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Feminismus oder Revierverteidigung? – Kolumne von HG.Butzko

HG Butzko - Kolumne - design c.wankaLiebe Freunde des politischen Kabaretts,

die Vorgänge in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof und anderenorts verdienen nur ein einziges Wort: Widerlich! Die Täter gehören ermittelt, verhaftet und nach deutschem Recht und Gesetz bestraft.

Das muss man sich aber auch mal vorstellen. Da kommen Leute zu uns nach Deutschland, weil ihnen in ihrem Heimatland Folter und Todesstrafe droht. Und dann benehmen sich einige von denen bei uns im Gastgeberland auf eine Art und Weise, dass man zumindest ahnt, warum ihnen in ihrem Heimatland Folter und Todesstrafe droht.

Das Blöde ist, dass man genau diese Leute, denen in ihrem Heimatland Folter und Todesstrafe droht, nach deutschem Recht und Gesetz nicht in ihr Heimatland abschieben darf. Und warum? Weil ihnen dort Folter und Todesstrafe droht.

Und wie finden wir das? Genau richtig und vollkommen in Ordnung. Denn genau das unterscheidet uns als zivilisierten Rechtsstaat von einem Land, das Menschen mit Folter und Todesstrafe droht.

Ob übrigens deswegen auch der eine US-Amerikaner, der in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof verhaftete wurde, nicht in sein Heimatland abgeschoben darf, muss allerdings noch geklärt werden.

Über 600 Frauen haben sich inzwischen gemeldet, weil sie zum Jahreswechsel von Ausländern sexistisch belästigt und begrabscht worden sind. Wer sich allerdings nicht gemeldet hat, sind zigtausende von Frauen, die in den letzten Jahrzehnten von einheimischen Sexisten belästigt und begrabscht worden sind.

Und genau unter diesen Männern trifft man jetzt welche an, die auf einmal ihre Solidarität mit den Frauen entdecken. Männer, denen der Kampf gegen Sexismus jahrzehntelang am Pillermann vorbei ging, kämpfen plötzlich gegen Machoallüren und Chauvinismus. Und warum? Weil Migranten, Flüchtlinge und Ausländer die Täter waren. Und genau deshalb werden von genau diesen Männern diese widerlichen Vorgänge in der Silvesternacht jetzt instrumentalisiert, um systematisch Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen. Und auch das verdient nur ein einziges Wort: Widerlich!

Eine Million Flüchtlinge in Deutschland alles Vergewaltiger und Terroristen? Hallo? Jemand zu Hause? Als im Jahr 1998 circa 100 deutsche Hooligans in Nordfrankreich einen französischen Polizisten ins Koma geprügelt haben, da dachten die Franzosen damals jedenfalls nicht: „So sind alle Deutschen.“ Obwohl die Franzosen – weiß Gott – genügend Gründe gehabt hätten, das zu denken. Frag mal Omi und Opi!

Aber Pustekuchen. Zeitgleich lagen zigtausende deutsche Urlauber an den Stränden Südfrankreichs und rösteten gemütlich in der Sonne, ohne dass man die mit den Taten der Hooligans im Norden in Verbindung gebracht hätte. Da dachten die Franzosen nicht: „Das sind alles asoziale Mittelmeertouristen aus Deutschland an unseren Stränden.“ Denn die Franzosen wussten ganz genau: Asoziale Mittelmeertouristen aus Deutschland, die trifft man auf Mallorca.

Als Reiner Brüderle mal einer Reporterin des „Stern“ seine Tanzkarte geben wollte, da gab es eine riesige Kampagne gegen Sexismus. Warum? Weil die Reporterin vom Brüderle eigentlich ein Interview haben wollte, und der soll ihr darauf geantwortet haben: „Sie könnte ich mir auch gut im „Dirndl“ vorstellen.“

Wobei ich mir auch etwas anderes vorstellen kann, nämlich, dass der Brüderle, die alte Lallbacke eigentlich sagen wollte: „Mit Dir könnt ich mir gut ein Interview vorstellen gell?“ Und heraus kam dann aus seinem Mund: „Dirndl.“

Aber egal, anschließend gab es eine riesige Kampagne gegen Sexismus mit dem Hashtag #Aufschrei. Und zwar zu Recht! Unterstützung von den Männern? Der Witz: Natürlich bin ich für die Frauenbewegung. Solange sie schön rhythmisch ist.

Und wenn ich mir dann aber noch vorstelle, dieses Gespräch zwischen Brüderle und der Reporterin hätte nicht in einer gepflegten Hotelbar in Deutschland stattgefunden, sondern unter deutschen Mittelmeertouristen am Ballermann… Schon mal ein Liedtext von Micki Krause gehört?

„Es gibt 100.000 Frauen, denen ist alles zuzutrauen.
Es gibt 50.000 Weiber, die haben einwandfreie Leiber.
Doch ich will 10 nackte Friseusen mit richtig feuchten Haaren.“

Auch da hat man noch nicht wirklich davon gehört, dass deutsche Männer sich deswegen mit deutschen Frauen gegen sexistische Diskriminierung solidarisiert haben. Im Gegenteil. Wenn man den Reportagen von RTL II Glauben schenken darf, fliegen deutsche Frauen ja sogar extra dafür da hin! Und so lange Sendungen wie „Germany’s next Top Model“ oder „Der Bachelor“ super Einschaltquoten haben, und zwar gerade und nicht zuletzt unter Fernsehzuschauerinnen, so lange brauchen wir doch über die Anfänge von Sexismus noch gar nicht anfangen zu diskutieren.

Oder vervollständigt doch mal folgenden Text:
„Jetzt geht es los, mit ganz großen Schritten.
Und Erwin fasst der Heidi von hinten an die _______“

Na, was singt da der deutsche Frauenversteher?
„Das hebt die Stimmung. Und da kommt Freude auf.“

Mal ehrlich: Frauen berichten seit Jahrzehnten weltweit von ihren täglichen Erfahrungen mit Sexismus. Und die Aufgabe der Männer bestünde darin, ihnen zuzuhören. Interessant wird dabei nämlich folgende Auskunft:
Es ist einer Frau egal, ob ein Sexist handgreiflich oder „nur“ verbal übergriffig wird, ob er richtig zulangt oder „nur“ schlüpfrige Andeutungen macht. Beides wird von einer Frau als Bedrohung erlebt.
Es ist einer Frau darüber hinaus erst recht egal, ob ein Sexist spontan, womöglich vom Alkohol enthemmt durchdreht oder ob er kalkuliert, geplant und mit Vorsatz handelt.
Und vor allem ist es einer Frau aber mal sowas von komplett egal, welche Sprache ein Sexist spricht, bzw. aus welchem Land er kommt!

Und solange das zum teutonischen Verteidiger der abendländischen Werte nicht durchgedrungen ist, beschleicht mich doch ein bisschen der Verdacht, dass es ihm bei seiner Solidarität weniger um Frauenrechte geht, als vielmehr um das Abstecken des eigenen Revieres. Und das ist – ob Mann es glaubt oder nicht – für eine Frau das Allererste, was ihr egal ist. Und darum verdient nicht zuletzt auch das nur ein einziges Wort: Widerlich!

 

In diesem Sinne wünsche ich uns:
LOVE & PEACE & EGGS TO SEA
von Herzen herzlichst Euer
Herz-Günter Butzko

 

©2016 HG.Butzko/ BonMoT-Berlin

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Kategorien:Kabarett, Schräges
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