständigung hat der Maxi Schafroth diesmal im Berliner Westend bei den Wühlmäusen Station gemacht. Dass er aus Bayern kommt, erkennt man am Janker, und man hört es auch an der Sprache.

Das durchaus kurzweilige Programm „Faszination Bayern“ über die eigenartige Mentalität der Bayern und das Leben in der Landwirtschaft spielt er zusammen mit dem Gitarristen Markus Schalk seit dem Frühjahr 2015.

Schon als die beiden im Sommer in Köln aufgetreten sind, hat liveundlustig darüber berichtet. Deshalb hier noch einmal die Kritik vom 6. Juni 2015:

 

Ackergeburt zwischen Schufterei in der Landwirtschaft und Touristengedöns

von Marianne Kolarik

KÖLN – Er sei von der bayerischen Staatsregierung nach Nordrhein-Westfalen geschickt worden, um ein kulturelles Miteinander zu fördern. Sagt der Mann mit dem Lockenkopf und der braunen Lodenjacke im Brustton der Überzeugung.

„Faszination Bayern“ heißt Maxi Schafroths neues Programm, der Nachfolger von „Faszination Allgäu“, mit dem er landauf landab bereits für Aufklärung über das wahre Wesen des süddeutschen Homo Faber gesorgt hat.

Nun also die Fortsetzung mit bekannten Mitteln: Überspitzung, folk-musikalischem Mehrwert (dank des wunderbaren Gitarristen Markus Schalk), ausdruckstarker Körpersprache und jeder Menge ironischer Brechungen.

Der Münchner Abgesandte („ich komme nicht aus dem verfilzten inzestuösen Lodenclan“) verweist mit ernster Miene auf das bayerische Brauchtum, berichtet von Eusebius, dem Wirbellosen, ein Vorfahre von Horst Seehofer und Ur-Bajuware, der von Therese, der quirligen Zungenlosen, im 9. Jahrhundert nach Christus in seine Schranken verwiesen worden war. Er selbst, also Maxi Schafroth, stamme aus Stephansried, einem 78 Seelendorf im Allgäu, also einer Art bayerischem Banlieue, ein Ort, in dem er bereits in jungen Jahren mit den Touristenkindern konfrontiert wurde. Die trugen dicke Steppjacken und wenn sie hinfielen, kullerten sie die Berge runter und waren weg.

Als Ackergeburt kennt er sich mit der Scholle aus, die einhergeht mit ewigem Schaffen. Seine Mama habe 24 Stunden am Tag gearbeitet, der Papa natürlich auch. Und er habe als Siebenjähriger – wie alle Buben im Dorf – mit dem großen Traktor fahren dürfen. Dennoch: Der Weg zum Banker, den er später eingeschlagen hat, sei vorgezeichnet gewesen. Sein bester Kinder-Freund war die Schreibmaschine, auf der er freundliche, aber frei erfundene Forderungen formuliert und verschickt habe. Die Deutsche Bank in der Großstadt München, bei der er klaglos eine Lehre absolvierte, decke ein breites humoristisches Spektrum ab. Jörn und Silke wiederum verkörpern die fleischgewordene Generation Biogemüse, Blähbauch-Vermeidung und designter Lebensläufe.

Urkomisch: die Aufsätze über Urlaub und Touristen (die dank ihrer vielen Reißverschlüsse im Allgäu überleben können), eine Fahrt in den Urlaub und Rosenkranzweiber mit Faltenröcken – denkwürdige Texte die Schafroth angeblich in der 2c verfasst hat und nun der Öffentlichkeit preisgibt. Auch das Ineffizienz-Coaching funktioniert perfekt: just with a fingertip den Nachbarn anstupsen und dabei Quietsch-Geräusche produzieren. Keine Frage: Schafroths – wie angekündigt – pfiffiges Programm ist bestens dazu geeignet, neuen Lebensmut zu fassen. Danke.

(Je nach zeitlicher Verfügbarkeit ergänzt der Kinderchor der Jungen Union Miesbach – bestehend aus Max und Franziskus – das Programm, indem er bayerische Gstanzln zu Gehör bringt.)

©2015 BonMoT-Berlin
Foto: Susie Knoll

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Kategorien:Comedy, Kabarett, Kritik

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