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Große Show mit kleinem Budget – Kritik „Fußpflege Deluxe“

Fußpflege - Foto © Jasmin K. BechtelFußpflege Deluxe – Carolin Seeger und Christoph Schlewinski

Von Marianne Kolarik

Niemand muss „Wetten, dass…?“ nachtrauern. Es gibt sie nämlich wieder, „Die Große Samstagabend Show“. Allerdings nicht mit dem Langweiler namens Lanz, sondern mit einem Duo, das die Welt so noch nicht gesehen hat: „Fußpflege Deluxe“, also Carolin Seeger und Christoph Schlewinski, haben die – mit allerlei Pannen angereicherte – Aufzeichnung für die Ausstrahlung auf Arte im Atelier Theater gestemmt. Ohne Promis, aber mit einem motivierten Publikum, das dabei war, als Fernsehgeschichte geschrieben wurde.

Im Ernst: da wird Goethes „Faust“ subtil und stil- und anspruchsvoll in einem Sketch verbraten, das MDR Fernsehballett tanzt vor einer Aral-Tankstelle (wobei die Details der Darbietung der Phantasie der Zuschauer überlassen bleibt, weil es keine MAZ gibt), es wird über die mangelnde Unterstützung der Kultur in Deutschland im Allgemeinen und die des Atelier Theaters im Besonderen geklagt und Tolstois „Krieg und Frieden“ als 15-Minuten-Musical nachgestellt, obwohl die städtischen Kleingeister alles getan haben, um die Aufführung zu verhindern. Ein Skandal.

Die geplante Überraschung fällt allerdings ins Wasser: der Besuch von Christoph Waltz. Stattdessen wird ein Werbeblock für (den Sponsor) Wasser („auch in den Beinen“) eingefügt. Schlewinski bläst in das Zellophan einer Zigarettenpackung und erhält so einen martialisch klingende Stimme, das bilinguale Publikum rät ein Lösungswort ohne Vokale und klatscht analog.

Das Besondere an dem Abend ist aber der Schlagabtausch, den sich die beiden Akteure liefern. Der Soap gestählte Autor Schlewinski und die Schauspielerin Seeger werfen sich wie die Weltmeister die verbalen Bälle zu, füllen ihre diversen Rollen mit souveräner Leichtigkeit, überbordender Freude am Spiel und gekonntem Timing aus – zum Dahinschmelzen. Eine große Show mit kleinem Budget, die zweifelsohne in die Geschichte des Köln Comedy Festivals eingehen wird.

©2015 BonMoT-Berlin
Foto: Jasmin K. Bechtel

Kategorien:Kabarett, Kritik

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