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Spielerischer Angriff – Kritik Ensemble Weltkritik

Ensemble Weltkritik Höhenflüge - Foto Ensemble WeltkritikDas „Ensemble Weltkritik“ und sein neues Programm „Höhenflüge in Bodennähe“

von Harald Pfeifer

LEIPZIG – Seit 2006 existiert das Leipziger Duo, mit Bettina Prokert und Maximilian Hoffmann. Sie ist studierte Sprecherin und Sprecherzieherin, er hat Germanistik und Theaterwissenschaften studiert, beide gehören der Generation um die 30 an und haben einerseits von der Comedy-Welle die volle Ladung abbekommen, andererseits danach die zunehmend politisierten Zeiten in den 2000er Jahren erlebt. Erfahrungen, die für Kabarett eine gute Grundlage sind.

Sie kennen somit das Prinzip der großen Überschriften und des Kleingedruckten aus eigenem Erleben, und genau davon erzählen sie – vom täglichen Betrug und Selbstbetrug, von flickwerkhaften Arbeitsbiografien, dem Jobben für die Miete und schlussendlich dem Spaß am Leben, weil das ja immer auch komisch ist. Ihr unmissverständlicher Angriff ist spielerischer Natur und vor allem heiter. Für sie ist nicht gutes Kabarett, was böse ist, oder was in Erklärstücken die Unarten der Welt haarklein vorführt. Bettina Prokert und Maxim Hoffmann lösen ihren Unmut über die schlechte Welt in komödiantisches Spiel auf.

In ihrem ersten Programm „Weltkritik – ein bunter Abend“ haben sie ohne Umschweife ihre eigene Lebenssituation zum Thema gemacht. Akademiker ohne Job. Auf der Bühne sind sie Silke Sumpf-Pretzsch und Thomas Lühmlich, die vom Jobcenter auf Kabarett umgeschult werden. Mittlerweile bestreiten sie ihr viertes Programm, und die Bühnenfiguren sorgen nach wie vor dafür, dass die ironische Distanz beim Spiel immer erhalten bleibt. Das Komödiantische beherrschen die beiden wirklich gut. Sie meldet sich zu Wort mit überwichtigem Gesicht, er kuckt seitlich ins Publikum, als würde Loriot an den Fäden ziehen.

Die neue Produktion „Höhenflüge in Bodennähe“ ist im Grunde ein klassisches Nummernprogramm, das allerdings dadurch, dass da zwei Bühnenfiguren agieren, wieder eine gespielte Geschichte wird. In der Art: Silke Sumpf-Pretzsch und Thomas Lühmlich machen Programm. Damit ist der Rahmen für ihre heiter spottende Weltkritik geschaffen. Da erzählen Loser vom Leben, und sie ersehnen sich, dass genau das ihre etwas leichter sein möge. Da taucht die optimierte Welt und das Leben in drögen Superlativen auf, in denen der werbewirksame Slogan als Kern des Daseins erscheint. Da wird ohne Gnade geshoppt oder am Feindbild gefeilt, wie auch das Smartphone sklavisch bedient. Die Welt ist also, wie sie ist und wird dann kunstvoll mit Spott überzogen.

Das neue Programm und überhaupt das „Ensemble Weltkritik“ bietet keinen Spaß von der Stange. Silke Sumpf-Pretzsch und Thomas Lühmlich überraschen mit ihren Pointen. Sie animieren ihr Publikum nicht mit Klischees zu lachendem Beifall. Und was vor allem für sie spricht, sie meiden Extreme und arbeiten bei aller Heiterkeit mit dem Understatement.

Foto: PR Weltkritik
©2015 BonMoT-Berlin

Homepage Ensemble Weltkritik

Kategorien:Kabarett, Kritik, Premiere
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