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Teuflisch guter Musik-Kasper – Kritik Hans Liberg

Hans Liberg - Foto © Liv YlvaHans Liberg mit „Attacca“ beim Köln Comedy-Festival

von Marianne Kolarik

KÖLN – Ganz am Schluss erklärt Hans Liberg, was es mit dem Titel seines neuen Programms auf sich habe: „Attacca“ nenne man verschiedene, ohne Pause miteinander verbundene Stücke. Und darin ist der holländische Musik-Kabarettist schließlich der weltweit ungekrönte König. Wobei er alles Mögliche pausenlos miteinander verknüpft: Tanzeinlagen, Witze, Publikumsanimation, Karikaturen, eine Hommage an die Schweiz, „das größte Land Europas, sie haben nur vergessen, es zu bügeln“, kuriose Geschichten mit politischem Hintersinn, wie die vom Verbot, auf den schwarzen Tasten („die sind in der Minderheit“) eines Klaviers zu spielen oder das Lied von den zehn kleinen Negerlein zu singen.

Bei Liberg passt alles zusammen, weil nichts zusammen passt. Die Matthäus-Passion zu Dave Brubeck und Billy Joel, Andrew Lloyd Webber zu Tschaikowsky, dem Erfinder des Tscha-Tscha-Tscha. „Ich kann noch viel mehr“, sagt Liberg. Wohl wahr. Zum Beispiel dem Alphorn Töne entlocken. Ist gar nicht so einfach, wie sich herausstellt, als er einen Zuhörer auffordert, es ihm gleich zu tun. Da macht es „pfffft“, das ist alles.

Überhaupt: das Publikum in der Kölner Philharmonie spielt auch eine Rolle – als nicht ganz stimmfester Chor. „In Holland singen die Leute bei klassischen Konzerten immer mit, wir brauchen kein Comedy-Festival“, flachst der Mann im knatsch-orangenem Anzug – und gibt seinen beiden wunderbaren Musikern Remy Dielemans (Kontrabass), Ralph Adriaansen (Schlagzeug) Saures, indem er mitten in einem Stück einfach aufhört – oder in affiger Pianisten-Attitüde ewig weiter spielt.

Hans Liberg - Foto © Thomas MayerKlar, Beethovens Neunte darf in dem Anarchie-Potpourri nicht fehlen, genauso wenig wie Schubert und Mozart („zu seiner Zeit gab es noch keine klassische Musik, das waren alles Rocker“). Er parodiert Joe Cocker und geht der Frage nach, wer bei wem was geklaut hat und ob man es hören kann, dass Tschaikowsky schwul war.

Beethovens „Elise“ sei eine dumme Pute gewesen – warum auch immer. Lässt sich schwer nachprüfen. Genauso wenig wie die Behauptung, Beethoven habe viele seiner Stücke in der Badewanne komponiert. Aber man glaubt Liberg aufs Wort, wenn er behauptet, dass er bereits mit zwei Jahren auf einer klitzekleinen Gitarre gespielt habe – einen (pfeifenden) Schnuller im Mund.

Wie man Luft-Gitarre spielt, weiß jedes Kind, aber nicht, wie Luft-Schlagzeug und Luft-Kontrabass geht. – „Wir sind ein tolles Trio“, meint der teuflisch gute Musik-Kasper, „man kann uns mieten“. Easy Listening-Schmarren und Hochzeitsmärsche lassen sich prima am Keyboard intonieren. Wenn es stimmt, dass es für jede Person eine Melodie gibt, dann sicher auch für Liberg. Wie wäre es mit „O Freunde, nicht diese Töne“? Natürlich vom Meister selbst gesungen.

©2015BonMoT-Berlin
Fotos: Liv Ylva | Thomas Mayer

25. Internationales Köln Comedy Festival 2015 vom 15. bis zum 31. Oktober 2015
auf 20 Bühnen in Köln
Das ganze Programm HIER auf der Homepage Köln Comedy, sowie als pdf zum Download der Programmüberblick und das Programmheft

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