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Gehts um Menschenrechte oder um rechte Menschen? – Kolumne von HG.Butzko

HG Butzko - Kolumne - design c.wanka
Liebe Freunde des politischen Kabaretts,

wer mal wissen will, was für Kritiken man als Kleinkünstler so im Allgemeinen aushalten muss, hier der Inhalt einer Email, die ich nach der Sendung bekommen habe, und deren politische Brisanz ich Euch nicht vorenthalten will:

 

„Sagen Sie uns einmal, haben die Deutschen immer mehr den Anstand vergessen!
Warum setzen Sie sich, z.B. mit einer „Dächlikappe“ an einen Tisch in einem Restaurant?
Ist es vielleicht deshalb, weil Sie keine Haare mehr auf dem Kopf haben und sich dafür richtig schämen.
Auffallend ist auch immer bei solchen Personen, dass sie keine Ring an den Händen tragen und auch keine richtige Uhr am Arm haben.“

 
Sodann:

Die Vorgänge in Clausnitz und Bautzen machen es leider nötig, und auch wenn es viele fast schon nicht mehr hören können, aber grade für die muss man es anscheinend immer und immer wiederholen:

Wer davon ausgeht, dass Menschen ihre Heimat verlassen, weil’s Spaß macht, bei dem liegt ein entscheidender Denkfehler vor: Es muss erst das Maß voll sein, an dem man die Entscheidung trifft, alles zurückzulassen und lieber ins Ungewisse zu gehen, als in der Perspektivlosigkeit zu bleiben. Und bei diesem Maß handelt es sich nicht um eine Getränkeeinheit im Bierzelt. Zumal das, was einen Flüchtling in Deutschland von Ressentiments bis zu Brandanschlägen erwartet, ihm so ungewiss gar nicht ist. Dass er trotzdem kommt, sollte Hinweis genug sein, wie schlecht es ihm erst in seiner Heimat gehen muss.

Und in Clausnitz haben Menschen, die selber mal einem Unrechtssystem entkommen sind, gegen Menschen protestiert, die einem Unrechtssystem entkommen sind.

Natürlich hat man das Recht, mit der Flüchtlingspolitik der Regierung nicht einverstanden zu sein. Aber warum protestiert man dann gegen die Flüchtlinge, und nicht gegen die Politik? Vielleicht sind es nicht nur die Zuwanderer, die Integrationskurse brauchen, um ihnen beizubringen, welche Werte und Regeln bei uns so gelebt werden.

Angst vor Fremden ist menschlich. Das steckt seit der Steinzeit in unseren Genen. Die Evolution hat uns allerdings inzwischen die Wahl gegeben, ob wir im Umgang mit dieser Angst menschlich bleiben wollen oder unmenschlich.

Das Rausbrüllen der Angst kann tatsächlich heilsam sein. Allerdings nur, wenn man es bei einem Therapeuten macht. Der hilft dem Ängstlichen zu erforschen, welche anderen Motive da noch unentdeckt im Brüllen versteckt sein könnten. Am Ende landet man meistens bei ungeklärten Konflikten mit Mami und Papi und hat große Chancen, die Angst zu überwinden.

Brüllt man seine Fremdenangst gegenüber den Fremden raus, vertreibt man damit die Fremden, aber nicht die Angst.

Wir befinden uns also zurzeit in nichts Geringerem als einem Ausnahmezustand. Und mal ehrlich: Dafür geht unser normales Leben in unserem Land aber doch noch ziemlich normal weiter, oder? Ich jedenfalls habe noch nichts davon gehört, dass zum Beispiel wegen der Flüchtlinge „Deutschland sucht den Superstar“ abgesagt werden müsste. Und was gäbe ich darum, dass „Deutschland sucht den Superstar“ mal abgesagt werden müsste.

Während Millionen von Menschen auf dieser Welt sich fragen, ob sie überhaupt den nächsten Tag erleben, fragen wir uns in Deutschland, ob wir noch den Tag erleben, an dem Bayern München mal nicht vorzeitig deutscher Meister wird.

Gut, den Tag, an dem Bayern München mal überhaupt nicht mehr deutscher Meister wird, den werden wir nicht erleben. Das zu glauben, wäre aber nur eine Flucht aus, aber keine in der Realität.

Und damit das so weiter geht, und unser normales Leben inmitten einer humanitären Großkatastrophe normal weiter geht, hat die große Koalition ein paar ganz tolle Dinge beschlossen und das ganze Asylpaket 2 genannt. Ein Maßnahmenkatalog, von dem man nicht weiß, dient unsere Regierung damit den Menschenrechten von Flüchtlingen oder der Flucht vor rechten Menschen.

So hat man zum Beispiel beschlossen, Flüchtlingen ohne Pass Schnellverfahren zu unterziehen, um sie umgehend wieder abschieben zu können. Das macht Sinn, denn wenn man sich vorstellt, dass man zwischen Scharfschützen, Fassbomben und Artelleriegeschossen seine Haut zu retten versucht, dann ist das Erste, woran man für gewöhnlich denkt „Na, wo hab ich denn gleich noch mal meinen Pass liegen?“

Ein weiterer Beschluss im Asylpaket 2 ist, Algerien, Marokko und Tunesien einfach mal zu sicheren Herkunftsstaaten zu erklären.
Das heißt zum Beispiel, dass es in Marokko Kinder- und Zwangsarbeit gibt, die Verfolgung kritischer Journalisten, Oppositioneller und Regierungskritiker, keine Versammlungsfreiheit, und hin und wieder Berichte über Folter. In Tunesien gibt es das alles so ziemlich auch, außer dass da noch Terroranschläge hinzukommen.

Und weil es das in Algerien alles auch gibt, hat das Auswärtige Amt für Algerien sogar eine Teilreisewarnung herausgegeben. Also Deutsche, die nach Algerien wollen, werden von der Bundesregierung davor gewarnt, nach Algerien zu wollen. Algerier, die nach Deutschland wollen, jetzt auch. Weil Algerien ja so ein sicheres Herkunftsland ist.

So weit, so witzig. Der Knüller aber war die Sache mit dem Familiennachzug.

Den möchte man für bestimmte Flüchtlinge mit subsidiärem Schutz für zwei Jahre aussetzen. Das macht Sinn, denn grade die sexistischen Übergriffe alleinstehender junger Männer in der Silvesternacht haben uns vor Augen geführt, dass es für die innere Sicherheit nichts Besseres gibt, als alleinstehende junge Männer für mindestens zwei Jahre noch weiter alleinstehend zu lassen. Das beruhigt die Hormone und sorgt für ungezwungene Kontaktbedürfnisse.

Vor allem bei denjenigen jungen Männern, die noch minderjährig sind. Auch für die hatte die große Koalition in das Asylpaket 2 zunächst reingeschrieben, den Familiennachzug auszusetzen. Bis dann Sigmar Gabriel behauptet hat, man habe das gar nicht reingeschrieben. Also er jedenfalls wüsste davon nix. Was nur zwei Möglichkeiten zulässt: Entweder, er hat den Inhalt nicht gelesen, oder er hat nicht verstanden, ihm aber trotzdem zugestimmt. Beides spricht nicht wirklich für ihn.

Oder aber, und das wäre die dritte Möglichkeit. CDU/CSU haben es nach den Verhandlungen, also hinter dem Rücken der SPD nachträglich reingeschrieben. Das wiederum spricht nicht wirklich für eine vertrauensbildende Atmosphäre in der großen Koalition.

Am Ende hat man sich für eine Einzelfallentscheidung entschieden. Damit er sein Gesicht wahren kann, der Sigmar Gabriel, der erhabene Buddha aus Goslar, oder wie ich ihn immer nenn: der Harzer Roller.

Das Entscheidende ist aber etwas ganz anderes:
Dieses Asylpaket 2 führt vor allem zu einem: Nämlich, dass syrische Frauen und Familienangehörige jetzt noch ganz schnell, bevor es in Kraft tritt, auf eigene Faust nach Deutschland wollen. Sich also genau den Schlepperbanden ausliefern, denen man eigentlich das Handwerk legen möchte.

Und da frag ich mich doch: Schleppen diese Schlepper eigentlich auch Leute in umgekehrte Richtung? Also von Deutschland nach Syrien? Ich frag aus einem ganz einfachen Grund: Weil, ich wüsste da einige Politiker aus der großen Koalition, die ich denen dann gerne mitgeben möchte.

 

In diesem Sinne wünsche ich uns:
LOVE & PEACE & EGGS TO SEA
von Herzen herzlichst Euer
Herz-Günter Butzko

 

©2016 HG.Butzko/ BonMoT-Berlin

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Kategorien:Kabarett, Schräges
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