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Komödiantische Riesensause für Kindsköpfe – Kritik „Albtraumschiff“

albtraumschiff - Foto © Köln Comedy Festival GmbHBühnenprobe fürs Lichtspiel mit dem „Albtraumschiff“ auf der MS RheinEnergie

von Marianne Kolarik

KÖLN – Draußen war es dunkel und neblig. Man sah nicht viel von der vorüberziehenden Landschaft. Dafür entschädigt wurde man von „wunderschönen und talentierten“ Menschen, die das „Albtraumschiff“ im Rahmen des Köln Comedy Festivals zu einem durchgeknallten Spaß der Sonderklasse machten.

Doch der Reihe nach: die MS RheinEnergie war der schwimmende Schauplatz für die Umsetzung eines Drehbuches, das – zumindest bislang – noch nicht das Licht der Mattscheibe erblickt hat. Headautor Chris Geletneky sorgte neben Bastian Pastewka, Annette Frier, Betttina Lamprecht und Max Giermann dafür, dass der „lustigste Film, der niemals gedreht wurde“ (so Brainpool-Geschäftsführer Ralf Günther in seiner Anmoderation) zumindest in den Köpfen der Zuhörer ablief: eine wüste Story inklusiver wasserdichter Geräuschkulisse.

Dabei geholfen haben die Akteure, die ihre jeweilige Rolle – jeder verkörpert gleich mehrere Personen – mit stimmlichen und mimischen Akzenten versahen. Hört sich trocken an, war es aber ganz und gar nicht. Da kippt man vom Stuhl, zieht sich Mützen und Schals an, gibt via Flüstertüte die neuesten Katastrophen bekannt oder rasiert sich zwecks DNA-Probe schon mal im unteren Bereich die Haare ab. Das verwickelte, mit immer neuen Wendungen überraschende Treiben auf dem mit Brandbeschleunigern bestückten Schiff lässt sich nur schwer in Worte fassen. Es geht um einen Versicherungsbetrug, vaterlose Jugendliche und eine Baronin, die vergeblich versucht, ihren an den Rollstuhl gefesselten Gatten ins Jenseits zu befördern.

Hinzu kommen 20 Kegelbrüder aus Recklinghausen, ein erster Offizier, ein ausgemusterter Kapitän und eine so entzückende wie leidgeprüfte Chef-Stewardess, die die aufgebrachten Passagiere zu beruhigen versucht. Nicht so einfach, angesichts der eingeschmuggelten Bombe, die im Maschinenraum darauf wartet, endlich explodieren zu dürfen. Da ist das verfeindete Schlagersänger-Pärchen Sandy und Bernd, die gemeinsam vom Flamingo der Geborgenheit und der Liebe auf dünnem Eis singen und sich im übrigen mit den wüstesten Beschimpfungen überschütten.

Geletneky hat sich bei unterschiedlichen Genres bedient, mischt Krimi-Elemente und die dazu passenden Floskeln mit Versatzstücken aus Heimat- Liebes- und Katastrophenfilmen, setzt dabei immer noch einen drauf und vertraut ganz auf sein offenbar untrügliches Gespür für Situationskomik. Hinzu kommen jede Menge Anspielungen: mal sehr direkt, mal very sophisticated, aber immer witzig.

Die Mutter kotzt beim Gesülze ihrer Tochter, irgendjemand fragt, ob nicht mal langsam eine Panik entstehen müsse und selbst der arme Victor, der sich für den Rest der Mannschaft opfern will und von einer Schiffsschraube zerfetzt wird, taucht wieder quicklebendig auf. Patrick nimmt den Mund seiner Angebeteten in die Hand und küsst sie auf den Kopf, der Versicherungsbetrüger namens Don Giovanni nimmt ein böses Ende und Rico versucht sich mit den Worten „Ich sage nichts ohne meinen Bäcker“ aus der Affäre zu ziehen. Eine komödiantische Riesensause für große und kleine Kindsköpfe.

©2015BonMoT-Berlin
Foto: FB Bordreporter

 

Bastian Pastewka, Annette Frier, Bettina Lamprecht, Max Giermann, Comedy-Hitautor Chris Geletneky

Bastian Pastewka, Annette Frier, Bettina Lamprecht, Max Giermann, Autor Chris Geletneky


 

25. Internationales Köln Comedy Festival 2015 vom 15. bis zum 31. Oktober 2015
auf 20 Bühnen in Köln
Das ganze Programm HIER auf der Homepage Köln Comedy, sowie als pdf zum Download der Programmüberblick und das Programmheft

Kategorien:Comedy, Kritik

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