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Ich, verzweifelt gesucht – Kritik Mia Pittroff

Mia Pittroff - Foto Kultus KölnMia Pittroff:
Ganz schön viel Landschaft hier

Mit „Mein Laminat, die Sabine und ich“ hatte sich die aus Franken stammende Künstlerin auf der Kabarettbühne vorgestellt. „Ganz schön viel Landschaft hier“ heißt das zweite Solo von Mia Pittroff, das sie dieser Tage im Berliner BKA spielt.
Die Premiere Ende Oktober in Köln hat Marianne Kolarik gesehen:

Sie ist auf dem Weg von Berlin (wo sie inzwischen wohnt) über Köln (wo sie beim Köln Comedy-Festival auftritt) nach Bayreuth (wo ihre Mutter ihren 65. Geburtstag feiert): die 33jährige Kabarettistin Mia Pittroff lässt ihr zweites Programm „Ganz schön viel Landschaft hier“ bedächtig angehen. Und das ist gut so, ließe sich hinzufügen. Mit Charme und jeder Menge Liebreiz entwickelt sie ein Stück, das ihrem Leben abgelauscht zu sein scheint. Vordergründig. Bei näherem Hinsehen erweist es sich als eine klug reflektierte Vergewisserung des eigenen Standpunktes, der sich aus dem ergibt, was sie um sich herum beobachtet.

„Bleib‘ wie du bist“, sagen die Leute gerne zu ihr, um sie aufzumuntern. Wenn sie nur wüsste, wer sie ist, wenn sie nur wüsste, was sie machen würde, wenn sie Ich wäre. Noch während sie darüber sinniert, verblasst dieses schimärenhafte Wesen langsam. Zurück bleibt die Tochter einer dieser jung gebliebenen Best-Ager, die den Endspurt ihres Lebens als Leistungssport betreiben. Der Vater, ein ehemaliger Verwaltungsangestellter bei der Stadt, kauft sich ein tolles neues Fahrrad, dessen Lenkstange auch als Hüftgelenk einsetzbar ist. Andere überqueren die Alpen (ein Initiationsritus ins Renten-Alter), statt gelassen auf den Postboten oder den Tod zu warten.

Pittroff hat sich Gedanken über das unvermeidliche Schicksal von Tätowierungen (zum Beispiel ein Karpfen auf der Wade) gemacht und darüber eine Geschichte geschrieben, wünscht sich eine Gesichtserkennungs-App und konstatiert frei nach Ludwig Wittgenstein: „worüber ich nichts posten kann, darüber soll ich schweigen“. Und sie kreist sich selbst ein, indem sie sich mit der ihr eigenen Freundlichkeit auseinandersetzt – ein No-Go für einen Kabarettistin, deren Kernkompetenz schließlich das Schön-böse-Sein ist. Sie fragt sich, was an der Bösigkeit gut und schön sei, singt mit klarer Stimme ein Lied im C-Dur-Akkord („der Traumfänger unter den Akkorden“), setzt ihre Fähigkeiten als Personal Diary Writerin ein und spielt den Helene-Fischer-Ohrwurm „Atemlos durch die Nacht“ auf der Blockflöte. Hört sich sehr drollig an.

© 2015 BonMoT-Berlin
Foto: Kultus Köln

Mia Pittroff: Ganz schön viel Landschaft hier
Fr, 20.11., und Sa, 21.11.: Berlin
BKA – Berliner Kabarett Anstalt | Mehringdamm 34 | 10961 Berlin
Kartentelefon: 030.20 22 007

Links: alle weiteren Termine auf der Homepage von Mia PittroffBKA-TheaterWorld of Friends

Kategorien:Kabarett, Kritik, Premiere
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