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2015, det war wohl nüscht … – Kolumne von Mr. Rainer Ernst

Mr Rainer Ernst - Brain-Shake © Carlo Wanka gez_by SonjaKlingMeno! Nachmittags dunkel, morgens dasselbe und dann jetzt der Stress. Ich weiß ja nicht, woran es liegt und ob es nur mir so geht, aber Weihnachten kommt viel zu plötzlich und immer, wenn es einem so gar nicht in den Kram passt. Feiertage, das sind die Tage, an denen der Briefkasten leer bleibt. Keine Mitteilung vom Finanzamt, keine Einladung von der Justiz und nicht mal eine Zahlungsaufforderung von der Krankenkasse oder der IHK. Nichts, einfach leer.

Auch der Besuch kommt nicht in den vierten Stock. Das liegt aber nicht am fehlenden Aufzug, wie die Paketboten es einem vorwerfen, nee, der Heizungsmann hat schon seine Röhrchen getauscht und der Gerichtsvollzieher ist mit seiner Püppie und den Gören im Urlaub. Alles von deinem Geld.

Auf Schnee wartet man vergeblich, und dem Weihnachtsbaum habe ich, mit der Anschaffung von zwei Katzen und zwei Hunden schon vor Jahren abgeschworen. Was bleibt? Lauwarmer Regen. Nicht warm genug, um am Balkon ökologisch zu duschen, zu kalt, um sich von den Tölen in den Park treiben zu lassen. Außerdem bringen die Viecher nur Dreck und schmierige Laubreste nach Hause, und ich kann den ganzen Abend auf allen Vieren hinterherrutschen und den gatschigen Mist für die Biotonne einsammeln. Als hätte man nichts Besseres zu tun.

Im Fernsehen kommt doch bestimmt irgendein Jahresrückblick, das finde ich toll. Da zeigen die manchmal Ereignisse und Geschehnisse, da schau ich und denke so zu mir selbst, aber vollkommen überrascht: Nee, dass das auch erst in diesem Jahr war, was es so alles gibt!
Aber mal ehrlich, was war denn alles dieses Jahr los? Kann ich mich eigentlich noch erinnern?

Terror rund um den Globus, Flugzeuge kaputt, der Aufstieg und das Abdanken merkwürdiger oder suspekter Politiker, das Erfinden von Ausreden, die Überführung von Lügnern. Fußball- und Autoskandale. Mmmhh? Noch nie je zuvor gesehene Bilder aus dem All. Naturkatastrophen. Also Vulkanausbruch und übelste Überschwemmungen. Kindesmissbrauch und überhaupt Menschenrechtsverletzungen. Neue Bündnisse mit altbekannten Verbrechern und Brandanschläge. Ach ja, Verschwendung von Steuergeldern. Pleiten und Pannen, für die, für die es keine Schuldigen gibt und Pech für die, die sich bemühten. Stetiger Anstieg bei Geburten und HIV-Infektionen. Habe ich was vergessen? Nicht wirklich, oder? Sehen Sie und staunen Sie, das hatten wir alles schon in 2014 und werden es in 2016 exakt so zu erwarten haben.
2015, det war wohl nüscht …

Meine Prognose ist da ganz entspannt, ich gehe davon aus, dass wir erst so um 2020 mit leichten bürgerkriegsähnlichen Tumulten in Deutschland zu rechnen haben. Gut, Attentate in Berlin sind schon ab nächstem Januar zu erwarten. Ich glaube nicht von Terroristen, also eher so von meiner Nachbarin. Das zeigt sich damit an, dass Sie aus ihrem esoterischen Wintercamp kommt und einen Burschen im Schlepptau hat, der nicht so wie sie, um die 60, nein eher im Alter höchster Testosteronausschüttung steckt. Aber das ist eigentlich auch nichts Neues, höchstens für euch.

Ach ja, Helmut Schmidt hat sich nun dann doch komplett in blütenweißen Rauch aufgelöst – Ruhe seiner Asche. Und haben Sie gesehen, wie er als der Ausnahmepolitiker dargestellt wurde? Den einzigen und besten, den Deutschland je hatte, sollte man glauben. Sorry, ich bin ein Kind seiner Zeit und kann bezeugen, dass er vielen von uns mächtig auf die Nerven ging und er bei so manchen Entscheidungen mehr Glück als Verstand hatte. Wir bezeichneten ihn eher als arroganten Fatzke. Erst mit zunehmender Altersmilde und dem Wissen um die Zunahme an noch größeren politischen Vollpfosten, mag man gelten lassen, dass er schon für seine Arbeit am Volk lebte.
Tja, Helmut Kohl, dieses Rennen hast du jetzt auch noch ohne Zutun gewonnen.

Eine Änderung gab es, glaube ich, aber vielleicht habe ich es dieses Jahr nur so extrem wahrgenommen, da ich bei meiner Arbeit zu Hause öfter die News-Sender verfolgen konnte. Angefangen hat es mit der Berichterstattung wegen der Anschläge in Paris, dem Schlag gegen die Meinungsfreiheit. Dann zack weg, und die Griechen waren in, zack weg und Flieger, Flüchtlinge und Firmen. Jedes Mal sah man Moderatoren und zugeschaltete Korrespondenten von Orten, die in der Regel weit weg vom Geschehen waren, die einfach mal informationslos loslaberten – „Ach, da fragen Sie mich ja was!“ – und wochenlang versendet wurden – auf Teufel komm raus. Aber nicht mal der zeigte sich. Der hatte ja auch keine Zeit, der war ja mit so vielen Terminen ausgelastet, egal ob es um Hundeauslaufverbote, Staatsschulterschlüsse oder den DFB ging. Da könnte einem Luzifer schier leidtun, doch andererseits, wer Arschlöcher in die Welt setzt, muss auch dafür gerade stehen. Vielleicht wird er ja noch vor Silvester den Zauberlehrling zitieren: „Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los.“ Ach nee, die haben ja wir gerufen oder zumindest berufen.

Ach noch was zum Schluss. Das Wort Lügenpresse ist gemein und entspricht wirklich in keinster Weise dem ehrenhaften Journalismus, der da bei Wind und Wetter geleistet wurde. Seifenblasen-Presse, ist eher zutreffend.

Übrigens, wer das nächste Jahr etwas ruhiger gestalten will, sollte vielleicht mal über Sinn und Nutzen seiner so lieb gewordenen Apps nachdenken. Weniger digital datteln, eher mal analog austauschen. Es gibt wahnsinnig viele tolle Menschen da draußen, die würden einem guten Gespräch nicht abgeneigt sein.

Schöne Feste und Frohen Rutsch
Euer Mr. Rainer Ernst

– Stellt schon mal den Sekt kalt, draußen ist’s zu warm! –

©2015 BonMoT-Berlin

Kategorien:Kabarett, Schräges
  1. 27. Dezember 2015 um 16:06

    Hat dies auf STADTRABE rebloggt.

  2. 23. Dezember 2015 um 22:38

    Habe keine Apps und dattel nicht, aber ich wünsche dir besinnliche Weihnachten und ein friedliches 2016🙂

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